1. Die Woch

Edelbrand: Von der Wiese in die Flasche

Edelbrand : Von der Wiese in die Flasche

In der Eifel wächst der Rohstoff für Obstbrände.

Intensiv fruchtig nach reifen Früchten und angenehm mild, so schmeckt der Sauerkirschbrand von Haller’s Destillerie aus Prümzurlay in der Südeifel. Und räumt damit gleich mit dem Vorurteil auf, dass ein Obstbrand seinen Namen dem Brennen im Abgang verlangt. Im Gegenteil: Ein scharfer Geschmack zeugt von Fehlern bei der Herstellung.

Wie wird ein Destillat aber nun zum Siegerbrand bei der Edelbrandprämierung? Ein wirkliches Geheimnis gibt es dabei nicht. Gutes Obst, Zeit und Erfahrung sind die Hauptzutaten. „Das fängt bei der Frucht an“, sagt Reinhard Haller, der rund 600 Obstbäume besitzt. Er verwendet nur „saubere Früchte ohne Blätter und Stiele“. Die Sauerkirschen für den Siegerbrand stammen aber nicht von den eigenen Streuobstwiesen, sondern sind im Osten der Eifel bei Mülheim-Kärlich gewachsen. Nach der Ernte werden sie zerkleinert, die Maische gärt etwa sechs Wochen in Fässern aus glasfaserverstärktem Kunstoff. Bakterien und Hefen wandeln den im Obst enthaltenen Fruchtzucker in Alkohl um. Der anschließende Brennvorgang dauert gut zwei Stunden für 110 Liter. Das Destillat mit mindestens 70 Prozent Alkoholgehalt lagert dann ein halbes Jahr, bevor es auf Trinkstärke  von 40 Prozent Alkoholgehalt gebracht wird.

Reinhard Haller erklärt, worauf es dabei ankommt: „Die Maische muss gesteuert werden.“ Eine permanente Kontrolle der Temperatur sowohl bei der Gärung als auch beim Brennen gewährleisten ein optimales Ergebnis.

Im Keller werden die Brände in Fässern gelagert. Foto: Daniel John

Im Keller lagern Brände von A wie Apfel bis Z wie Zwetschge in Fässern aus Edelstahl, Steingut und Eichenholz, bis sie in Flaschen abgefüllt werden. Bei den Äpfeln stehen zudem verschiedene Sorten wie Gravensteiner, Boskoop oder der Rheinische Bohnapfel zur Auswahl. Neben der eifeltypischen Nelchesbirne gibt es auch einen Williams-Brand. Von dieser hierzulande noch seltenen Sorte ist Reinhard Haller aber im Hinblick auf den Klimawandel überzeugt. Trockene Sommer wie in den vergangenen Jahren stellen nicht nur Winzer, sondern auch Brenner vor neue Herausforderungen.