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Greimerath
Greimerath, das Kräuterdorf

Der Förderverein beim letzten Arbeitseinsatz vor dem Herbstfest.
Der Förderverein beim letzten Arbeitseinsatz vor dem Herbstfest.
Greimerath. Der Vorschlag kam 2001 „von ganz oben“, der Bewertungskommission der Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“. Greimerath nahm damals erfolgreich an diesem Landeswettbewerb teil. Der Vorschlag war, das so genannte Greimerather Barockensemble mit Pfarrkirche, Pfarrhaus, Kirchhof mit dem neu gestalteten Pfarrgarten wieder zu reaktivieren.

Die Pfarrkirche (erbaut 1761), Pfarrhaus und Kirchhof waren vorhanden. Der ehemalige Pfarrgarten war mehr als verwaist, als Pfarrer Kemp die Pfarrei verließ und seine Eltern den Garten nicht mehr bewirtschaften konnten. In der Euphorie der Preisverleihung fand der Vorschlag eine breite Zustimmung, und Zuschüsse – unter anderem von der Europäischen Union – wurden ungewohnt schnell bewilligt.

Im Dezember 2004 wurden alle Greimerather Bürger aufgefordert, sich zu beteiligen. Das Ziel war klar formuliert und auch schnell realisiert: „Wir wollen eine Begegnungsstätte für Greimerather, Auswärtige und einen Anlaufpunkt für die Fahrradtouristen vom Maare-Mosel-Radweg“.

Wo noch im April kaum mehr als ein ungenutztes Wiesengelände vorzufinden war, wirkten jetzt Greimerather und Hasborner Einwohner an der Wiederherstellung des Pfarr- und Kräutergartens. Die Freude am Mitgestalten und das Zusammenwirken in der Dorf- und Pfarrgemeinschaft war förmlich greifbar. Die Kräuterbeete wurden mit Buchsbaumeinfassung, passend zu den uralten Buchsbäumen gleich gegenüber bei der Pfarrkirche, eingefasst. Mit den Sandsteinen aus der ehemaligen Wittlicher Kaserne wurden der zentrale Brunnen und die Gehwege eingefasst. Die Radfahrer vom nahen Maare-Mosel-Radweg konnten bald frisches Quellwasser im Greimerather Pfarrgarten genießen.

Am 3. Juli 2005 trafen sich nach Einladung des Ortsbürgermeisters Walter Schuh im Gemeindesaal 16 Greimerather und gründeten den Förderverein „Pfarr- und Krautergarten, Brauchtum und Kultur Greimerath“. Hans-Peter Schäfer wurde erster Vorsitzende, Jutta Lescher, Rolf Schäfer, Werner Fries und Brigitte Gantzer die weiteren Mitglieder im Vorstand. Bereits am 15. August des gleichen Jahres standen auf der Liste des neuen Vereins 50 Mitglieder. „Bitte Spaten, Pflanzschippe, Setzholz und gute Laune mitbringen“, hieß der erste Aufruf des neuen Vereins zum „Großen Pflanztag“ am Samstag, 5. November. „Ganz Greimerath beteiligte sich: 2100 Blumenzwiebeln und über 100 ortstypische Sträucher und Gehölze wurden gepflanzt“, erinnert sich Werner Fries, seit Beginn im Vorstand des Vereins und als Nachfolger von Walter Schuh seit 2009 Ortsbürgermeister. Das Einweihungsfest fand am 30. April 2006 statt. Kurz danach machte der Südwestfunk Greimerath zu seiner „Hierzuland“-Gemeinde mit dem neuen Kräutergarten als Highlight.

Der Pflanzgarten wurde seither zu einem Alleinstellungsmerkmal der Eifelgemeinde. Werner Fries berichtet: „In den vergangenen Jahren wurde durch die Mitglieder des Fördervereins neben vielen Umgestaltungen ein Bouleplatz errichtet.“ Es fanden eine Reihe von Veranstaltungen statt: Herbst- und Apfelfeste, „Nacht der Lichter“, Veranstaltung mit einem Barockchor, Mundartabend, Krippenausstellung, Adventssingen sowie ein Adventsabend im Garten selbst. „Im letzten Jahr waren wir der erste Anlaufpunkt für die rückkehrenden Wanderer des Volksfreund-Wandertags in Greimerath. Dabei wurde neben Speisen und Getränken eine kleine Kunstausstellung und für die Kinder ein Unterhaltungsprogramm mit dem Clown Martinello angeboten.“ ⇥

Drei Fragen an Rolf Schäfer, Gründungsmitglied des Fördervereins und seit 2016 erster Vorsitzender.

Warum gründeten die Greimerather 2006 den Förderverein Pfarr- und Krautergarten, Brauchtum und Kultur Greimerath?

Unser Ziel war es damals, bei der Gestaltung des Pfarr- und Kräutergartens aktiv mitzuwirken und für die Folge die Instandhaltung und Pflege des Pfarr- und Kräutergartens sicherzustellen. Wir wollten damals auch den Garten weiterentwickeln und einem breiten Publikum zugänglich machen. Der Pfarr- und Kräutergarten sollte auch mit seinem herrlichen Blick in die Eifel als Begegnungsstätte und Ort der Erholung und Entspannung entwickelt und erhalten werden. Hier war vor allem Hans-Peter Schäfer die treibende Kraft. Mittlerweile wird der Pfarr- und Kräutergarten nicht nur von vielen Wanderern und Spaziergängern aus den Nachbarorten, sondern auch von sehr vielen Radfahren des ganz nahegelegen Maare-Mosel-Radweges besucht. Insoweit ist die Zielsetzung des Vereines, vor allem Dank der Hilfe von vielen aktiven Mitgliedern, Helfern, Gönnern und Unterstützern, erreicht worden.

