Umwelt: Wenn Pflanzen und Tiere einwandern und bleiben

Umwelt : Wenn Pflanzen und Tiere einwandern und bleiben

Waschbär, Nilgans und Riesen-Bärenklau sind drei von 800 gebietsfremden Arten, die in Deutschland heimisch sind. Sie führen in der Region zuweilen zu Problemen.

Eingewanderte Tier- und Pflanzenarten schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. Beim asiatischen Marienkäfer war das schon vor zehn Jahren der Fall. „Marienkäfer aus Übersee können Wein verderben“, hieß es damals. Bei den Nilgänsen ist es noch nicht so lange her, dass sie verstärkt in den Fokus geraten sind. So haben beispielsweise ihre Hinterlassenschaften im Schweicher Schwimmbad, die mehrmals täglich vom Beckenrand entfernt werden mussten, im vergangenen Jahr Ärger ausgelöst, über den der Trierische Volksfreund mehrfach berichtete.

Ebenfalls dreist, aber vom  Aussehen putziger kommt der mittlerweile in ganz Deutschland verbreitete Waschbär daher. Unter dem Titel „Wo die Waschbären wohnen“ informierte der TV im Januar 2018 über einen landesweiten Rekord, den derzeit die Eifel hält. So wurden 2012 im Eifelkreis Bitburg-Prüm 109 der Allesfresser erlegt, so viele der Bären wurden bislang sonst nirgendwo in Rheinland-Pfalz gefangen.

Eine Pflanze, die vielerorts bekämpft wird, ist der Riesen-Bärenklau. Er verbreitet sich nicht nur hartnäckig, sondern führt zusammen mit Sonnenlicht auch zu Hautirritationen. „Der Kampf gegen Windmühlen“ hieß es zuletzt im September 2018 zu Beständen im Eifelkreis Bitburg-Prüm im TV.

Die vier genannten Arten sind durch den Einfluss des Menschen nach Deutschland gekommen. Neobiota (Neu-Lebewesen) ist der Überbegriff für eingewanderte Tier- (Neozoen) und Pflanzenarten (Neophyten), die seit  1492 eingeführt wurden. Das Jahr, in dem Amerika entdeckt und der Handel über Kontinente hinweg intensiver wurde, ist ausgewählt worden, weil Handel und Verkehr für die Einführung dieser Tiere und Pflanzen eine wichtige Rolle spielen.

Viele Neobiota wurden unbeabsichtigt eingeschleppt, etwa als Handelsgüter oder als Larven im sogenannten Ballastwasser von Schiffen. Dieses Wasser wird in spezielle Tanks gefüllt, um unbeladene Schiffe zu stabilisieren. Viele Arten hat der Mensch aber zunächst ganz bewusst eingeführt. So wurden die Marienkäfer aus Asien, die im Vergleich zu ihren einheimischen Verwandten in Deutschland in der Regel viel mehr Punkte aufweisen, ursprünglich zur biologischen Schädlingsbekämpfung vor allem in Gewächshäusern eingesetzt. Sie sind ausgebüxt und seit 2002 im Freien teilweise in Massen gesichtet worden.

Die Nilgänse wurden seit dem 18. Jahrhundert als Ziergeflügel gehalten und haben sich in den 1970er Jahren von den Niederlanden ausgehend ausgebreitet. Der Riesen-Bärenklau, der aus dem Kaukasus stammt, wurde zunächst als Zierpflanze und fälschlicherweise als Bienenweide ausgesät. Jäger sollen ihn auch als Deckungspflanze für Wild und zur Böschungssicherung angepflanzt haben. Und die aus Amerika stammenden Waschbären sind entweder aus Pelztierfarmen getürmt oder wurden ausgesetzt.Rund 800 eingewanderte Arten haben sich laut Bundesamt für Naturschutz in Deutschland bislang dauerhaft etabliert.  Das sind rund ein Prozent der Arten überhaupt in diesem Land. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellt fest, dass von den meisten dieser gebietsfremden Arten keine Gefahren für Natur oder Gesundheit ausgehen und sie auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen haben. Doch immerhin hält das Amt das Thema für so wichtig, dass es ihm eine ausführliche Internetpräsenz (www.neobiota.bfn.de) widmet. Das hängt mit den invasiven (eindringenden) Arten zusammen. Im Naturschutz bedeutet invasiv, dass diese Arten unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben. Mehr Infos hier.

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