1. Die Woch

Unsere Vereine: Und am Ende ist alles gut

Unsere Vereine : Und am Ende ist alles gut

Die Märchenbühne der Vulkaneifel ist seit 20 Jahren aktiv - Wegen Corona finden dieses Jahr keine Aufführungen statt, eine Veranstaltung ist für März 2021 in Greimerath geplant.

Martin Gesthuisen, der Erfinder, Ideengeber und Leiter der Märchenbühne Vulkaneifel bittet die Eltern in dieser ruhigeren Weihnachtszeit die Gelegenheit zu nutzen, ihren Kindern Märchen und Geschichten vorzulesen und zu erzählen. „Nutzen Sie die Krise, um Altes wieder neu zu entdecken. Märchen erzählen Krisen und wie man sie bewältigen kann. Mit List und Verstand, vielen Helfern und unvorhersagbaren Ereignissen, Tatkraft auch auf verschlungenen Wegen  und auch Glück. Und am Ende geht alles gut aus. Märchen sind Lebensbejaher.“

„Kinder brauchen Märchen und Geschichten“. So lautet das Buch eines bedeutenden Kinderpsychologen und Philosophen aus dem letzten Jahrhundert. Martin Gesthuisen ist davon überzeugt: „Diese Feststellung ist auch heute, besonders in der aktuellen Zeit, richtig. Vor über zwei Jahrzehnten hat er die Märchenbühne der Vulkaneifel ins Leben gerufen. Sie spielt immer in der Alten Kirche in Hasborn in den Weihnachtsferien bekannte Märchen für die ganze Familie. Die Vorstellungen haben ein treues Stammpublikum und sind meist schnell telefonisch ausverkauft. Die Idee, Leben in die schön erhaltene Alte Kirche in Hasborn zu bringen, stammt von Hans Adriani aus Hasborn. Er übernahm die Organisation und Martin Gesthuesen die Spielleitung. Viele Stücke sind von dem Trierer Autor Helmut Rach für die Gruppe umgeschrieben worden. Notfalls werden Rollen erfunden, um allen Spieler einem zu ihnen passenden Auftritt zu ermöglichen.

Martin Gesthuisen blickt zurück: „Wir begannen mit Hänsel und Gretel, Grimms Mutter aller Märchen, und fünf Akteuren. Schnell wurde es in den nächsten Jahren Kult, mit der ganzen Familie die Aufführungen zu besuchen. Die kleinen Kinder sitzen immer alle in den ersten Reihen und werden teilweise ins Geschehen mit einbezogen. Das Wichtigste für sie ist das emotionale Erleben, das Mitgehen mit den Spielern und mitzuerleben, wie diese die Gefahren und Aufgaben, die im Märchen bewältigt werden müssen, meistern. Und am Ende ist alles gut. Und‚ wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute.“

Die Märchenbühne besteht heute aus rund 25 Kindern und Jugendlichen der umliegenden Orte Greimerath, Hasborn, Bausendorf, Lüxem, Bettenfeld, Ober- und Niederöfflingen. Auch Erwachsene sind dabei. Es spielen in jedem Jahr Neuanfänger und alte erfahrene Hasen, die auf anderen Bühnen aktiv sind oder waren. Die jungen Spieler waren oft als Kinder als Zuschauer mit dabei. Von Schultheatergruppen melden sich Kinder, Erwachsene haben Blut geleckt. Wer einmal dabei war, kommt meist wieder.

Martin Gesthuisen zum jährlich wiederkehrenden Ablauf: „Ab Oktober finden normalerweise die ersten Proben statt, nachdem die Auswahl über das jeweilige Stück getroffen wurde. Die Rollen sollen mit den eigenen Persönlichkeiten der Spieler harmonieren. Ich gebe allen großen Freiraum bei der Gestaltung der Rollen. Kein starres Auswendiglernen, es darf auch improvisiert werden. Spaß und Intensität ist gefragt, denn das soll rüberkommen. Auf Technik haben wir, bis auf Lichtänderungen, weitestgehend bewusst verzichtet, da wir den direkten Kontakt zum Publikum suchen. Gesangseinlagen werden auch von befreundeten Sängerinnen ohne Mikros gesungen. Das Bühnenbild hat sich im Laufe der Jahre mit Bühnenteilen, die teilweise von Schülern der Maria-Grünewald-Schule im Werkunterricht herstellt wurden, angesammelt und wird jetzt immer wieder umgebaut. Hunderte Kostüme, teilweise aus Spenden, sind im Fundus zu finden.“

Das letzte Stück, die „Prinzessin auf der Erbse“, war ein sehr anspruchsvolles Stück, da es für viele treue Mitspielerinnen wahrscheinlich ihr letztes war. In der Interpretation des Märchens ging es um Fremdenfreundlichkeit und die Akzeptanz anderer Kulturen. Die Hauptdarstellerin Gina Rutkewitz glänzte in der Rolle der Fremden und entschloss sich, sich auf einer Schauspielschule in Berlin zu bewerben. Überglücklich war sie, als sie angenommen wurde.

