1. Die Woch

Erntedank: Weil eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist

Erntedank : Weil eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist

An diesem Sonntag ist Erntedankfest – Zu nass und zu kühl: Bauern verzeichnen unterdurchschnittliche Erträge bei Getreide.

Der 3. Oktober ist in diesem Jahr nicht nur der Tag der deutschen Einheit, sondern fällt zusammen mit dem Erntedankfest. Für die katholische Kirche hat die deutsche Bischofskonferenz diesen Termin im Jahr 1972 auf den ersten Sonntag im Oktober festgelegt. In der evangelischen Kirche gilt dies mittlerweile ebenfalls – zumindest als Empfehlung. Anders als Weihnachten, Ostern oder Pfingsten ist das Erntedankfest aber nicht im liturgischen Kalender festgeschrieben, es muss also nicht kirchlich gefeiert werden. Auch Terminabweichungen – zum Beispiel erst nach Abschluss der Weinlese – sind möglich.

In manchen Orten der Region werden zum Erntedankfest kunstvolle Teppiche aus verschiedenen Körnern, Samen oder Blüten hergestellt, die biblische Motive zeigen. Größere Veranstaltungen wie Erntedankumzüge oder auch der Trierer Bauernmarkt finden wegen der Corona-Beschränkungen allerdings wie schon im Vorjahr nicht statt.

Seit wann es Erntedankfeste gibt, lässt sich historisch nicht sicher belegen, möglicherweise sind sie so alt wie der Ackerbau, der vor etwa 13 000 Jahren begann. In jedem Fall ist die Tradition älter als das Christentum. Schon im 1. Buch Mose heißt es über Adams Sohn Kain, der ein Ackerbauer wurde: „Nach geraumer Zeit aber brachte Kain dem Herrn von den Früchten des Ackers ein Opfer dar.“ (Gen 4,3). Für das Christentum sind Erntedankfeste seit dem 3. Jahrhundert belegt.

Viel Grund für Dank haben die deutschen Landwirte in diesem Jahr allerdings nicht: Der Deutsche Bauernverband rechnet mit einer Getreideernte von 42,4 Millionen Tonnen – das sind 4,7 Prozent weniger als im Mittel der Jahre 2015 bis 2020. „Die diesjährige Getreideernte fällt insgesamt zum wiederholten Male unterdurchschnittlich aus. Zahlreiche Hagel- und Starkregenereignisse haben uns gezeigt, dass die Landwirte die Auswirkungen des Klimawandels direkt zu spüren bekommen“, sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Insgesamt sei das Wetter zu nass und zu kühl gewesen, heißt es beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Die Flutkatastrophe in Teilen der Eifel hat regional zusätzlich Ernteausfälle verursacht. Neben dem Getreide hat auch das Obst unter dem Regen gelitten. Betroffen seien vor allem weiche Obstsorten wie Kirschen mit Verlusten von bis zu 90 Prozent. Für den Weinjahrgang 2021 ist es dagegen noch zu früh für eine abschließende Bilanz.

In jedem Fall zeigen die außergewöhnlichen und teils verheerenden Wetterereignisse dieses Jahres, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist. Beim nächsten Einkauf auf dem Wochenmarkt kann ein wenig Dankbarkeit für die Arbeit der Bauern sicher nicht schaden.