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Unsere Vereine: Wenn es keinen Prinzen gibt, ernennen wir halt einen König

Unsere Vereine : Wenn es keinen Prinzen gibt, ernennen wir halt einen König

Die Hädaborja Flappesse sind ein eher junger Verein. Doch Karneval hat in Heidenburg eine große Tradition.

Das war für Wolfgang Heinen im Vorjahr die große Überraschung: Denn ohne sein Wissen hatten die Hädaborja  Flappesse aus Heidenburg/Verbandsgemeinde Thalfang ihn zum Fastnachtskönig gekrönt. Der Grund: 2019 konnten die Flappesse kein Prinzenpaar stellen. Deshalb entschloss sich der Vorstand, dem verdienten Fastnachter am Tag der eigentlich vorgesehenen Prinzenproklamation die besondere Ehre zukommen zu lassen. Wieso gerade Heinen, der sich nach Aussage der Vorstandsmitglieder der Flappesse lieber im Hintergrund hält? Die Argumente sind typisch karnevalistisch: „Wolfgang ist der einzige, der auf der Bühne steht und nicht nein sagt. Er trägt es mit Fassung“, sagt Sitzungspräsident Kai Eiserloh. Dazu habe er auch das Ansehen im Dorf und engagiert sich für den Verein. Den derzeitigen Prinzenwagen hat er fast alleine gebaut. Dann sollte er auch mitfahren“, sagt die Vorsitzende und Heinens Lebensgefährtin Simone Thiele. Erst war die Überraschung groß, sagt Heinen. „Aber nachher habe ich mich ganz gut gefühlt und die Aufgaben erledigt, die das Prinzenpaar sonst bewältigt.“

Dieses Ereignis passt so richtig zum Vereinslied. Denn die Narren singen während der Session gerne „Dat git es nur in Häädeborsch“, passend auf die Melodie von „Kölsche Jung“

In diesem Jahr brauchen die Flappesse keine Überraschung vorzubereiten. Denn mit Ralf II. und Simone II. alias Ralf Mattes und der Vereinsvorsitzenden Simone Thiele hat sich 2020 ein Prinzenpaar gefunden. „Wir haben uns beide spontan bereit erklärt“, sagen sie. „Ein Prinzenpaar bringt die Fastnacht weiter“, sagt Thiele. Das einzige Prinzenpaar in der VG Thalfang brachte den Hädeborja Flappesse auch ein Privileg: Sie hatten lange die Schlüsselgewalt bei der Thalfanger Rathausstürmung.

Regiert in Heidenburg: das Prinzenpaar Ralf II. und Simone II. Foto: Christoph Strouvelle

2007 ist der Verein unter dem Namen KV Hädeborsch Helau 2007 gegründet worden. 2017 ist er dann unbenannt worden in Hädeboja Flappesse 2007, in Anlehnung an den gleichnamigen Verein, der bereits Mitte der 1980er gegründet wurde, sich dann aber Anfang der 2000er aufgelöst hatte. „Die Fastnacht ging trotzdem durch, trotz Vereinswechsel“, sagt Schriftführer Jörg Christen.

Doch ist die Fastnacht in Heidenburg wesentlich älter. „Bereits in den 1950er Jahren gab es erstmals einen Fastnachtszug in Heidenburg“, sagt Christen. Dieser sei durch die Heidenburger Gastronomen in Verbindung mit engagierten Heidenburger Bürgern organisiert worden. Ende der 1980er bis zu Beginn der 1990 Jahre war dann die goldene Zeit des Heidenburger Karnevals gewesen. Zwei Kappensitzungen, Kinderkarneval, Fastnachtsbeerdigung und Heringsessen habe man damals veranstaltet. Der Grund für den Boom: „Damals gab es nichts in den Nachbargemeinden“, sagt er.

Der Vorstand der Heidenburger Flappesse (von links nah rechts): Susan Eiserloh, Kai Eiserloh, Sonja Feller, Jörg Christen, Simone Thiele und Ivonne Künzer. Foto: Christoph Strouvelle

Doch können sich die Flappesse immer noch über viel Zulauf freuen. Am Umzug nehmen rund 20 Positionen teil, darunter sind etwa die Hälfte Wagen, die andere Hälfte Fußgruppen. Zwei Drittel kommen aus Heidenburg, die anderen aus anderen Ortschaften. Nach dem einstündigen Umzug, den bei schönem Wetter bis zu 1200 Schaulustige besuchen, gibt es in der Heidenburghalle die After-Zug-Party mit rund 500 Besuchern.

Fastnachtskönig Wolfgang Heinen. Foto: Verein

Wo haben die Flappesse ihre Stärken? „In der Jugend. Da haben wir guten Zulauf“, sagt Thiele. 30 Mädchen und junge Frauen sind in den drei Garden, Kindergarde, Jugendgarde und Prinzengarde, aktiv. Dazu besucht das Prinzenpaar am dicken Donnerstag den Kindergarten und, falls keine Ferien sind, die Grundschule.