1. Die Woch

Gärtnern: Umgraben, jäten, misten, Rillen ziehen und einpflanzen

Gärtnern : Umgraben, jäten, misten, Rillen ziehen und einpflanzen

Gekauft wird alles von der Tomate bis zum Rotkohl. Obst- und Beerensträucher sind ebenfalls gefragt. Vielen Hobbygärtnern ist auch der Schutz der Bienen wichtig.

Ab in die Gärten und auf den Balkon: In Zeiten des großen Zuhausebleibens begeistern sich immer mehr Menschen für das Gärtnern. Die Gartencenter in der Region boomen.

Stefan Hürtgen vom Blumenhaus in Thalfang würde Menschen, die ihren eigenen Garten anlegen, den Tipp geben, ihm besondere Zeit zum Reifen zu geben. „Man sollte sich im Vorfeld Gedanken machen, was man haben will. Wenn es für einen selbst ist, würde ich danach schauen, dass ich mir Dinge anbaue, die ich so im Laden nicht bekomme, die eine besondere Qualität haben.“ Das fängt für Hürtgen bei der Sortenauswahl an und beim Ausprobieren, wann der richtige Zeitpunkt zum Pflanzen und zum Säen ist. „Bei der Rauke beispielsweise ist es sinnvoll, sie erst spät zu setzen. Dann erntet man zwar erst im Herbst, aber sie gedeiht besser. Das sind Erfahrungswerte, die man nur bekommt, wenn man ausprobiert.“

Dass es viele Menschen gibt, die jetzt mit dem Gärtnern anfangen, hat auch Annette Fehrholz vom Obst- und Gartenbauverein Bengel festgestellt. „Die Menschen haben Zeit, sie befürchten, dass das Gemüse teurer wird – beispielsweise durch die Trockenheit – und besinnen sich aufs Selbst­erzeugen.“ Jungpflanzen produziert der Verein selbst. „Ich betreue auch Schulgärten, und während die Schulen geschlossen waren, durfte ich dort Gemüsepflanzen anziehen.“ So haben die Mitglieder keine Probleme, an Pflanzen zu kommen und verkaufen sie auch, beispielsweise in Bengel, auf dem Wochenmarkt in Trier oder auf dem Demeterhof Breit bei Wittlich, wo sie Stände haben.

Beim Ost- und Gartenbauverein Daun ist das Interesse an Vorträgen zu Obst- und Pflanzenschnittkursen ebenfalls groß. „Familien legen sich kleine Beete mit Tomaten und Pflücksalat an, und Hochbeete sind sehr im Trend. Ein klares Zeichen dafür ist, dass einige Discounter sie anbieten. Und die haben oft ein gutes Gespür für Dinge, die jetzt nachgefragt sind.“ Heiner Berg von der Gärtnerei Berg in Morbach sieht diese Entwicklung auch. „Viele fragen nach Hochbeeten und nach guter Erde für Gemüsegärten. Gekauft wird alles – von der Tomate bis zum Rotkohl. Bei den Kräutern gab es zeitweise Engpässe. Obst- und Beerensträucher sind ebenfalls gefragt.“ Sehr viel zu tun hat auch die Gärtnerei Steindorf in Bitburg. „Es wird alles bunt gemischt nachgefragt“, sagt eine der Mitarbeiterinnen.

Was einigen Menschen mit Garten oder Balkon aber ebenfalls wichtig ist: der Schutz der Bienen. Das hat Roland Münz von der Gärtnerei Münz in Prüm dazu veranlasst, an der Aktion „Beedabei“ des Künstlerpaars Peter Kalb und Gisela Bartulec aus Nürnberg mitzumachen. Dabei werden gelbe Kästen mit bienenfreundlichen Blumen bepflanzt, die auch in der Gärtnerei erhältlich sind. Münz: „Da sind Blumen mit Lockwirkung oder Nektar wie beispielsweise die Goldmarie oder Salbei dabei. In Prüm werden wir auch die Blumenkästen am Rathaus und an der Prümbrücke damit gestalten und so eine Blütenvielfalt in die Stadt bringen, die den Bienen nutzt.“

Entspannt den Garten genießen können auch Kinder. Foto: Monika Lambert-Debong
Petunien, Geranien und Co.: Die Gartencenter bieten eine bunte Fülle an Sommerblumen an. Foto: Christina Bents
Einige Gärtnereien machen bei der Aktion „Beedabei“ mit. Dabei werden gelbe Blumenkästen mit bienenfreundlichen Blumen bepflanzt. Foto: Gärtnerei Münz

Susanne Steffens von Garten-Florist Steffens in Saarburg fasst zusammen: „Die Leute wollen es sich zuhause schön machen. Sie richten sich darauf ein, dieses Jahr viel zuhause zu sein. Für Keramikplatten interessieren sich viele Kunden, Steingärten gehen zurück, und Spalierpflanzen für kleine Gärten sind beliebt. Auch ein kleiner Brunnen für die Terrasse oder eine neue Liege laden zum Entspannen daheim ein.“