1. Die Woch

Gedenktage: Zeit der Trauer und der Besinnung

Gedenktage : Zeit der Trauer und der Besinnung

Im November erinnern kirchliche und weltliche Gedenktage an die Vergänglichkeit.

(red) Der November ist ein besonderer Monat – und das nicht nur in Coronazeiten. Das Laub fällt von den Bäumen, die Tage werden immer kürzer. Während nach Daten des Deutschen Wetterdienstes im goldenen Oktober die Sonne in Trier durchschnittllich 3,3 Stunden pro Tag scheint, sind es im grauen November nicht einmal halb so viel.

Außerdem ist der November ein Monat der Trauer mit mehreren kirchlichen und weltlichen Gedenktagen. Das beginnt für die Katholiken mit Allerheiligen am 1. November. Da bei einer immer größer werdenden Zahl von Heiligen nicht für jeden ein eigener Gedenktag gefeiert werden konnte, entwickelte sich der Brauch eines Gedenkens an alle „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“. Erst Papst Gregor IV. legte im Jahr 835 das Datum für die gesamte Westkirche auf den 1. November fest. In den orthodoxen Kirchen wird das Fest dagegen bis heute am Sonntag nach Pfingsten begangen.

Von Allerheiligen zu unterscheiden ist Allerseelen am 2. November. Dies ist ein Gedenktag für alle Verstorbenen, die sich nach katholischer Lehre noch im Fegefeuer befinden. Der Gedenktag wurde von Odilo von Cluny im Jahr 998 eingeführt, verbreitete sich aber erst nach und nach über die Klöster der Cluniazenser hinaus. Offiziell festgelegt wurde der Tag, obwohl er über viele Jahrhunderte in der Volksfrömmigkeit große Bedeutung erlangt hatte, sogar erst 1915 von Papst Benedikt XV. Inhaltlich gehören die traditionellen Gräbersegnungen, die in diesem Jahr vielerorts nicht in gewohnter Weise stattfinden konnten, zu Allerseelen. Da dies aber kein gesetzlicher Feiertag ist, werden sie oft bereits an Allerheiligen vorgenommen.

An diesem Sonntag steht dagegen ein weltlicher Gedenktag an: der Volkstrauertag. Die Idee zur Ehrung der gefallenen Soldaten entstand nach dem Ersten Weltkrieg, erstmals wurde der Tag am 1. März 1925, einem Sonntag, begangen. Während die Nationalsozialisten einen „Heldengedenktag“ begingen, wurde der Volkstrauertag in der Bundesrepublik 1952 wieder eingeführt und auf zwei Wochen vor dem ersten Advent festgelegt. Da der Tag somit immer auf einen Sonntag fällt, gilt er nicht offiziell als gesetzlicher Feiertag. Der Tag ist dabei, anders als sein Name vermuten lässt, nicht nur Deutschen und nicht nur Soldaten gewidmet. Das Totengedenken des Bundespräsidenten, eingeführt von Theodor Heuss, beginnt mit den Worten: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.“

Etwas aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden ist der Buß- und Bettag am Mittwoch nach dem Volkstrauertag. Bis 1994 war er in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag. Dann wurde er zur Finanzierung der Pflegevericherung abgeschafft, behielt seinen Status nur in Sachsen. Er ist ein Feiertag der evangelischen Kirche, der die Gläubigen zur Umkehr und zur Besinnung aufruft.

Ebenfalls evangelischer Tradition ist der Totensonntag am letzten Sonntag des Kirchenjahres. König Friedrich Wilhelm III. bestimmte ihn in Preußen 1816 für die evangelische Kirche zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“. Heute wird daneben wieder stärker die weit ältere Bedeutung als Ewigkeitssonntag betont – mit dem Blick auf die erwartete Wiederkunft Christi und das kommende Reich Gottes. Dies ist zugleich eine Parallele zum katholischen Christkönigssonntag.