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Unsere Vereine: Nahrung und Geborgenheit für bolivianische Kinder

Unsere Vereine : Nahrung und Geborgenheit für bolivianische Kinder

Wenn man sich die Fotos der Kinder aus dem Kinderheim Carlos de Villegas in La Paz anschaut, sieht man, warum sich der Verein Panuves so engagiert: Die Kinder strahlen Lebensfreude aus, aber man kann auch erkennen, dass hier noch vieles gebraucht wird, um die Kinder zu versorgen.

In den ersten zehn Jahren seines Bestehens hat der Verein über 200 000 Euro nach Bolivien überwiesen. Angeschafft wurde davon vor allem Erstlingsnahrung für Säuglinge.

Das Geld, das der Verein nach La Paz gibt, kommt aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und dem Erlös von Flohmärkten, mit denen auch alles begann. Susanne Teusch sagt: „Wir waren in Bolivien und haben uns das Heim angesehen. Die Kinder waren sehr ordentlich und sauber, aber es fehlte an Nahrung und Ausstattung. Zuhause habe ich dann Freunde und Bekannte gefragt, ob wir für das Heim einen Flohmarkt machen sollen.“ 2000 Euro kamen damals zusammen. Der Freundeskreis beschloss, einen Verein zu gründen. Bis heute finden regelmäßig Flohmärkte statt, oder es werden an verkaufsoffenen Sonntagen Kuchen und Suppen zugunsten des Kinderheims angeboten.

Susanne Teusch erklärt: „In Bolivien ist die Missbrauchsrate von Frauen sehr hoch – und wenn sie schwanger werden, bringen sie das Kind zur Babyklappe. Von dort aus werden die Kinder dann ins Kinderheim gebracht.“ Viele Kinder sind  Vollwaisen, stammen aus zerstörten Familienverhältnissen oder sind Kinder von drogenabhängigen oder inhaftierten Eltern. Weiter sagt die Vereinsgründerin: „Deshalb ist es sehr wichtig, dass dort genügend Erstlingsnahrung ist, denn das Kinderheim bekommt keine staatliche Förderung.“

Die Kinder werden mit alltäglich Notwendigem versorgt. Sie bekommen Nahrung, Kleidung, medizinische Fürsorge und vor allem Geborgenheit. Susanne Teusch sagt: „Eine Chance hat nur der, der eine gute Bildung bekommen kann, deshalb reicht das Angebot vom Kindergarten über Grundschule und weiterführende Schule bis zur Berufsausbildung.“ Die Kinder bekommen ungeachtet von Herkunft, Abstammung, Glauben oder Geschlecht ein neues Zuhause im Kinderheim Carlos de Villegas.

Mit dem Geld aus Wittlich sind  schon Schulmaterial, Kleidung und Matratzen angeschafft worden, und es wurde eine Wasserleitung gelegt. Eine Heizung gibt es im Gebäude nicht, obwohl die Temperaturen nachts um die null Grad liegen. Gerade für die Säuglinge ist es aber wichtig, dass sie es warm haben, deshalb wurden für das Säuglingszimmer Radiatoren angeschafft.

Die Vereinsmitglieder in Wittlich wissen genau, was mit ihrem Geld passiert, weil Schwester Rosario, die Leiterin des Hauses, ihnen regelmäßig Fotos und centgenaue Abrechnungen schickt, die belegen, wofür sie die Spenden einsetzt. Sehr stolz ist der Verein, dass die Sterblichkeitsrate der Säuglinge inzwischen bei null Prozent liegt. Ein großes Problem, das immer wieder wie ein dunkler Schatten über dem Kinderheim liegt, ist die permanente Angst, dass es geschlossen werden könnte. Evo Morales, Präsident Boliviens, hat ein zumindest schwieriges Verhältnis zur katholischen Kirche, obwohl er ihr – wie gut drei Viertel aller Bolivianer – selbst angehört. 2009 wurde er von bolivianischen Medien mit der Forderung zitiert, dass die katholische Kirche aus Bolivien verschwinden solle, weil sie ein lebendiges Symbol des europäischen Kolonialismus sei. „Solche Aussagen des Präsidenten sind für die Heimleitung erschreckend, denn das Kinderheim in La Paz ist in kirchlicher Trägerschaft“, erklärt Susanne Teusch.

Zudem macht die bauliche Situation des Gebäudes den Verantwortlichen zu schaffen. Das Haus, indem die rund 130 Kinder untergebracht sind, ist bereits 100 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz, so dass an Renovierungsarbeiten auch Vorschriften gebunden sind. Insgesamt sind es 3000 Quadratmeter, auf denen dauernd Reparaturen anfallen, sei es am Putz, am Gemäuer selbst oder an Installationen.

Die größeren Kinder gehen zur Schule, denn Bildung ist für die Kinder in Bolivien wichtig, damit sie sich später selbst versorgen und ihrem Land aus der Armut helfen können. Aktuell braucht die Schule neue Computer und einen Overheadprojektor. Susanne Teusch berichtet: „In Bolivien wird in den Schulen auch mit PCs gearbeitet, und da sollen die Kinder aus dem Heim nicht benachteiligt sein.“