1. Die Woch

Motor: Warum denn gleich die Welt retten?

Motor : Warum denn gleich die Welt retten?

Im Fahrbericht der Woch heute ein betörend schönes Fahrzeug aus dem Land der Samurai: Das Lexus LC 500 Cabriolet.

Lexus, das hört sich nach Luxus an. Nach Komfort, nach Leistung, nach dem Außergewöhnlichen halt. Trifft in diesem Falle auch zu, denn das vornehme japanische Töchterlein aus dem Mutterhaus Toyota bietet all das. Meist jedoch kommt ein Lexus als SUV, als staatstragende Limousine und zudem als umweltfreundliches Hybridfahrzeug daher. Doch Lexus kann auch anders. Gott sei Dank, sagen wir. Acht Zylinder, reiner Saugmotor, 464 PS, 270 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Wenn das dergestalt aufgebrezelte Töchterlein mag, dann zieht es in 15 Sekunden sein Stoffmützchen aus und wird zum jugendlichen Wirbelsturm. Heißa Kathreinerle, da geht die Post aber ab! Doch eigentlich geht es den Cabriolets wie den Dinosauriern vor Jahrmillionen. Sie sind eine aussterbende Spezies. Das Gros der Hersteller verabschiedet sich nach und nach von diesem Spaßangebot. Die einmal gern gesehenen CC-Varianten (Coupé-Cabriolet) haben längst eine dauerhafte Garage in der Mottenkiste gefunden. Nur Lexus lässt sich da nicht beirren. Wo die schwäbische Konkurrenz der neuen S-Klasse in vornehmer Zurückhaltung das feste Dach belässt, da mischt der LC 500 die Oberklasse mächtig auf und lässt tief (ins Interieur) blicken.

Zwar lässt auch Lexus sein Oberklassemodell als Coupé auf die Straße. Doch als Frischluft-Bomber aus dem Lande der Samurai hat er eben das gewisse Etwas. Viel ist an Konkurrenz in der Preisklasse um die 120 000 Euro nicht mehr übrig geblieben. Das Maserati GranCabrio etwa, der BMW 8er, der Porsche 911 oder eines der verbliebenen Mercedes-Modell aus der E-Klasse. Beim Lexus passen offen wie geschlossen die Proportionen. Das Dach faltet sich dermaßen eng zusammen, dass man am Kofferraum keine Änderungen braucht und die 149 Liter Fassungsvermögen, die übrig bleiben, reichen auch noch für den Urlaub zu zweit.

Doch so betörend das Äußere dieses Cabriolets der Luxusklasse auch alleine beim Hinschauen schon ist: Zur Droge wird der automobile Shogun erst, wenn man ihn artgerecht bewegt. Unter der mächtigen Motorhaube mit dem gierigen Maul vergnügt sich ein Triebwerk, das nach der hauseigenen Philosophie gar nicht mehr verbaut sein dürfte. Ein klassischer konventioneller Sauger, der dem Aggregat das Kreischen eines aufgeblasenen Turbos verweigert. Ein dumpf vor sich hin brabbelnder Achtzylinder mit fünf Litern Hubraum, dem man nicht nur eine elektrische „Gehhilfe“ in Form eines 48-Volt-Hybrids,  sondern auch die Kastration einer Zylinderabschaltung erspart hat.

Der LC 500 ist ein Fahrzeug, das dank eines Drehmoments von bis zu 530 Newtonmetern sowohl beim lässigen Cruisen auf der Landstraße wie auch bei der Verwandlung in den hoch drehenden Sportwagen seine vielfach unterschiedlichen Gene auf die breiten Bridgestone bringt. Wechselt man in ein sportlicheres Profil, dann verschieben sich nicht nur die digitalen Instrumente auf dem Display.

Dann verändert sich auch der Arbeitstakt der zehnstufigen Automatik, die die Kraft auf die Hinterräder überträgt. Sie schaltet später rauf, früher runter und auch die Lenkung wird eine Spur direkter. Das Fahrwerk krallt sich förmlich in den Asphalt, die Abstimmung zwischen Komfort und Karacho passt, wäre er ein Italiener, „al dente“. In fünf Sekunden hat der LC 500 den Sprint von null auf 100 erledigt. Erst bei Tempo 270, und nicht bei abgeriegelten 250, ist Schluss mit lustig.

 Der Innenraum ist mit hochwertigen Materialien ausgestattet.
Der Innenraum ist mit hochwertigen Materialien ausgestattet. Foto: Jürgen C. Braun

Fazit: Ein Lexus LC 500 ist wahrlich nicht dazu geeignet, um damit die Welt zu retten. Und doch sollte man dieses betörend schöne Hochleistungs-Cabriolet als Anti-Depressivum auf Rezept bekommen.