Diskotheken: Vom Diskjockey zur Playlist

Diskotheken : Vom Diskjockey zur Playlist

Vor 60 Jahren öffnete die erste Disko der Welt ihre Türen. Seitdem hat sich viel geändert.

Im Oktober 1959 eröffnete die erste Diskothek der Welt – in Aachen. Bis dahin tanzte man nur zu live spielenden Bands. Der Österreicher Franzkarl Schwendinger betrieb das Speiselokal „Scotch Club“ in der Stadt, aber es hatte offenbar nicht so viel Erfolg. Also machte er daraus die „Jockey Tanz Bar“ und engagierte mit Klaus Quirini jemanden, der Platten auflegte. Das gab es bis dahin in dieser Form so nicht. Seit damals hat sich die Club- und Diskokultur stark verändert.

Dominique Koch (42) kann viel dazu erzählen. Seit Anfang der 90er legt er als DJ Carnage 23 auf – mit zwölf Jahren zum ersten Mal. Mit 13 hatte er seine ersten bezahlten Auftritte in der Löwengrube in Traben-Trarbach. Seine Mutter fuhr ihn hin, wartete zwei Stunde auf ihn und brachte ihn vor Mitternacht wieder nach Hause. Als er 15 war, spielte er ganze Nächte durch. Er besorgte sich dafür vom Jugendamt eine Erlaubnis. Später folgten ein Lehramtsstudium der Germanistik und Politikwissenschaft und das Referendariat, aber die Idee, jeden Tag früh am Morgen arbeiten zu müssen, behagte dem Nachtmenschen nicht. Also versuchte er, hauptberuflich als DJ zu arbeiten. Koch legte im Colosseum in Wittlich und im Empire in Speicher auf. Und er legte lange im Club Toni in Trier auf. Es folgten Jobs in der ganzen Region, auf Ibiza und Formentera, in Holland, Italien, Frankreich und weiteren Ländern. Heute hat Koch immer noch 80 Auftritte im Jahr, legt aber mehr bei Firmenevents auf. Auch, weil er mit 42 aus der Disko-Zielgruppe rausgewachsen sei, wie er sagt.

In den 90ern habe es immer mehr Großraum-Diskos in der Region wie das Riverside in Trier oder das Colosseum in Wittlich gegeben. „Die kleinen Läden bekamen Probleme und gingen kaputt“, sagt Koch. „Als dann um die Jahrtausendwende die Leute keine Lust mehr auf große Clubs hatten, gab es aber viele kleine nicht mehr.“ Die Leute seien weniger weggegangen. Das sei bis heute so. Damals sei jeder Club immer voll gewesen, heute nur noch an einzelnen Tagen. Koch denkt, das manche Clubs und Diskos ihre Türpolitik ändern und nicht mehr jeden reinlassen sollten. Wieder strikter sein, Begehrlichkeiten schaffen.

„Es war damals anders als heute“, sagt Koch. „Heute brauchst du ein gutes Marketing, musst aber nicht gut auflegen können.“ Suchmaschinen und Instagram hätten die Mund-zu-Mund-Empfehlungen ersetzt. Manche DJs würden nur noch auf „Play“ drücken und nicht mehr so sehr auf die Menge reagieren. „Früher wurde dem DJ mehr gehuldigt.“ Heute gingen die Leute eher auf Events wie zum Tomorrowland in Belgien oder zum Nature One in Rheinland-Pfalz.

„Die Gäste wollen immer mehr. Ein Drittel kommt, um die Woche zu vergessen, ein Drittel ist verzweifelt auf der Suche nach dem nächsten Partner, und nur ein Drittel kommt zum Feiern.“ Und dann würden alle ständig auf ihre Smartphones schauen. „Die Leute nehmen ihre Umgebung und die Musik dadurch nicht richtig wahr.“

Die WOCH hat sich mit Menschen unterhalten, die sich in der Club- und Diskoszene in der Region auskennen. Eine Übersicht über wichtige Clubs, die es in der Region gab und teilweise noch gibt, finden Sie auf Seite 2.

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