Unsere Vereine: 25 Jahre: Die Mädchen sind längst erwachsen

Unsere Vereine : 25 Jahre: Die Mädchen sind längst erwachsen

Wie es bei den Mannalittcha Mädcha zugeht, das beschreibt beispielhaft ein Volksfreund-Artikel von 2014: „Voll in der Hand der ,Mannalittcha Mädcha‘ ist das Bürgerhaus in Minderlittgen gewesen.

Die mehr als 200 Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus für ein vierstündiges Programm, das wie in den letzten Jahren begeisterte. ,Sex in the Kittel‘ bot Gela Simon beim ,Schrubben hier und Wischen da‘. Jenny Krauth hatte dabei keine Chance, ihr Sauna-Programm zu genießen. ,Kein Problem von fehlenden Geldautomaten‘ in Minderlittgen demonstrierten Margret Trossen und Doris Felzen. Das Problem lag mehr in den nicht so exakten Anweisungen des Automaten für die Benutzung der Scheckkarte.“

Solche Berichte sind in ähnlicher Aufmachung seit 1994, also fast 25 Jahren, in der Zeitung zu lesen. In ihrem Gründungsjahr konnten die Mannalittcha Mädcha erstmals das neu erbaute Bürgerhaus nutzen. Die neue Halle war auch der Anlass für die Gründung des Fastnachtsvereins. Von der Zeit vorher erzählt Margret Trossen, die von 2002 bis 2012 Vorsitzende war: „Seit Beginn der 70er Jahre waren die Minderlittger Weiber nicht mehr nur mit Handwagen und selbst gekochter Erbsensuppe unterwegs, sondern füllten abends den Saal des Gasthauses Jakobs bis in die letzten Winkel. Die Bedingungen wurden mit der neuen Halle schlagartig besser – aber der Zulauf noch größer. Wir mussten sogar schon Frauengruppen aus Nachbardörfern abweisen, die uns lange danach noch böse waren.“ Sehr schnell wurde deshalb die jährliche Festfolge erweitert. Die Halle war auch weiterhin immer voll. „Dahinter standen in all den Jahren immer Einzelpersonen“, sagt Margret Trossen. „Es gab Jahre, da standen drei Generationen einer Familie auf der Bühne. Die Vorträge von Walburga Schmitt und Regina Krischel, das Dorfgeschehen von Elisabeth Könen, die vielen kleinen Einzelanekdoten von Trudi Heck, und, und, und ... Unser Musikus Werner Könen hat uns vier Jahrzehnte lang musikalisch unterstützt, und Helmut Konrad ist immer mit uns auf Tour gefahren. Besonders zu erwähnen ist unsere viel zu früh verstorbene erste Vorsitzende Regina Krischel, die sich mit Herzblut für den Verein engagiert hat und überall eingesprungen ist, wo Hilfe gebraucht wurde, egal ob auf der Bühne oder hinter der Theke.“

Seit 2016 hat Margret Trossens Tochter Jennifer Krauth das Zepter bei den Mädchen übernommen. Bei einer kurzen Pause zwischen den Tanzproben, bei denen sie aktiv mitmacht, geht sie kurz auf die Vorbereitungen für die diesjährige Saison ein. „Programm, Kostüme, Ablauf, alles ist natürlich ganz geheim und bringt am Fetten Donnerstag bei der Nachmittagssitzung die erste Überraschung. Im November ging’s schon richtig los für die diesjährige Kampagne. Die Tanzgruppen haben schon kurz nach den Sommerferien begonnen.“ Erfreulich für die Vorsitzende: Bei den Garden gibt es keine Nachwuchssorgen. Im Gegenteil: Wegen des großen Zulaufs gibt es jetzt eine neue Mini-Garde. Jennifer Krauth kündigt an: „Ein Highlight dieses Jahres, soviel kann ich versprechen, ist unsere Showtanzgruppe. Unter den 14 Frauen im Alter von 25 bis 60 Jahre sind zwei Amerikanerinnen, die zurzeit in Minderlittgen wohnen. Alle beteiligen sich an der Erarbeitung der Tänze, bringen Ideen ein und überlegen sich die Kostüme.“ Für Jennifer Krauth ist unklar, ob es zeitlich noch reicht, für den Rosenmontagszug einen Wagen zu bauen, den die Mannalittcha Mädcha auch immer ohne die Mithilfe der Mannalittcha Männer gebaut haben. „Aber, ohne unsere Männer geht’s trotzdem nicht. Sie unterstützen uns hinter den Kulissen und ermöglichen uns so erst unsere Sitzungen.“

So wie Jennifer Krauth freuen sich alle Akteure auf und hinter der Bühne auf die Tour danach. Sie ist Programm. Zuletzt ging es für einen Tag mit dem Planwagen durch die Eifel, ein Jahr zuvor für zwei Tage nach Speyer.

„Das Publikum wird immer anspruchsvoller“

Die Mannalittcha Mädcha werden in diesem Jahr 25 Jahre alt. Die Vorsitzende Jennifer Krauth geht das dritte Jahr ihrer Regentschaft an. Sie antwortet auf die Frage, wie sie die weitere Entwicklung der Fastnacht auf der Höhe in Minderlittgen und Hupperath sieht.

Jennifer Krauth: „Es wird in den letzten Jahren immer schwieriger, Nachwuchs für die Vorträge zu finden. Gerade hiervon hat unsere Fastnacht bisher gelebt. Viele unserer älteren Damen fühlen sich leider zu alt, obwohl ich da immer gegensätzlicher Meinung bin. Sie möchten lieber nicht mehr auf die Bühne.

Der Nachwuchs für die Garden strömt nur so zu uns. In diesem Jahr haben wir eine neue Mini-Gruppe gründen können, in der zehn junge Damen mittanzen. Auch in den anderen traditionellen Garden ist die Beteiligung sehr gut. Wir sehen auch, dass das Publikum immer anspruchsvoller wird, da jede Woche im Fernsehen Comedians zu sehen sind. Es kommen auch kaum einheimische Zuschauer, die meisten kommen von außerhalb. Darunter immer mehr das junge Publikum, über das wir uns sehr freuen. Aber auch beim Feiern wird der Unterschied zwischen Alt und Jung immer größer. Die Jungen feiern laut und stürmisch, die Alten würden sich währenddessen gern die Vorträge anhören.

So sind wir jedes Jahr aufs Neue gefordert. Wir stellen uns dieser Forderung gern und hoffen noch auf viele Jahre Höhepunkte mit den Mannalittcha Mädcha.

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