1. Die Woch

Motor: Wildpferd in der bürgerlichen Herde

Motor : Wildpferd in der bürgerlichen Herde

Die Fastback-Variante des Hyundai i30 ist mit der 275 PS starken „N“-Ausführung ein ganz besonderes Exemplar.

Nur ganz wenige Marken haben seit ihrem Eintritt auf den deutschen Markt eine derart steile Karriere nicht nur in Bezug auf die Zulassungszahlen, sondern auch bei technischen Innovationen der Autos, gepaart mit viel Emotion und sportlichem Esprit, hingelegt wie Hyundai. Die Südkoreaner dokumentieren ihre Ansprüche schon alleine durch eine exponierte Stellung in der Rallye-­Weltmeisterschaft, erobern bei der Konkurrenz der Serienmodelle mit ihren „N“-Modellen aber auch immer mehr Markt­anteile. Sie wecken mit bezahlbaren Modellen vor allem das Interesse bei jüngeren Leuten, die vor dem Kauf ihres ersten eigenen Fahrzeugs stehen.

Wenn man dann einmal Gelegenheit hat, einen i30 Fastback N auf einer Rennstrecke wie dem nordrhein-westfälischen Bilster Berg zu bewegen, wird das Zusammenspiel von Optik und Leistungsvermögen umso deutlicher. Der Fastback komplettiert seit dem vergangenen Jahr das Angebot an dieser besonders sportlichen Form des Kompaktwagens neben dem normalen i30 N.

Hyundai begann seine N-Geschichte in der kompakten i30-Serie mit zwei Angeboten: einem Zweiliter-Turbobenziner mit 250 oder 275 PS. Da aber die überwältigende Mehrheit der Kunden sich für die stärkere Version entschieden hatte, wurde das 250-PS-Aggregat kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. Wir fuhren also auch den i30 Fastback N mit dem 275 PS starken Zweiliter-Turbo.

Mit dem Begriff Fastback können nicht alle Autofahrer etwas anfangen. Er bezieht sich auf die Karosserie, ist quasi ein Mittelding aus einer fünftürigen Schrägheck-Limousine und einem Kombi. Im Konzern gibt es mit dem Kia ProCeed GT ein ähnlich gezeichnetes Fahrzeug, allerdings mit einer steiler abfallenden Dachlinie. Wie der steiler gezeichnete i30 N ist auch der Fastback (manchen nennen ihn auch Hatchback) ein ausgesprochenes Kompaktklassen-Fahrzeug.

Der i30 als N-Variante war uns nicht unbekannt, deshalb waren wir umso mehr gespannt, wie – wenn überhaupt – sich diese Version denn im Fahrverhalten von der zweiten Kompaktlinie unterscheiden würde. Hyundai bezeichnet den Fastback als einen Alltags-Sportwagen und sieht seine Vorzüge gegenüber dem i30 N mit Steilheck vor allem in dem größeren Kofferraum, der Variabilität und vielleicht einem Schuss „anders sein“ als halt die (meist hellblau lackierten) bekannteren i30N-Produktionen aus dem Hause Hyundai in der Kompaktklasse.

Alltagsauto heißt in diesem Fall aber auch, dass dem Wagen eine gewisse „rotzige Frechheit“ in Sachen Akustik abgeht. Ein wenig mehr deutlich vernehmbare Wildheit von den 275 Pferden unter der Haube wäre sicher nicht verkehrt. Ansonsten sprintet der Wagen über ein breites Drehmomentband zügig in einer knackigen Schaltkulisse nach oben. Die manuelle Wahl des jeweiligen Gangs, und das finden wir in diesem Falle angebracht, hat übrigens keine automatisierte Option für die Kraftübertragung.

Das Lastwechselverhalten des Fronttrieblers richtet sich von leicht einknickend bis sehr straff vor allem nach der angewählten Arbeitsweise der Dämpfer. Dafür gibt es nämlich verschiedene Modi mit einer recht ansehnlichen Spreizung. Ein Feature, das bei den gängigen i30-Varianten nicht einmal gegen Aufpreis zur Verfügung steht.

Der i30 Hatchback N bietet im Übrigen anhand der beiden Lenkradtasten jede Menge Einstell- und Konfigurierungsmöglichkeiten. Dieser Wagen ist nichts für automobile Langeweiler, die lediglich von Punkt A nach B kommen möchten. Er ist ein ausgefallenes Prachtexemplar für Neugierige und Technik-Nerds, die den Fähigkeiten ihres Fahrzeugs gerne Stück für Stück auf den Grund gehen möchten. Motto: „Was kannst Du denn noch alles?“

Wer es mag und kann, dem bleiben auch sportliche Extreme nicht verborgen. Mit dem mit Hilfe der linken Taste anwählbaren Eco-Modus gibt es aber auch eine kleine Oase der Nachhaltigkeit. Immerhin gilt so etwas als ein kleines ökologisches Feigenblatt in einem solchen Fahrzeug.

In den beiden Lenkradtasten des i30 Fastback N verbergen sich jede Menge Konfigurierungsmöglichkeiten.          Foto: Hyundai

Woran wir allerdings auch im fortgeschrittenen Autofahrer-Alter unsere Freude hatten, das waren die „bärigen“ Fehlzündungen, bei denen der Auspuff so richtig knallt. Fehlzündungen, bringt man mir bei auf der Rennstrecke bei, sei übrigens der falsche Ausdruck. Es seien vielmehr gewünschte, von der Motorsteuerung erzeugte akustische Effekte. Im Krümmer übrigens, und nicht im Auspuff. Na gut. Hauptsache, es knallt. Eine klappengesteuerte Auspuffanlage und eine Launch Control vervollkommnen das Bild, das man sich von einem kleinen Wildpferd inmitten einer Herde wohl erzogener, bürgerlicher Herdentiere macht.