Im Laufe der Jahre hat drei weitere junge Damen aus der Gruppe die Leidenschaft zum Theater so gepackt, das sie eine professionelle Schauspielschule besucht haben.

Dieses Jahr ist Paulinchen dabei

Martin Gesthuesen: „In diesem Jahr war eine ganz besondere Aufführung geplant. Der Kinderbuchautor Pit Schäfer, der mit der ganzen Familie in den Anfangsjahren mitspielte, hat zwei sehr erfolgreiche Kinderbücher herausgebracht, das dritte folgt demnächst. Daraus wollten wir ein Theaterstück mit Gesang und Beteiligung der Zuschauer entwickeln. Wegen Corona haben wir überlegt, dieses Märchen als Lesung mit Gesang zu präsentieren. Es soll im Frühjahr im Kräutergarten in Greimerath zur Aufführung kommen. 

Pit Schäfer zu den Hauptfiguren: „Das sind Paulinchen Geranie, Joschi der Waldtroll aus der Eifel und die alte Marie. „Paulinchen Geranie lebt in Schweden. Ein Hagelsturm droht die Glasscheiben der Gärtnerei zu zerstören. Brusonius, ein alter Waldtroll rettet alle Pflanzen. Paulinchen muss ihm dafür einen Wunsch erfüllen und eine geheime Nachricht zu seinem Freund Joschi, der in der Eifel lebt, bringen. Dafür verzaubert Brusonius die Geranie, die zuerst sprechen und dann laufen lernt. Auf ihrem Weg von Schweden in die Eifel muss Paulinchen allerlei Gefahren überstehen, findet Joschi und teilt ihm die Nachricht mit. Joschi darf im nächsten Jahr zum Tanz der Polarlichter an den Nordpol reisen.“

Im zweiten Buch zieht der Winter in der Eifel ein und Paulinchen hat Heimweh nach Schweden. Ein Kranich bringt ihr eine Nachricht von ihren Freunden aus der Heimat. Sie will nun eine Karte zu Weihnachten verschicken. Aber es schneit so heftig, dass kein Postauto mehr fahren kann. Da ruft Joschi seine Großtante Smella, eine Waldelfe. Sie versendet für Paulinchen einen Sternengruß nach Schweden. Joschi hat mittlerweile erfahren, wie gefährlich die Reise zum Nordpol wird und hat Angst bekommen. Im muss es gelingen, sieben Pflanzen, sieben Tiere und sieben Menschen mit reinem Herz in der Nacht zum ersten Mai an einen magischen Ort in der Eifel zu bringen, dann kommen die Polarlichter tatsächlich. Und er weiß auch schon, wie und wohin.

Bei der Vorstellung 2018/2019 in „Das Böse“ versucht die schwarze Königin, Streit und Zwietracht in das Reich der Prinzessin zu bringen. Zwei Fremden gelingt es, durch Sympathie und Einfallsreichtum das Böse aus dem Märchenreich zu verbannen. Foto: Märchenbühne Hasborn
Die Hauptdarsteller bei der Prinzessin auf der Erbse von links nacht rechts: Tim Bastgen, Lydia Dukart und Martin Gesthuisen. Foto: Hayer
Der Kinderbuchautor Pit Schäfer, der mit der ganzen Familie in den Anfangsjahren mitspielte, hat zwei sehr erfolgreiche Kinderbücher herausgebracht, das dritte folgte demnächst. Foto: Pit Schäfer

Und so soll die Vorstellung aussehen: Jeweils einzelne Akteure werden die Geschichten vorlesen, während im Hintergrund digital auf einer Großleinwand die Bilder aus den bisher von Pit Schäfer im Eifelbildverlag erschienen Büchern ja nach Szene eingeblendet werden. Passend dazu werden zwei oder drei weitere Mitspieler Protagonisten aus dem Buch darstellen und dazu den passenden Dialog führen.