Zukunft gesichert: Kinderheim in Ruanda wird erwachsen

Unsere Vereine : Zukunft gesichert: Kinderheim in Ruanda wird erwachsen

Ende 2001 war Alois Stroh, Fußballer, Trainer und Mitglied im Vorstand des Fußballkreises Mosel, erstmals als Fußballtrainer bei einem Ausbildungslehrgang des Landessportbundes Rheinland in Ruanda, dem Partnerland von Rheinland-Pfalz.

Bei einem Projektbesuch mit dem Koordinationsbüro des Landes Rheinland-Pfalz lernte er Inshuti Zacu, ein Heim von 40 schwer, meist mehrfach behinderten Waisenkindern am Rande der Hauptstadt Kigali kennen. Sie wurden von Schwestern des Ordens „Amies des Pauvres“ (Freundinnen der Armen) betreut. Stroh sagte damals: „Dass man die Kinder nicht versteckte, war schon eine Besonderheit.“

Aber außer einem Dach über dem Kopf fehlte es an allem: Nahrung, Medikamenten und vor allem medizinischem Gerät und Betreuung. Das Wasser wurde täglich über viele Kilometer von den Schwestern herangeschleppt. „Da müssen wir helfen“, lautete sein spontaner Entschluss.

Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Klaus Schmitz organisierte er seither gezielte Hilfe. Das Kinderheim wurde zum Patenkinderheim der Fußballer im Spielkreis Mosel. Jetzt, nach fast zwei Jahrzehnten der gemeinsamen Bemühungen kann die Hilfsaktion eingestellt werden. Inshuti Zacu ist zu einem „Vorzeige-Kinderheim“ in Ruanda geworden. Es wird in naher Zukunft von Seiten des ruandischen Familien- und Sozialministeriums die Qualifikation zu einem von staatlicher Seite anerkanntem Kinderheim erhalten. Inshuti Zacu steht damit zukünftig „auf eigenen Beinen“.

Die beiden Organisatoren bauten ihr Hilfsangebot auf Patenschaften auf. 60 Euro je Kind und Jahr waren notwendig, um Ernährung und medizinische Betreuung sowie den weiteren Ausbau des Heimes zu ermöglichen. Und das klappte. Was zum Start mit dem besonderen Interesse für Patenschaften im weiten Rund der Fußballer und ihrer Vereine begann, war sehr schnell breit gestreut.

Rund hundert Patenschaften garantierten einen Grundstock an jährlichen Spenden, die durch Einzelaktionen unterstützt wurden. Das Geschenk für so manchen runden Geburtstag landete in Ruanda. Die Wasserversorgung vor Ort konnte dank der großzügigen Spende der „Benefiz-Radler“ erstmals gesichert werden. Unter der Leitung von Eddy Linden machten sich damals 50 Radler auf ihre erste Benefiztour nach München und sammelten über 20 000 Euro.

Viele Veranstaltungen halfen mit, die Hilfsaktion zu unterstützen. So eröffnete mit stimmungsvollen Liedern aus Afrika der Chor Karibu unter der Leitung von Petra Schmitz die Ruanda-Ausstellung in der Kreisverwaltung in Wittlich. Sie gab einen Einblick in das afrikanische Partnerland und das Patenkinderheim.

Die Messdienergemeinschaft Neuerburg feierte einen Gottesdienst zusammen mit den Liesertalspatzen und organisierte ein großes Familienfest. Mit dem Erlös wurde das Kinderheim unterstützt.

Ernährung und medizinische Betreuung konnten im Heim verbessert werden. Rollstühle, therapeutische Hilfsmittel wurden angeschafft. Land wurde gekauft und mit Mais bepflanzt, Kühe, Kaninchen und Hühner angeschafft.

Es waren die ersten Schritte, mit denen sich das Patenkinderheim selbst helfen konnte. Sie gaben die Möglichkeit, dass sich Kinder, Jugendliche und die Ordensschwestern mit einbringen können.

Die Einrichtung wurde vergrößert und ein neuer Schlafsaal eingerichtet, in dem Jungen und Mädchen erstmals getrennt untergebracht werden konnten. Erstmals wurde das Heim an die landeseigene Stromleitung angeschlossen. Überaus wichtig war die Aus- und Fortbildung der aus ärmsten Familien kommenden Ordensschwestern. Ein Physiotherapeut und eine Lehrerin konnten fest im Heim eingestellt werden.

Wichtig war vom Start weg die grundsätzliche Organisation der Hilfe. Alle Aktionen liefen über das offizielle Koordinationsbüro des Landes Rheinland-Pfalz und den Trägerverein „Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e.V. (Internet: www.rlp-ruanda.de). Jede Maßnahme wurde von dort begutachtet, begleitet und abgerechnet.

Fast jährlich konnte Alois Stroh im Zuge seiner Ausbildungsmaßnahmen das Kinderheim besuchen. Ende 2014 stellte er fest: „Unser Patenkinderheim ist gut aufgestellt. Zwölf Nonnen, sechs Postelantinnen (Schwestern in Ausbildung) und fünf Helfer (Arbeiter für Ställe und Feld) betreuen die zurzeit 34 Kinder. 1500 Hühner legen pro Tag bis zu 1000 Eier, die je Ei 7 Cent Einnahmen bringen. Vier Kühe, 40 Hasen, drei Hektar Mais, zwei Hektar Bohnen und die Bananen- und Gemüseplantagen sind eine sehr gute Grundlage für die Ernährung des Heimes.“

Mittlerweile gehören technische Hilfsmittel, unter anderem behindertengerechte Rollstühle, zur Ausstattung, die wichtige, regelmäßige Touren außerhalb der Einrichtung ermöglicht. Foto: TV/Kinderheim Inshuti Zacu
Ganz individuell ausgerichtet auf die Möglichkeiten des Einzelnen, ist mittlerweile sogar Unterricht möglich. Foto: TV/Kinderheim Inshuti Zacu

Klaus Schmitz

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