Umwelt: Springkraut und Knöterich machen sich in der Region breit

Umwelt : Springkraut und Knöterich machen sich in der Region breit

Bekämpfen ist bei vielen eingewanderten Pflanzen- und Tierarten in der Region Trier zwecklos. Da hilft auch eine Liste mit invasiven Arten nicht, auf die sich die EU-Staaten geeinigt haben und die helfen soll, weitreichende Auswirkungen zu minimieren.

Drei eingewanderte Pflanzen begegnen dem Biologen Birger Führ bei seiner Arbeit – egal ob in Eifel, Mosel oder Hunsrück – immer wieder: der Riesen-Bärenklau, das Drüsige (Indische) Springkraut aus dem Himalaya und der Japanische Staudenknöterich. Zumindest ersteren versucht Führ, der auch Biotopbetreuer im Kreis Bernkastel-Wittlich ist, in Schach zu halten. „Gegen den Riesen-Bärenklau gehen wir mit gewisser Regelmäßigkeit vor“, sagt er. „Das ist auch relativ erfolgreich.“

An vielen Stellen wurde oder wird diese Pflanze bekämpft. Doch das ist aufwendig. Zum einen weil ihr Saft phototoxisch wirkt und zur Beseitigung Handschuhe, Schutzkleidung, Schutzbrille und gegebenenfalls sogar Atemschutz getragen werden sollten. Zum anderen wächst die zweijährige Staude bis zu 3,65 Meter in die Höhe und 60 Zentimeter tief ins Erdreich. Sie erzeugt bis zu 30 000 Samen, die im Boden bis zu sieben Jahren keimfähig sind und sehr gut schwimmen, so dass sie sich schnell an fließenden Gewässern verbreitet. Die anderen beiden Pflanzen machen sich ebenfalls gerne an Gewässern breit und sind auch sehr produktiv.

Das bis zu zwei Meter hohe, einjährige Drüsige Springkraut, das wegen seiner rosa Blüten einst als Zierpflanze beliebt war, schleudert seine bis zu 4000 Samen mit einem speziellen Mechanismus schon mal sieben Meter weit. Der Japanische Knöterich ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit kleinen weißen Blüten und kann innerhalb von wenigen Wochen drei bis vier Meter hoch werden. Das Tückische: Die Art bildet unterirdische Wurzelstöcke, mit Hilfe derer sie schnell ausgedehnte dichte Bestände bilden kann. Der bayerische Arzt Philipp Franz Balthasar Siebold hat den Knöterich um 1825 als Zier- und Viehfutterpflanze von Japan nach Europa gebracht.

Die europäische Liste Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut und Japanischer Knöterich stehen genauso wie Waschbär und Nilgans auf der Unionsliste. Diese EU-Liste umfasst 49 invasive Arten in Europa, die mit ihrer Ausbreitung die Lebensräume, Arten oder ganze Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können.

Die Unionsliste schafft laut Bundesamt für Naturschutz eine Grundlage für konkretes Handeln. Besonders wichtig seien ein Besitz- und Vermarktungsverbot sowie schnelle Maßnahmen in der frühen Phase der Invasion. Für bereits weit verbreitete Arten müssten geeignete Managementmaßnahmen gefunden und umgesetzt werden. Durch die Maßnahmen sollen Auswirkungen auf die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen sowie gegebenenfalls auf die menschliche Gesundheit oder die Wirtschaft minimiert werden.

Mindestens 32 der gelisteten Arten kommen schon jetzt in Deutschland wildlebend vor. 16 von ihnen haben sich in Rheinland-Pfalz angesiedelt. Zehn invasive Arten kommen in allen Bundesländern vor. Zu den letzteren zählen der Riesenbärenklau, das Drüsige Springkraut, der Waschbär und die Nilgans. Außerdem: die Nutria (südamerikanisches Nagetier, das der Bisamratte ähnlich sieht), der Marderhund (eine Hundeart, die aus Sibirien, China, Japan stammt), die Bisamratte, die Buchstaben-Schmuckschildkröte, der Kamberkrebs und die Schmalblättrige Wasserpest, die alle vier aus Nordamerika stammen. Die sechs weiteren, die in Rheinland-Pfalz vorkommen, sind: Blaubandbärbling (ein Karpfenfisch), der Rote amerikanische Sumpfkrebs, der Signalkrebs, die Chinesische Wollhandkrabbe, die Gewöhnliche Seidenpflanze und die Wechselblatt-Wasserpest.

