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Unsere Vereine: Gemeinsam fast 1000 Kilogramm verloren

Unsere Vereine : Gemeinsam fast 1000 Kilogramm verloren

Es herrscht eine familiäre Atmosphäre bei der Adipositas-Selbsthilfegruppe in Wittlich. Alle drei Wochen treffen sich etwa 15 Personen, um über Probleme, die mit ihrem Gewicht zu tun haben, zu sprechen.

Insgesamt hat die Gruppe 30 Mitglieder, von denen aber einige Schichtdienst haben oder von weiter her kommen, beispielsweise aus dem Hunsrück oder auch aus dem Cochemer Raum, so dass meist die Hälfte von ihnen da ist. Leiterin der Gruppe ist Monika Gassen, sie hat die Gruppe auch gegründet. Mit Hilfe einer Operation, bei der sie einen Schlauchmagen bekommen hat, konnte sie 50 Kilo abnehmen. Neben der Operation haben die Ärzte ihr damals als weitere Therapie empfohlen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, damit es ihr leichter fällt, ihr neues Gewicht zu halten. Aber sie hat damals keine gefunden, und auch öffentliche Stellen konnten ihr nicht weiterhelfen. Also hat sie selbst eine Gruppe gegründet. Wichtig ist ihr: „Es ist eine Selbsthilfe- und keine Abnehmgruppe.“

Die Motive, aus denen die Mitglieder kommen, sind vielfältig: Einige wollen besser mit ihrem Gewicht leben und sich so akzeptieren wie sie sind, andere suchen Unterstützung bei verschiedenen Methoden, Gewicht zu reduzieren, entweder mit einer Operation oder mit veränderter Ernährung und Sport. Monika Gassen erklärt: „Wir sprechen über unser Befinden, denn wir haben alle ein Problem mit unserem Gewicht. Wir wollen Hilfe geben und nehmen selbst welche an.“ Die Gruppe ist vom Mutterhaus als Selbsthilfegruppe Adipositas zertifiziert.

Viele in der Gruppe beschäftigen sich mit der Frage, ob sie ihrem Übergewicht mit einer Operation entgegenwirken sollen, und fragen bei den Mitgliedern nach, die das schon hinter sich haben. „Wir sind keine Ärzte, deshalb können wir nur über unsere eigenen Erfahrungen sprechen“, erklärt einer der Teilnehmer. Bei der Adipositas-Selbsthilfegruppe haben die Mitglieder durchschnittlich 40 Kilogramm abgenommen, einer hat es sogar auf 145 Kilo in sechs Jahren gebracht.

Alle sind schon mit Vorurteilen gegenüber „Dicken“ konfrontiert worden und wurden wegen ihres hohen Gewichtes abgestempelt. Eine junge Frau hat ihrem Lehrer beispielsweise erzählt, dass sie Erzieherin werden möchte. Der hat aber nur gelacht, und gesagt: „Und wie willst du den kleinen Kindern hinterherlaufen?“ Dabei schließen sich ein hohes Gewicht und Sportlichkeit nicht aus. Eine der Teilnehmerinnen spielt beispielsweise schon seit Jahren regelmäßig und gut Tischtennis und Tennis, in einer Männermannschaft. „Da bin ich schon oft schräg angeschaut worden und habe das Getuschel gehört, aber wenn ich sie dann vom Platz gefegt habe, waren sie schnell still“, berichtet sie. Doch solche Situationen durchzustehen, kostet viel Kraft.

Wichtig für die Gewichtsabnahme ist Bewegung. Vielen Betroffenen wird Schwimmen gehen empfohlen. Aber da haben viele Hemmungen, deshalb gehen einige aus der Gruppe zusammen ins Schwimmbad. „Im Rudel kämpft es sich leichter“, erklärt einer lächelnd. „Mit dem fehlenden Gewicht wird bei manchem auch das Schutzschild dünner, und man wird empfindlicher, da ist es umso wichtiger, dass man sich austauschen kann.“

Neben Schwimmen, gehen auch einige zusammen spazieren. In der Gruppe tauscht man sich auch über Ernährung aus, beispielsweise soll man nach einer Magenoperation sehr eiweißhaltig essen.

„Wir reden natürlich über Ernährung, oder wir bringen Dinge mit zum Ausprobieren.“ Monika Gassen erzählt stolz: „Hier sind auch schon Freundschaften entstanden, da geht man zusammen was trinken oder begleitet den anderen Mal zu Arztterminen. Jeder ist hier in einer anderen Phase und erzählt, was ihm in dieser gerade gut tut.“

Die Gruppe lädt auch immer wieder Fachleute zu Gesprächen ein. Ärzte, Physiotherapeuten und Ernährungsberater waren schon da. Jetzt sollen noch ein Psychologe und ein Diabetologe kommen.

Christina Bents