Gedenktage: Zeit der Besinnung und Neuorientierung

Gedenktage : Zeit der Besinnung und Neuorientierung

In der Mitte des Herbstes, wenn die Blätter an Bäumen und Weinbergen sich bunt färben und langsam abfallen, gibt es gleich mehrere kirchliche und staatliche Gedenktage innerhalb weniger Wochen.

Zum einen geht es um gestorbene Mitmenschen, die besonders geehrt werden. An solchen Tagen können aber auch alle über ihr eigenes Leben nachdenken, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Welche Ziele verfolgen wir? Wie ist es um das Verhältnis mit anderen bestimmt? Nach welchen Werten richten wir unser Leben aus?

Mit der Zeit der Gedenktage endet das alte Kirchjahr, bevor das neue mit der Adventszeit beginnt.

Für die Evangelische Kirche ist der 31. Oktober als Reformationstag ein wichtiger Feiertag im Jahresverlauf. Er erinnert an die 95 Reformthesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg veröffentlichte. Der Theologieprofessor sah seine Thesen als Aufruf zu einem wissenschaftlichen Streitgespräch. Die evangelischen Christen feiern den Beginn der kirchlichen Erneuerung durch Martin Luther.

Allerheiligen und Allerseelen sind katholische Feiertage zum Gedenken an die Heiligen und alle Toten. Traditionell gehören der Friedhofsbesuch und die Gräbersegnung dazu. Allerheiligen am 1. November fällt in diesem Jahr auf einen Freitag und ist in Rheinland-Pfalz auch ein gesetzlicher Feiertag.

Die katholische Kirche spricht Menschen in einem offiziellen, oft jahrzehntelang dauernden Verfahren heilig. Oft geht es um Menschen, die in ihrem Leben ungewöhnlich mutig waren und für Notleidende gesorgt haben. Auch der Nachweis eines Wunders ist nötig. Die Heiligsprechung selbst übernimmt der Papst. Schon im vierten Jahrhundert wurden Allerheiligenfeste in der katholischen Kirche gefeiert.

Allerseelen wird am Samstag, 2. November, begangen. Im Gegensatz zu Allerheiligen ist Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag. Allerseelen gilt zum Gedenken aller Verstorbenen und deren Seelen. Die Gräber der Verstorbenen werden besucht und geschmückt. Außerdem werden kleine Grablichter angezündet, die als Erinnerungen an den Verstorbenen dienen. Allerseelen wurde im Jahr 998 von dem Mönch Abt Odilo von Cluny ausgerufen.

Der Volkstrauertag folgt am Sonntag, 17. November, statt. An diesem staatlichen Gedenktag steht die Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege, des Nationalsozialismus und der Gewaltherrschaft im Mittelpunkt. Auf den Soldatenfriedhöfen gibt es Kranzniederlegungen. Der Feiertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten während des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen.

Buß- und Bettag und Totensonntag sind evangelisch geprägte Feiertage, haben aber auch für andere Bedeutung. Die Gedanken an das ewige Leben stehen im Mittelpunkt. Die Tradition des Buß- und Bettags lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Er ruft mit dem Wort Jesu: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) zur Umkehr auf. Nach 1990 war der Buß- und Bettag ein bundesweiter Feiertag, seit 1995 ist er aber nur noch im Bundesland Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. In diesem Jahr wird der Buß- und Bettag am Mittwoch, 20. November, begangen.

Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag am Sonntag, 24. November, schließt die Reihe der Gedenktage. Offiziell wurde der Totensonntag durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im 1816 eingeführt. Die Menschen besuchen den Friedhof, schmücken und pflegen die Gräber der Angehörigen. Der letzte Sonntag im katholischen Kirchenjahr ist Christkönigstag, das „Hochfest Christus, König der Welt“.

Mehr zu Traditionen und Gedenktagen in der Region lesen Sie im WOCH-Hintergrund auf Seite 2.

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