Bekämpfung von Arten Eingewanderte Arten zu bekämpfen, scheint vielfach aussichtslos zu sein. Auf der Homepage des Bundesamts für Naturschutz heißt es: „Viele problematische Neobiota-Arten, die weiträumig etabliert sind, werden nicht mehr ausrottbar sein, so dass sie nur in begründeten Einzelfällen bekämpft werden sollten, um sie unter Kontrolle zu halten oder lokal zu beseitigen.“ Die Auswirkungen dieser Arten sollten die Bekämpfung rechtfertigen. Dies sei beispielsweise bei einer Bedrohung seltener oder gefährdeter Arten oder bei besonders negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder wirtschaftliche Aktivitäten der Fall.

Andere Einwanderer Auch eingewanderte Tier- und Pflanzenarten, die nicht auf der Unionsliste stehen, können häufig vorkommen und Probleme verursachen. So hat Harald Fuchs, Kollege von Biotopbetreuer Birger Führ, beobachtet, dass sich die Beifußblättrige Ambrosie stark vermehrt. Er habe das Kraut an der Mosel und an Bächen wie Salm und Lieser gesehen. Unangenehm kann die Pflanze deshalb werden, weil sie ein starkes allergenes Potenzial hat, das um ein Vielfaches höher liegen soll als bei Gräserpollen.

Für Angler ist die Schwarzmeergrundel ein Ärgernis. Der europäische Brack- und Süßwasserfisch hat sich in den vergangenen Jahren durch den Rhein-Main-Donau-Kanal bis an die Nordsee ausgebreitet und besiedelt mittlerweile etliche Gewässer wie Mosel und Rhein, in denen er ursprünglich nicht heimisch ist. Er hängt immer öfter anstatt heimischer Arten am Haken.

Die Varroamilbe hat die Imker das Fürchten gelehrt. Das etwa einen Millimeter große Spinnentier, das ursprünglich im tropischen Ostasien lebte, schwächt Honigbienen auf vielfache Art und Weise und lässt ganze Völker kollabieren. Der Parasit ist vermutlich mit importierten Bienen nach Europa eingeschleppt worden.

Gartenfreunde ärgert der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Falter, dessen Raupen Buchsbäume kahlfressen können. Der Falter gelangte vermutlich durch den internationalen Handel mit Baumschulware nach Europa.

Neobiota und der Nationalpark Das Thema eingewanderte Tier- und Pflanzenarten spielt im Nationalpark Hunsrück-Hochwald keine allzu große Rolle. Dr. Andrea Kaus-Thiel von der Abteilung Forschung, Biotop-, Wildtiermanagement des Nationalparkamts teil auf Anfrage mit: „Zunächst ist zu sagen, dass wir eigentlich keine Maßnahmen zur Eindämmung von Neobiota durchführen.“

Die Varroamilbe gilt hierzulande als eine der größten Gefahren für die Honigbiene. Foto: dpa/Uli Deck
Er wuchert und wuchert: Der Japanische Staudenknöterich ist zu einem großen Problem geworden. Foto: picture alliance / Frank Reichel/Frank Reichel
Dreist, aber sehr putzig: Waschbären sind Allesfresser, die sowohl pflanzliche Nahrung als auch Wirbellose und kleine Wirbeltiere zu sich nehmen. Foto: dpa/Felix Heyder

Das Ein- und Abwandern von Arten sei auch ein Prozess der Evolution – häufig mit dem Klimawandel einhergehend – und werde im Zuge des Prozessschutzes zugelassen. Klaus-Thiel nennt folgende Ausnahmen: Arten, die für den Menschen gesundheitsschädlich seien und auf der Unionsliste stünden.

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