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Gillenfeld
Rocker mit Herz

Gemeinsam geht es auf Tour beim Motorrad-Club Dragspeed – aber erst mal machen Biker und Maschinen Winterpause.
Gemeinsam geht es auf Tour beim Motorrad-Club Dragspeed – aber erst mal machen Biker und Maschinen Winterpause. FOTO: MC Dragspeed Gillenfeld / Pascal Rodermund/Norbert Waldorf
Gillenfeld. Schon äußerlich erkennt man sie: die Rocker des Motorrad Clubs (MC) Dragspeed Gillenfeld. Nach amerikanischem Vorbild hatten 1996 etwa fünf Motorradfans unter der Regie von Mark Schenk den MC Dragspeed in Gillenfeld gegründet.

Schenk kannte sich aus, denn bis zu diesem Zeitpunkt war er Mitglied in einem MC in Ulmen. Klar, dass er President (Vorsitzender) des Chapters Gillenfeld ist.

Das Klischee der harten Kerle, Tattoos auf der Haut, Piercings, Bärte oder lange Haare, erfüllen die rund 20 Männer des Clubs in vollem Umfang. Dazu noch die schweren Maschinen mit einem Hubraum von mindestens 500 Kubikzentimetern, die die Basis des Clubs ausmachen.

Zurzeit allerdings stehen die Motorräder in der Garage, werden gewartet „und freuen sich auf das nächste Frühjahr“, sagt Pascal Rodermund alias Passi aus Niederscheidweiler, der die Funktion des Vice-Presidents (stellvertretender Vorsitzender) im Club ausübt. Die Kutte, eine schwarze Lederweste, ist selbstverständlich, und sie ist das Erkennungsmerkmal und Statussymbol eines jeden MCs. Die Abzeichen auf der Kutte, die sogenannten Patches, zeigen auf der linken Seite den Rang eines Mitglieds, den Namen und die Ortsgruppe mit dem Logo des Clubs. Die Chapterpatches sind rechts angebracht. Die Gillenfelder tragen gleich drei dieser Patches, denn seit etwa sieben Jahren hat sich das Chapter Nomads aus Frankfurt und seit einem Jahr das Chapter Straelen am Niederrhein, Nähe der holländischen Grenze, dem MC Dragspeed angeschlossen. „Sie sind zwar eigenständige Clubs, unterliegen aber unseren Entscheidungen“, sagt Mark Schenk. Und was beschlossen wird, ist Gesetz, jeder muss sich daran halten, ansonsten gibt es Verwarnungen oder sogar den Ausschluss aus dem Club.

„Zu unseren Aktivitäten gehören gemeinsame Ausfahrten, Besuche bei anderen Clubs und die Freizeit miteinander zu verbringen“, sagt Schenk. „Familie und Job gehen aber immer vor.“ Die weiteste Fahrt habe man bisher zu einem befreundeten Club nach Wales gemacht, sagt Schenk. Aber auch Touren nach Spanien oder in die Schweiz sind keine Seltenheit. Seit sechs Jahren nehmen alle Clubs aus der Eifel an der „Eifel Connection Tour“ teil, die immer am Pfingstwochenende reihum von den jeweiligen Clubs organisiert wird.

Geselligkeit wird ohnehin groß geschrieben beim MC Dragspeed Gillenfeld. Seit der Gründung veranstalten die Mitglieder jährlich im Sommer eine dreitägige Party auf dem alten Sportplatzgelände am Pulvermaar. Durch Ankündigungen über Facebook müssen die Jungs auch schon mal einen Besucheransturm von bis zu 800 Menschen verkraften. „Im vergangenen Jahr war sogar eine über 60-jährige Dame aus Norwegen mit ihrer Harley in Gillenfeld“, freut sich Schenk. „Wir haben eigene Zelte und das gesamte Party-Equipment“, sagt Rodermund, „und es gab noch nie Ärger, denn wir passen selbst auf, dass niemand über die Strenge schlägt.“ Livemusik und attraktive Preise bei einer Verlosung sind Standard bei jeder Sommerparty. „Vor sechs Jahren haben wir eine brandneue Harley verlost“, betont President Schenk. Die Lospreise ergeben sich dann aus dem Wert des Hauptpreises. „Wir sind nicht gewinnorientiert und stellen daher den Erlös immer einem guten Zweck zur Verfügung“, sagt Schenk. In diesem Jahr konnte sich die Dauner Tafel aufgrund der Spende des Clubs eine Gefriertruhe leisten, die dringend benötigt wurde. „Wir übergeben nur Sachspenden, damit das Geld nicht für andere Dinge ausgegeben wird“, betont Schenk. Auch an die Villa Kunterbunt in Trier, Maria Grünewald und an die Gillenfelder Schule oder Kindergarten sind Sachspenden übergeben worden. Die Schule freute sich über ein neues Mofa, da die Mofa-AG nicht mehr stattfinden konnte, weil das Gefährt nicht mehr funktionsfähig war. „Wir haben das gerne gemacht, denn die Kinder sind ja unser Nachwuchs“, meint Schenk.

