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Binsfeld
Mit der Kleinbahn auf Zeitreise

Herbert Schneider beobachtet den Zug am Rattersbach Richtung Binsfeld.
Herbert Schneider beobachtet den Zug am Rattersbach Richtung Binsfeld. FOTO: Picasa
Binsfeld. Der Radweg von Binsfeld ins Kylltal hinunter verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm der Kleinbahn Philippsheim-Binsfeld. Doch kaum jemand dürfte sich noch an Fahrten mit dieser Bahn erinnern, denn regulären Personenverkehr gab es nur ab der Eröffnung am 6. Mai 1900 bis 1937. Die Einrichtung einer Buslinie von Dudeldorf über Binsfeld, Herforst, Speicher nach Trier bewirkte die Einstellung des Personenverkehrs, und die beiden Personenwagen wurden zu einer anderen Bahn umgesetzt.

Provisorischer Personenverkehr existierte nochmals von 1946 bis 1950: Im Packwagen oder in einem mit Bänken ausgerüsteten Güterwagen mussten die Fahrgäste Platz nehmen.

Die Bahn lebte vielmehr vom Güterverkehr. Ton und Ziegeleiprodukte wurden von Binsfeld zur Staatsbahn transportiert und dort in Handarbeit umgeladen. In umgekehrter Richtung beförderte die Bahn Baustoffe, Kohlen, Kunstdünger und während der Bauzeit des Flugplatzes Spangdahlem (1950-1952) Baumaterialien. Weil damals bei der Bundesbahn in Philippsheim täglich 15 bis 20 Güterwagen eintrafen, hatten die Bediensteten der Kleinbahn rund um die Uhr mit der Umladung und dem Transport zur Baustelle zu tun. Die am Flugplatzbau beteiligte Hamburger Firma Rathjens hatte extra eine zweiachsige Diesellok, eine Dampflok und rund 20 Selbstentlade- und Zementwagen mitgebracht. Ab der Station Tonladestelle wurden die Wagen durch die Diesellok über ein provisorisches Anschlussgleis zum Flugplatz gezogen. Als Mitte der 1960er Jahre die Tonindustrie als Hauptverfrachter ausfiel, war das Ende der kleinen Bahn besiegelt. Am 14. August 1965 erfolgte die Abschiedsfahrt, von Eisenbahnfreunden fast unbeachtet, was auch erklärt, dass es nur wenige Fotos von dieser Schmalspurbahn mit 75 Zentimetern Spurweite gibt.

Die beiden Dampflokomotiven haben überlebt: Die Gemeinde Binsfeld finanzierte der Lok 2 eine äußerliche Renovierung und ließ sie unter einer Überdachung wettergeschützt aufstellen. Die baugleiche Lok 1 – auch aus dem Jahr 1899 – kann im Lokschuppen Gerolstein besichtigt werden.

Der Heimat- und Kulturverein Binsfeld sammelt Fotos, Karten, Pläne und Schilder der Bahn. „Diese Dokumente dürfen nicht in privaten Sammlungen oder gar als Dekoration in Partykellern verschwinden, sondern müssen den Bürgern von Binsfeld und den umliegenden Gemeinden zugänglich gemacht werden“, fordern Helmut Schmitz und sein Team. Das Ergebnis dieser Tätigkeit wird am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Oktober, in der Binsfelder Saalholzhalle vorgestellt.

Dazu kommt der Nachbau der Kleinbahn im Maßstab 1:87 (H0) mit den Haltestellen Dudeldorf, Herforst und dem Endbahnhof Binsfeld. Auch der Abbau von Ton und ein in die Grube hinab führende Gleis wird dargestellt. Inzwischen ist die Anlage über 13 Meter lang und das Ende der Bautätigkeit noch nicht abzusehen. „Den Anschlussbahnhof Philippsheim haben wir uns auch noch vorgenommen“, meint Herbert Schneider von den Modellbahnfreunden Schweich. Helmut Reichelt, der beim Modelleisenbahnklub Lahnstein-Koblenz aktiv ist, hofft, dass noch weitere Fotos der Bauernhäuser um den ehemaligen Bahnhof Binsfeld auftauchen, um diese originalgetreu nachzubauen. Damit die großen und vor allem die kleinen Besucher der Ausstellung nicht nur gucken können, bringt Herbert Schneider eine großspurige Spielbahn mit, auf der künftige Modellbahner als Lokführer oder Rangiermeister fungieren dürfen. „Unser schönes Modellbahnhobby braucht unbedingt Nachwuchs, damit es nicht nur als Beschäftigung für Rentner ein Schattendasein fristet“, wünschen sich die Modellbahner.

  • Die Ausstellung in der Saalholzhalle in Binsfeld ist am Samstag, 20. Oktober, von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag, 21. Oktober, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen erteilt Helmut Schmitz, Telefon 06575/1313.