So feiert die Region Trier den Muttertag und Vatertag

Muttertag : So feiert die Region den Muttertag und Vatertag

Um den Muttertag ranken sich viele Geschichten und Diskussionen. Die Tradition ist einerseits sehr beliebt, steht aber auch in der Kritik.

Ein Elterntag als Ersatz? Gleichberechtigung statt Geschenke, Elterntag statt Muttertag: Manche Menschen kritisieren den Muttertag und wünschen sich etwas anderes. Altmodisch und total verstaubt sei er, heißt es. Die Rolle der Frau habe sich geändert. Die berühmten drei K – Küche, Kinder, Kirche – längst überholt? Abgelöst von Karriere, Kompetenz und Kompromisslosigkeit?

Anne Hennen, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Trier-Saarburg, hält den Tag für nicht mehr zeitgemäß: „Der Muttertag begrenzt die Frau auf die Rolle der Mutter. Er spricht ihr keine weiteren Fähigkeiten oder Tätigkeiten zu. Eine Frau ist aber wesentlich mehr als das.“

Anne Hennen schlägt eine Modernisierung des Muttertages vor, indem man diesen in einen Elterntag umwandelt. Heutzutage gebe es viele Väter, die sich genauso wie die Mütter um ihre Kinder kümmern. Daher solle die Leistung beider Elternteile im Vordergrund stehen und nicht mehr voneinander getrennt werden.

Der gesellschaftliche Wandel und die veränderten Geschlechterbilder sind auch in den Kindergärten und Schulen der Region zu spüren. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Familienformen: Kinder aus klassischen Familien, Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren und Kinder, die nur mit Vater oder Mutter aufwachsen. Die Mutterrolle übernimmt nicht zwangsläufig auch die Mutter des Kindes.

Mitmachgrafik: Anleitung für ein schönes Muttertagsgeschenk, Grafik: A. Zafirlis. Foto: dpa-infografik/dpa-infografik GmbH

Wandel in den Kitas Der Umgang der Kindergärten mit dem Muttertag hat sich gewandelt. Aufgrund neuer Familienkonstellationen sei es schwierig, ein Geschenk konkret für die Mutter vorzubereiten. Erika Werner, Gesamtleiterin der katholischen KiTa gGmbH Trier, erzählt: „Der Muttertag spielt keine so große Rolle mehr wie früher. Das übliche fabrikartige Basteln auf Kommando gibt es nicht mehr. Wir basteln nichts mehr konkret. Heute wird ganz anders gearbeitet, denn die aktuelle Pädagogik geht vom Kind selbst aus. Dabei steht die Beteiligung der Kinder im Vordergrund. Kommt das Kind auf die Idee, etwas zu basteln, unterstützen wir es dabei natürlich.“

Viel Umsatz für Floristen Als Muttertagsgeschenk sind vor allem Blumen beliebt. Traditionell werden weiße Nelken verschenkt. Diese waren die Lieblingsblumen der Mutter von Muttertagsbegründerin Anna Jarvis. Sie drückte ihre Wertschätzung poetisch aus: „Die Nelke lässt ihre Blätter nicht hängen, sondern schließt sie in ihr Herz, wenn sie stirbt. Genauso, wie Mütter ihre Kinder für immer in ihr Herz schließen.“

Aber auch Tulpen, Rosen, Gerbera, Anemonen, Ranunkeln und viele mehr werden gern gekauft. Unternehmer, Geschenkeläden und Floristen profitieren von dem Tag, da er hohen Umsatz verspricht.

Auch der Vatertag geht auf eine lange Tradition zurück. Viele Väter nehmen heute die gesetzliche Fördermöglichkeit der Elternzeit wahr. Foto: dpa

Nicola Fink, Pressesprecherin des Fachverbandes Deutscher Floristen Bundesverband, sagt im Gespräch mit der „Woch“: „Am Muttertag finden nicht typische Blumenkäufer den Weg in die Blumengeschäfte. Es ist schön, dass an Muttertag die meisten Kunden tatsächlich den Gang ins Blumengeschäft machen und dort ein schönes handwerkliches Unikat aus der Hand des Floristen erwerben.“

Nach Verbandsangaben kommen 75 Prozent der Schnittblumen aus dem Fachhandel. Fink: „Die Floristen freuen sich, wenn ihre kreativen handwerklichen Leistungen wahrgenommen werden. Der Tag ist eine große Chance für Floristen, auch wenn natürlich andere Stellen wie Baumärkte, Supermärkte oder Gartencenter Sträuße vertreiben.“

Die Blume sei ein wunderbares Motiv zu Muttertag, findet Nicola Fink. „Der Muttertag ist Frühling pur. Alles, was jetzt blüht, wird in Sträußen verarbeitet. Am liebsten werden Schnittblumen verschenkt, zunehmend aber auch Orchideen. Im Vergleich zu den Gestecken vor einigen Jahren werden heute überwiegend Sträuße gekauft. Im Augenblick sind softe, pudrige und sehr helle Pastelltöne und harmonische runde Formen total angesagt.“

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) werden in der Woche vor Muttertag im gesamten Handel 90 Prozent mehr Schnittblumen verkauft als sonst. Das Ausgabenvolumen liegt zwischen 160 und 170 Millionen Euro. Bevorzugt werden gemischte Blumensträuße. Dafür geben Käufer im Schnitt 12,50 Euro aus.

