1. Die Woch

Unsere Vereine: Wer früh turnt, bewegt sich anders

Unsere Vereine : Wer früh turnt, bewegt sich anders

Beim Turnverein Hermeskeil 1911 spielt in allen Abteilungen die Jugend eine große Rolle. Sogar in Führungspositionen werden junge Leute eingesetzt.

In der Hermeskeiler Turnhalle ist Leben. 30 Kinder im Alter von vier bis acht Jahren befolgenden die Anweisungen von Übungsleiterin
Nicole Domdei. „Jetzt die Hände hoch, und drehen uns wie ein Grashalm im Wind“, sagt sie. „Und jetzt die rechte Hand zum rechten Fuß, und die linke Hand zum linken Fuß.“ Und die Kinder, die meisten sind Mädchen, folgen ihren Anweisungen, drehen und biegen sich so, wie es Domdei ihnen vormacht. Gleich geht es an die Turngeräte. Reck, Balken, Bock und Ringe sind schon aufgebaut. „Turnen ist unsere Vorzeigeabteilung“, sagt Alexandra Nolden, Jugendkoordinatorin des TV Hermeskeil 1911. Sie befasst sich mit allem, was im Verein mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. „Im Turngau Mosel-Saar sind wir dominierend“, sagt sie. Heute ist weniger Spiel als Wiederholen der Übungen bei den Jungen und Mädchen angesagt. Denn ein Wettkampf steht vor der Tür, mit 230 Kindern. „Davon sind 60 von uns“, sagt sie. Nolden selbst kommt eigentlich vom Reiten und vom Schwimmen. Doch als vor 13 Jahren die Übungsleiterin beim Eltern-Kind-Turnen aufgehört haben, hat die Mutter, die dort selbst mit ihrem Nachwuchs aktiv gewesen war, kurzerhand den Kurs übernommen. Heute leitet sie vier Gruppen für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 15 Jahren sowie zwei Gruppen beim Eltern-Kind-Turnen. „Die Kinder kommen gerne, es boomt“, sagt sie. Durch eine spielerische Anleitung lernen die Kinder ihren Körper kennen. Körperspannung aufbauen, Gleichgewicht halten, Koordination, das alles wird beim Turnen geschult und bildet eine gute Basis für einen möglichen Wechsel hin zu anderen Sportarten. „Kinder, die im Kinderturnen waren, laufen anders und werfen anders. Sie haben motorische Vorteile gegenüber anderen Kindern“, hebt sie die Bedeutung des Kinderturnens hervor. Ab sechs Jahren beginnen die Kinder mit Leistungsturnen.

„Kinder, die im Kinderturnen waren, können auch Handball oder Tennis spielen, weil sie ein besseres Ballgefühlt und Körpergefühl haben“, ergänzt Volker König, Vorsitzender des TV Hermeskeil. Zudem werden soziale Kompetenzen geschult, wie Geduld, aber auch Überblick. Die Jungen und Mädchen lernen zu gewinnen, aber auch zu verlieren. „Sie werden offener und selbstbewusster“, sagt er. „Wir empfehlen allen Eltern, ihre Kinder turnen zu lassen. Das ist die Basis für alle anderen Sportarten“, sagt er.  „Zwei Drittel der aktiven Mitglieder des TV Hermeskeil sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“, sagt Volker König über seinen Verein mit etwa 900 Mitgliedern.

Doch der Nachwuchs wird auch noch auf eine weitere Weise gefördert. Denn beim TV Hermeskeil ist ein Jugendvorstand im Aufbau, zusammengesetzt aus einem Jugendabteilungsleiter in jeder Sportart und einem Stellvertreter. „Der Vorstand soll Events wie eine Halloween-Party organisieren“, erläutert Nolden. Zudem verspricht man sich eine bessere Ansprache des Jugendvorstands durch die Aktiven. „Nicht jedes Kind geht zu Erwachsenen. Die Barriere zu jüngeren Personen ist geringer“, sagt sie.

Zwei von ihnen sind der 13 Jahre alte Noah Ludwig, der beim Handballtraining mithilft, und die vierzehnjährige Maaike Nolden, die die Übungsleiter beim Kinderturnen unterstützt.
„Wir können uns besser in Kinder hineinversetzen“, sagt Maaike Nolden. „Für viele Kinder ist es cooler, einen jungen Trainer zuhaben“, ergänzt Ludwig.

Jugendliche wie Noah Ludwig und Maaike Nolden werden beim TV Hermeskeil bereits früh in die Vereinsarbeit mit eingezogen. Foto: Christoph Strouvelle
Alle Hände gehen hoch: Übungsleiterin Nicole Domdei mit den Kindern von vier bis acht Jahren beim Aufwärmen. Foto: Christoph Strouvelle
Jugendwartin Alexandra Nolden hilft den Kindern ans Reck. Foto: Christoph Strouvelle
Logo Unsere Vereine Foto: TV/Schramm, Johannes