Wie sieht die Vereinsarbeit praktisch aus?

Die praktische Arbeit ist natürlich in erster Linie durch die Arbeitseinsätze geprägt. Entsprechend der Vegetationsperiode findet vom Frühjahr bis Herbst an jedem ersten Samstag im Monat turnusmäßige Arbeitseinsätze statt. Hier wird der Rasen gemäht, Sträucher, Hecken und Kräuter werden zurückgeschnitten, die Beete werden gepflegt und bei Notwendigkeit neu bepflanzt, das Unkraut wird rein mechanisch und damit absolut biologisch bekämpft, der Pavillon, die Bänke und Tische werden gestrichen und vieles mehr.

Die Planung der Veranstaltungen, der Jahreshauptversammlung, die Abwicklung verschiedener verwaltungstechnischer Dinge erfolgt in der Regel durch Vorstandssitzungen. Auch die Veranstaltungen selbst sind natürlich mit entsprechenden Arbeitseinsätzen verbunden. Darüber hinaus versuchen wir auch immer, unsere Arbeit einem möglichst breiten Publikum nahezubringen, um dadurch möglichst neue Mitglieder und Mitstreiter zu gewinnen.

Wie sieht die Zukunft des Vereins aus? Welche Wünsche hat der Vorsitzende? Wo drückt der Schuh?

Realistisch betrachtet sehe ich die Zukunft des Vereins leider nicht sehr rosig. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielfältig. Angefangen von der demografischen Entwicklung über ein zunehmendes Freizeitangebot und ein zunehmendes Desinteresse an einem ehrenamtlichen Engagement bis hin zu einer zunehmenden beruflichen Belastung wird das Interesse an einer Mitarbeit nicht mehr. Mit diesen Problemen, denke ich jedoch, steht unser Verein nicht alleine da, sondern teilt diese mit sehr vielen ehrenamtlichen Organisationen in der Region und in Deutschland. Daher hoffe ich, dass die Reihe „Vereinsporträt“ hier zumindest zu einer kleinen Trendwende beiträgt. Für viele, gerade kleine Gemeinden in der Region, ging mit dem Wegfall der Vereine auch ein Stück Dorfleben und Lebensqualität verloren.

Ich wünsche mir endlich mal wieder steigende Mitgliederzahlen und viel mehr Mitstreiter und Helfer für die Arbeitseinsätze und die Veranstaltungen. Wir haben noch sehr viele Ideen und Pläne, was den Pfarr- und Kräutergarten betrifft. Zu deren Umsetzung sind aber mehr aktive Mitglieder und Helfer notwendig.

Eine regionale Besonderheit:

Die Greimerather Pastorenkirsche

Die Greimerather Pastorenkirsche war einst eine regionale Besonderheit. Schon um 1910 war diese Süßkirschenart hier erstmals veredelt worden. Sie fand damals sehr schnell den Weg in den Kreisgarten in Wittlich. Im Pfarrgarten selbst stand viele Jahre ein Exemplar. 2007 wurde dann von der Greimerather Familie Bastgen anlässlich eines großen Familientreffs ein neuer Greimerather Pastorenkirschbaum gepflanzt.

Der ehemalige Ortsbürgermeister und heutige Ehrenbürger Walter Schuh hat zwei Anekdoten um diesen wichtigen Baum für die Nachwelt niedergeschrieben: „Wie auf viele damals, so auch auf Schneiders Franz, übte die Pastorenkirsche mit ihren großen, tiefschwarzen Früchten eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Franz überraschte der Pastor mit seinem dicken Buch, dem Brevier, mit dem er sich auf der dicken Holzbank unter dem Baum niederließ. Franz musste lange ganz oben auf dem Baum warten, bis der Pastor seine tägliche Brevierlesung beendet hatte. Und die Kirschen fingen in seinem Bauch an, erheblichen Druck zu entfalten.

Mehr Probleme hatte Albert, Schuhs Freund in Kindertagen. Er nutzte die von seinem Vater an den Baum gestellte lange Leiter. Ganz oben gab es immer die schönsten Kirschen. Doch auf den Weg nach ganz oben passierte es. Der Ast unter ihm brach, und er stürzte nach unten. Sein Bein war gebrochen. Ich war als Neunjähriger völlig ratlos. Zum Glück kamen Leute vorbei, die ihn vorsichtig wegtrugen. Mir stellte sich die Frage: War das die Strafe des verbotenen Baumes?“

Die Greimerather Pastorenkirsche bekam einen Nachbarn, die „Pleiner Bia“, (Pleiner Birne). Sie symbolisiert die Freundschaft der Nachbargemeinden Plein und Greimerath. Bernd Rehm (rechts), Ortsbürgermeister von Plein, erklärte den Greimerathern die heimische Obstsorte Pleiner Mostbirne, die vor allem bei der Herstellung von Obstbränden überaus beliebt ist.
Die Greimerather Pastorenkirsche bekam einen Nachbarn, die „Pleiner Bia“, (Pleiner Birne). Sie symbolisiert die Freundschaft der Nachbargemeinden Plein und Greimerath. Bernd Rehm (rechts), Ortsbürgermeister von Plein, erklärte den Greimerathern die heimische Obstsorte Pleiner Mostbirne, die vor allem bei der Herstellung von Obstbränden überaus beliebt ist.
Die Greimerather Pastorenkirsche.
Die Greimerather Pastorenkirsche.