Zwischendurch kümmern sich die Motorradfans auch um die Renovierung oder Instandhaltung des Vereinsheims in der Holzmaarstraße. Auch die Gemeinde kann sich auf den MC verlassen. „Bei der 1000-Jahr-Feier vor zwei Jahren haben wir die Security übernommen und nachts in den Straßen die Verkaufs- und Ausstellungsstände bewacht“, sagt Schenk.

Und wie wird man nun Mitglied im Club? „Die Leute müssen zu uns passen“, erklärt Rodermund. So gibt es vor der Aufnahme erst einmal den Status eines „Hangaround“, was so viel bedeutet wie einfach mal vorbei kommen, sich kennenlernen und beschnuppern, bevor man dann zum „Supporter“, einem Unterstützer, aufsteigt. Hat man das geschafft, darf man sich „Prospect“ (Probemitglied) nennen und kann dann nach zwölf Monaten ein Full Member (Vollmitglied) werden, „wenn alle einverstanden sind“, sagt das Oberhaupt des Clubs. Und wie sieht es mit weiblichen Mitgliedern aus? „Die gibt es nicht“, sagt Rodermund und lacht: „Wir wollen unsere Ruhe haben.“ Sie seien aber keineswegs frauenfeindlich betonen beide mit Nachdruck: „Wir sind sehr darauf bedacht, dass da ein respektvoller Umgang gepflegt wird.“ Und das können sie bei der Winterparty am Samstag, 24. November, im Clubhaus in Gillenfeld beweisen, denn dann sind auch Damen willkommen.

Drei Fragen an Mark Schenk, President

des MC Dragspeed Gillenfeld

Wie stellen Sie sich die Zukunft des Clubs vor, welche Ziele setzen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass der MC Dragspeed noch lange existiert. Wir sind auch froh, wenn wir neue, junge Mitglieder bekommen, obwohl wir nur ein Durchschnittsalter von etwa 35 Jahren haben. Aber die bringen vielleicht neue Ideen mit, durch die sich eventuell geeignete Perspektiven für unseren Club ergeben.

Was bedeutet der Club für Sie?

Das Größte und Wichtigste sind die vielen selbstlosen Momente, bei denen die Mitglieder füreinander da waren und jederzeit sind. Er gehört für mich zu meinem Leben.

Sie geben das typische Bild eines Rockers ab. Gibt es da schon mal Probleme mit dem Umfeld?

Uns ist durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die Vorurteile haben. Das ist aber total unbegründet. Wir sind nämlich nicht kriminell und halten uns von den dafür einschlägig bekannten Clubs in Deutschland fern.

Ein Muss: die Bikerjacke – hier getragen von Pascal „Passi“ Rodermund bei einer Ausfahrt nach Spanien.
Ein Muss: die Bikerjacke – hier getragen von Pascal „Passi“ Rodermund bei einer Ausfahrt nach Spanien. FOTO: MC Dragspeed Gillenfeld / Norbert Waldorf
Mark Schenk (rechts) ist President des MC Dragspeed, Pascal Rodermund sein Vize.
Mark Schenk (rechts) ist President des MC Dragspeed, Pascal Rodermund sein Vize. FOTO: Lydia Vasiliou
Zum Bike-Weekend kommen bis zu 800 Gäste ans Pulvermaar.
Zum Bike-Weekend kommen bis zu 800 Gäste ans Pulvermaar. FOTO: MC Dragspeed / Norbert Waldorf
Pascal Rodermund auf seiner Suzuki Intruder 1400, die er seit 19 Jahren fährt.
Pascal Rodermund auf seiner Suzuki Intruder 1400, die er seit 19 Jahren fährt. FOTO: Norbert Waldorf