Unsere Vereine: 180 Jahre und kein bisschen leise

Unsere Vereine : 180 Jahre und kein bisschen leise

Obwohl der MGV Hillesheim Nachwuchssorgen hat, stehen die aktiven Sänger voll hinter ihrem Verein

Wenn ein Männergesangverein ein Durchschnittsalter von 74 Jahren hat, dann muss man sich schon sorgen machen. Das geben der Vorsitzende des MGV Hillesheim, Richard Esch und sein Stellvertreter Horst Schulze unumwunden zu. Trotz Nachwuchsproblemen „wollen alle weitermachen“, sagt Richard Esch. Der Zusammenhalt im Chor sei gut und die Geselligkeit werde hoch geschätzt. Die Chorproben fanden früher jede Woche statt, heute nur noch alle 14 Tage. „Das bedauern einige sehr“, sagt Esch, schließlich ist die Lust und die Leidenschaft zum Singen geblieben, auch wenn man schon älter ist.

16 Sänger gehören zum MGV, „der älteste ist 84 Jahre alt und der jüngste 61“, erzählt Horst Schulze. Leider seien junge Menschen nicht mehr zum Chorgesang zu bewegen, meint Esch. Liegt es vielleicht auch am Repertoire? „Wir singen vorwiegend sakrale Lieder, auch beim Konzert am Sonntag, aber wir würden uns gerne jungen Menschen anpassen und modernere Lieder einstudieren“, sind sich die Vorstandsmitglieder Esch und Schulze einig. „Die Hauptsache, der Chor bleibt bestehen“.

Dabei fing alles so gut an. Der Männergesangverein „Eintracht“ 1839 Hillesheim soll, wie der Name schon sagt, 1839 gegründet worden sein. Urkunden oder Protokolle aus dem Gründungsjahr gibt es nicht, wohl aber etliche Hinweise in einem alten Protokollbuch, das dem Verein noch vorliegt. Vermerkt ist dort eine Generalversammlung vom 23. Mai 1885 mit folgendem Hinweis: „In der heutigen Versammlung erklärte unser bisheriger Präsident Herrn Carl Faasen durch seine bevorstehende Auswanderung dem Verein ferner nicht mehr vorstehen zu können und nahm also seinen Abschied, nachdem er über 40 Jahre dem Verein angehörte“ (siehe Foto). Ein weiterer Eintrag lässt Rückschlüsse auf das Jahr der Gründung zu, nachdem der Verein in eine Krise geraten war und aufgelöst werden musste: „Am 10. Februar 1908 fand die Auflösung der alten Mitglieder bei einem Faß Bier und Würstchen statt. Anwesend waren 18 Mitglieder. Die Fahne mit der Gründungszahl 1839, der Anschaffungszahl 1891 und die vorhandenen Statuten und alten Bücher erhielt der sich unterdessen neugebildete Gesang-Verein „Eintracht“ zum Preise von 30 Mark unter der Bedingung der Weiterführung der „Eintracht“ und das alle, bei der Übergabe der Fahne noch lebende Mitglieder zeitlebens als Ehrenmitglieder, ohne Zahlung der jährlichen Beiträge geführt würden“.

Unsere Vereine: MGV Hillesheim. Foto: TV/Verein

Die erste Bedrängnis war also überwunden und der Verein lebte weiter. In den Statuten ist auch aufgeführt, welche Bestimmung der Gemeinschaft zugrunde liegt: „Der Zweck des Vereins ist Ausbildung und Belebung des Männergesanges durch praktische Übung und Ausführung classischer sowie moderner Musikwerke an den dazu bestimmten Tagen.“ Und das wurde auch gründlich ausgelebt, hat der Verein doch, wie ein Artikel von Richard Esch im Heimatjahrbuch des Kreises Daun 2017 zu lesen ist, „im 19. und 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im kulturellen Leben der Stadt Hillesheim eingenommen“. Zahlreiche Konzerte und Theateraufführungen sind protokolliert.  Höhepunkte waren damals die Auftritte am 1. Juli 1912, als die neu erbaute Eifel- oder Ahrbahn eröffnet wurde sowie das 75-jährige Stiftungsfest am 28. Juni 1914. Die Schirmherrschaft bei diesem Fest lag bei „Seiner Exzellenz, dem Oberhofmeister Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Herrn Freiherrn von Mirbach Hochgeboren“, damals wohnhaft in Berlin, so liest man aus den Akten.

Dann folgten zwei Kriege, die die Aktivitäten des Vereins fast ganz verstummen ließen. „Vom Wiedererwachen des MGV Eintracht Hillesheim“ spricht in den Akten ein Eintrag von der Generalversammlung am 5. Januar 1964. Ab dieser Zeit fanden wieder regelmäßig Konzerte und Jubiläen statt. Seit 1981 bis 2014 wurden jährliche Liederabende veranstaltet. Heute singt der MGV zu Muttertag in der Messe und zur Totenehrung am Volkstrauertag. Aufgrund des fehlenden Nachwuchses trauert man im MGV Hillesheim den Zuständen vor 100 Jahren nach. Denn damals gab es eine sogenannte Ballotage, eine Abstimmung über Neuaufnahmen im Verein. Der Andrang schien damals groß gewesen zu sein, was heute nicht mehr der Fall ist. Wie bereits erwähnt, wären die Sänger froh über jeden Neuzugang. Wer Interesse hat und sich informieren möchte,  kann das am 29. Oktober tun. Dann ist die nächste Probe im Gasthaus Bauernstube in Hillesheim.

Unsere Vereine: MGV Hillesheim. Foto: TV/Verein
Unsere Vereine: MGV Hillesheim. Foto: TV/Verein
Unsere Vereine: MGV Hillesheim. Foto: TV/Verein

  Lydia Vasiliou

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