Der Vatertag Bei so viel Aufmerksamkeit für die Mütter müssten die Väter doch eifersüchtig gewesen sein und einfach ihren eigenen Feiertag kreiert haben, oder nicht? Weit gefehlt! Tatsächlich liegt der Ursprung dieses Tages ebenfalls am Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Im Zuge des Muttertags 1909 gedachte Sonora Smart Dodd ihrem Vater. Er hatte sie und ihre fünf Geschwister neben der harten Arbeit auf seiner Farm nach dem Tod seiner Frau allein großgezogen. Sie erreichte es, dass ab 1910 in ihrer Heimatgemeinde ein Vatertagsgottesdienst ähnlich dem zum Muttertag gefeiert wird. Von dort aus verbreitete sich der Brauch über die Welt, erreicht jedoch bis heute nicht die selbe Anerkennung wie der Muttertag.

In Deutschland wird er in heutiger Form seit 1931 gefeiert. Ein Herrenausstatter kopierte das traditionelle Muttertagsgeschenk und warb dafür, auch die Leistung der Väter zu ehren. Da Christi Himmelfahrt ab 1933 ohnehin ein Feiertag war, wurde der Vatertag einfach an diesen gekoppelt.

Beliebte Geschenke zu diesem Anlass sind Pralinen, alkoholische Getränke oder auch Grillzubehör.

Mia will ihre Mutter an Muttertag mit einem Frühstück überraschen. Da soll alles am richtigen Platz liegen. Foto: dpa/Claudia Bonati

Zeit für die Familie In Deutschland wird der Vatertag oft in Männerrunden mit Bier und Korn gefeiert. Aber wie auch zum Muttertag wollen viele Väter ihren Tag mit der Familie verbringen. Für beide Tage lassen sich die Cafés, Restaurants und Wirtschaften der Region viel einfallen wie zum Beispiel spezielle Muttertagsbuffets. Die Personenschifffahrt Gebrüder Kolb aus Trier bietet einen Muttertagsbrunch auf der Mosel an.

Aber auch am Vatertag gibt es einige Veranstaltungen. Die Brauerei Trierer Petrusbräu veranstaltet an diesem Tag beispielsweise ein Frühlingsbierfest.

In anderen Ländern ist es schon länger Sitte, dass die Tage für die Familie reserviert sind. Dort kennt man übrigens auch andere Daten für die beiden Tage. In vielen Ländern fällt der Muttertag auf den 8. März und wird zusammen mit dem Internationalen Frauentag gefeiert. in Luxemburg wird nicht am zweiten Sonntag im Mai, sondern genau einen Monat später gefeiert.

In Bezug auf den Vatertag ist Deutschland allerdings die Ausnahme. Die meisten Länder feiern am 19. März, zusammen mit dem Josefstag, oder am 3. Sonntag im Juni. Luxemburg feiert die Väter am 1. Sonntag im Oktober.

Mit kleinen Basteleien zum Muttertag drücken Kinder ihre Liebe und Dankbarkeit aus. Foto: dpa/Katharina Heimeier

Aus kindlicher Sicht sind die beiden Tage äußerst spannend. Die Trierer Psychologin Steffi Feider beschreibt Hintergründe: „Einerseits bekommen Kinder aus der elterlichen Erziehung und ebenfalls der Werbung ein Bild mit: Wir kaufen unseren Eltern an den Tagen etwas, weil wir sie lieben, und weil es das Richtige ist. Das führt natürlich zur Kommerzialisierung solcher Feste und ebenfalls der Liebe an sich. Andererseits können Eltern gerade an diesen Tagen die Beziehung zu ihren Kindern stärken und ihnen positive Werte mit auf den Weg geben. Kinder können lernen, dass es wichtig ist und auch ihnen selbst Freude bereitet, anderen Menschen ihre Wertschätzung auszudrücken. Das fördert dann ein gutes Miteinander in der Gesellschaft.“

Väter nutzen den Vatertag gerne, um mit Freunden und einem Bollerwagen auf Wanderschaft zu gehen. Foto: dpa

Veranstaltungstipp Die Volkshochschule Trier lädt zu einer feministischen Stadtführung ein am 12. Mai, 11 Uhr. Treffpunkt ist am Eingang des Stifts/Rehaklinik St. Irminen in Trier. Gästeführerin Angelika Kiebel widmet sich der „Vielfalt weiblicher Kulturgeschichte“.

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