Wetter: Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Wetter : Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Chaos herrscht auf den Straßen, Lastwagen stellen sich quer und versperren die Autobahnen. Und in der zweiten Januarwoche hat der Winter zugelangt. Es staute sich über Stunden – nichts ging mehr. In den Wochen zuvor hatte der Winter nur kurz mal reingeschaut. Doch Anfang Januar hat er sich in ganzer Pracht gezeigt. Was sich für Autofahrer als Herausforderung und Ärgernis erwies, dürfte für Kinder und Schneeliebhaber eine Freude gewesen sein.

Ein glitzerndes Winterwunderland mit verschneiten Dörfern, Eiszapfen hängen von Dächern und Bäumen, sanft rieseln zarte Flocken vom Himmel, und bei jedem Schritt knirscht es unter den dicken Sohlen – von einer Zuckerwatte-Landschaft, wie sie in Weihnachtsliedern besungen wird, war an Heiligabend nichts in Sicht. In der Region bewegten sich die Temperaturen zwar am zweiten Weihnachtsfeiertag um den Gefrierpunkt herum, aber von weißen Flocken konnte so mancher nur träumen. In Deuselbach im Hunsrück hatten die Kinder nur wenig mehr Glück: Am 26. Dezember konnten sie die hauchdünne Schneedecke zu einem halben Schneeball zusammenkratzen. Auch an Silvester konnten die Menschen in der Region draußen mit Sekt anstoßen, ohne dass die Hände am Glas festfroren.

Dies lässt den Eindruck entstehen, dass es die kälteste Jahreszeit wegfällt. Haben wir überhaupt noch einen richtigen Winter, wie er früher einmal war? „Der Winter ist in Deutschland die kälteste Jahreszeit, die Temperaturen gehen immer noch zurück“, hält Wiesbadener Meteorologe Dominik Jung fest. „In diesem Sinne haben wir noch einen richtigen Winter.“ Doch der Experte vom Wetterportal wetter.net weist auch darauf hin, dass insgesamt die Temperatur auf der Erde angestiegen ist. Und die Wetteraufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts zeigen, dass die Winter zwischen 1961 und 1990 kälter waren als seit 1991. „Es blieb über mehrere Tage kalt, und deshalb blieb auch der Schnee länger liegen“, sagtder Wetterexperte.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten häuften sich milde Winter, immer wieder stellten die Wintermonate Dezember, Januar und Februar neue Wärmerekorde auf. „Das Gefühl, dass der Winter nicht mehr so kalt ist wie früher, ist also durchaus berechtigt.“ Wer nun allerdings befürchtet, dass es künftig keinen Winter mehr mit Schnee und Eis geben wird,  den der Meteorologe beruhigen: „Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin Schnee im Winter haben werden. 2001 wurde von einem Klimaforscher vorhergesagt, dass es in Deutschland keinen Winter mit Schnee mehr geben wird. 2010 hatten wir extrem kalte Wintermonate mit viel Schnee.“

Präsent ist vielen auch der heiße Sommer 2018, der so manchen über Wochen brüten und brutzeln ließ und gar nicht enden zu wollen schien. Strahlender Sonnenschein, Hitze und kaum ein Tropfen Regen zwischen August und Oktober. „Bemerkenswert war die langanhaltende Dürre, nicht die Hitze“, betont der Wetterexperte. Rund um Trier fiel nur knapp die Hälfte des normalen Niederschlags. Und das, obwohl im Juni mehrere Hochwasser die Region heimsuchten. Nur in der letzten Juli- und der ersten Augustwoche habe eine echte Hitze geherrscht, sagt Jung. In Trier und an der Messstation Manderscheid-Sonnenhof in der Eifel lag die Durchschnittstemperatur im Juli drei Grad Celsius höher als die Mittelwerte der Sommer zwischen 1981 und 2010. An der Messstation in Deuselbach lag die Durchschnittstemperatur 2,5 Grad über den Vorjahresmittelwert.

Der Hitzerekord des Sommers 2003 wurde nicht geknackt. Denn damals lag sowohl im Juni als auch im August die Durchschnittstemperatur um vier Grad über dem Vorjahresmittelwert. „Allerdings war es im Sommer 2003 im Durchschnitt nasser als im vergangenen Sommer.“

Ob solche Sommer zur Regel werden und der Winter in ein paar Jahren ausfällt, dazu geben der Meteorologe Dominik Jung und Günther Heinemann, Professor für Umweltmeteorologie an der Universität Trier, ihre Einschätzung auf Seite 2

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