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| 15:34 Uhr

Konversion
Wohnen und arbeiten, wo früher Stacheldraht war

Ein Erfolgsprojekt: der Industriepark Region Trier (IRT) bei Föhren. ⇥Foto: Bernhard Heller
Ein Erfolgsprojekt: der Industriepark Region Trier (IRT) bei Föhren. ⇥Foto: Bernhard Heller FOTO: TV / Bernhard Heller
Föhren/Hetzerath. Die Voraussetzungen waren überall anders, ebenso die Modelle, mit denen die Umwidmung von ehemals militärisch genutzten Flächen in eine zivile Nutzung angegangen wurde. Stellvertretend für viele Konversionsprojekte in der Region zeigen wir hier die Entwicklungen in Bitburg, Föhren-Hetzerath und Saarburg auf.
Albert Follmann

Vor 25 Jahren haben die französischen Streitkräfte ihre Hubschrauberstaffel ausn Föhren abgezogen. Aus dem Konversionsgelände entwickelte sich der Industriepark Region Trier (IRT), in dem heute etwa 2500 Menschen in 130 Betrieben arbeiten.

 Dem 1992 gegründeten Zweckverband Industriepark Region Trier gehören die Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich, die Stadt Trier, die Verbandsgemeinden Schweich und Wittlich-Land sowie die Ortsgemeinden Bekond, Hetzerath und Föhren an. Mit Hilfe von Land und Europäischer Union wurde unter anderem ein Gründerzentrum betrieben – Jungunternehmer kamen günstig in zwei jeweils 1600 Quadratmeter großen Hallen unter. Mehr als 60 Betriebe seien bis heute durch die Gründerwerkstätten geschleust worden, sagt Geschäftsführer Müller.

Viele sind im Industriepark geblieben, als die Räume zu klein wurden, haben in Gebäude investiert und sind stark gewachsen. Darunter sind so erfolgreiche Unternehmen wie der Tiernahrungsmittelhersteller Vet-Concept, der Maschinenbauer Brosius und  der Metallbauer S & L.

Heute gehört das Gewerbegebiet an der A 1 zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsstandorten im Land. Die überwiegend mittelständischen Betriebe erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro. Mitten im Industriepark befindet sich ein Grünstreifen mit mehreren Weihern sowie Rad- und Spazierwegen.

Mittlerweile ist der 110 Hektar große Park an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Eine Ausdehnung um 45 Hektar in Richtung Hetzerath (Verbandsgemeinde Wittlich-Land) steht bevor. Das zusätzliche Areal liegt beidseits der L 141.

Die Mitglieder-Kommunen, die in den Aufbaujahren die Haushaltsverluste durch Umlagenzahlungen ausgleichen mussten, machen seit einigen Jahren dank der Einnahmen aus Grund- und Gewerbesteuern ein Plus. „Es läuft gut“, konstatiert der Geschäftsführer. Und das ohne die ganz große Firma, die man zunächst an Land ziehen wollte, aber nie bekommen hat. Dazu Geschäftsführer Müller: „Es gab Verhandlungen mit großen Unternehmen aus Europa, den USA und Japan, aber letztlich war keines der Projekte zu realisieren. Der Wettbewerb ist hart.”

2010 hat die französische Garnison Saarburg verlassen. Sie hat viele Gebäude sowie Flächen zunächst ungenutzt zurückgelassen. Doch das blieb nicht lange so. Ziel von Stadtbürgermeister Jürgen Dixius war es, die Konversion innerhalb von zehn Jahren abzuschließen. Nun, acht Jahre später, ist vieles geschafft. Nur die Umwandlung des größten Areals, des Geländes der einstigen Kaserne de Lattre, steht teilweise noch aus, ist aber in der Planung. Dort sollen die Terrassen von Saarburg entstehen, ein Gelände mit vielfältiger Wohnbebauung und viel Grün dazwischen. Das Vorhaben wurde in das Programm Nationale Projekte des Städtebaus aufgenommen und wird in einer ersten Tranche mit 430 000 Euro gefördert. Benachbart geplant sind die Gärten von Saarburg, ein dauerhaftes Ausstellungsgelände für Gartenkultur.

Auf dem Kasernengelände entsteht derzeit außerdem ein Supermarkt. Weitere Projekte die auf dem Kasernengelände bereits umgesetzt sind, sind ein Ausbildungszentrum für Justizfachwirte, das Bildungszentrum für den Bundesfreiwilligendienst und die Kita St. Laurentius. Weitere Konversionsprojekte sind: das Sportstadion und die Photovoltaikanlage am Kammerforst, das Stadtteilzentrum Beurig, die Wohngebiete Cité Nord und Cité Süd.

Seitdem die militärische Nutzung der ehemaligen US Air Base Bitburg 1994 endete, wurde das weitläufige Gelände zu einem Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitzentrum entwickelt.

 484 Hektar ist die Liegenschaft groß. Die städtebauliche Planung weist davon rund 300 Hektar für eine überwiegend gewerbliche Nutzung aus. Eigentümerin der noch nicht vermarkteten Flächen ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima.

Das „Bitburger Modell” machte bundesweit Schule.  In einem städtebaulichen Vertrag von 1995 wurde geregelt, dass der Bund 50 Prozent der Erschließungskosten übernimmt, das Land 45 Prozent und der Zweckverband, bestehend aus Eifelkreis, Verbandsgemeinde, Stadt sowie den Ortsgemeinden Scharfbillig und Röhl, fünf Prozent. Seit 1994 wurden dort mehr als 33 Millionen Euro investiert.

Das städtebauliche Konzept gliedert das Flugplatzgelände in folgende Nutzungsbereiche: Nichtstörendes Gewerbe, Dienstleistungen Sport, Freizeit, Tourismus, Industrie, Bauen und Recyceln, Luftverkehr. Seit Mitte der 90er Jahre wurde ein Großteil der Flächen und Gebäude vermarktet. Mittlerweile haben sich mehr als 170 Betriebe mit etwa 1400 Beschäftigten angesiedelt.

Die Liegenschaft der Alten Kaserne in Bitburg (zwischen Mötscher Straße und Südring) wurde 2012 von den amerikanischen Streitkräften zurückgegeben und befindet sich momentan in der Konversion zur zivilen Nutzung. Die Kasernengebäude wurden ab 1936 von der deutschen Wehrmacht errichtet und bezogen. Von 1945 bis 1955 erfolgte eine Nutzung von der Luxemburger Armee (Quartier Luxemburg). Im Zeitraum 1955 bis 1985 bezogen französische Streitkräfte die Liegenschaft. Bis 2012 nutzten die amerikanischen Streitkräfte die Kasernengebäude.

Der Bebauungsplan sieht für den Bereich, der künftig von der Mötscher Straße aus erschlossen wird, ein Mischgebiet vor: Wohnen und nichtstörendes Gewerbe. Ferner entsteht ein Gewerbegebiet, das vom Südring her über die Else-Kallmann-Straße erreichbar sein soll.

Ein Mix aus Wohnen, Freizeit und Gewerbe ist auch für den Bereich der Housing geplant. Seit Juni 2017 wird das 65 Hektar große, in den 50er Jahren erbaute Areal mit 50 Blocks und rund 1200 Wohnungen von den Amerikanern nicht mehr genutzt. Dort gibt es unter anderem ein Kaufhaus, Schulen, eine Kirche, ein Krankenhaus sowie Sport- und Turnhallen.