1. Die Woch

Motor: Zwei Herzen und drei Zylinder

Motor : Zwei Herzen und drei Zylinder

Mit einem neuen Triebwerk hat Toyota den Yaris als Hybrid-Variante richtig aufgemöbelt.

Der Yaris galt einmal als wenig auffälliger, aber zuverlässiger und familientauglicher Kleinwagen. Mit der vierten Generation des kleinen, kompakten Toyota hat sich das geändert. Was weniger der schmucken, gar nicht eintönigen Optik mit einem Schuss C-HR in der Heckansicht zuzuschreiben ist, sondern einem neuen Aggregat und dessen „E-Zulieferer“ unter der Haube. Unser Fahrbericht mit dem Toyota Yaris Hybrid 1,5 Style stellt dem Konzept ein glänzendes Zeugnis aus. Zumindest teilweise.

Die vierte Generation seines erfolgreichen flotten Flitzers hat Toyota mit einem Versprechen auf den Markt geschickt: Ein Drei-Liter-Auto soll der Yaris jetzt sein. Sogar nach den strengen WLTP-Messungsvorgaben. 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch Super auf 100 Kilometer sind ihm ins Booklet geschrieben worden. Um es vorweg zu nehmen. Diese Zahl können wir nicht bestätigen. Viele andere gute (Vor-)Urteile dagegen schon. Kernstück des Fünftürers ist der neu entwickelte Hybridantrieb. Den haben die Japaner komplett neu konstruiert.

Ein eigens entwickelter 1,5 Liter großer und 91 PS starker Dreizylinder-Motor löst den bisherigen Vierzylinder ab. Das neue Aggregat hat Toyota mit einem 79 PS starken Elektromotor zusammengelegt. Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 116 PS für den 3,94 Meter kurzen Winzling. Das hybride Duo im Vorgänger brachte es auf 100 Pferdestärken. Dass die Hybrid-Batterie nun auf gängige Lithium-Ionen-Technik statt wie bisher Nickel-Metall setzt, hat nur Vorteile. Zum einen hat der Akku unter der Rückbank um 12 Kilogramm abgespeckt und ist deutlich kompakter geworden.

Das gesamte Fahrzeug hat rund 20 Kilogramm an Gewicht verloren. Ökologisches Resultat ist neben dem eingedampften Spritkonsum ein Wert von 87 g/km CO2-Ausstoß. Aber auch die Ergebnisse dieses Messverfahrens sind wiederum relativ: Nimmt man die optionale Top-Ausstattung und packt dadurch ein paar Kilo obendrauf, stehen unter dem Strich laut Hersteller 4,3 Liter Verbrauch und 97 g/km CO2, die in die Atmosphäre entweichen. Wir errechneten im Test-Zeitraum 5,0 Liter, was immer noch sehr ansehnlich ist.

Bleibt also die Gretchenfrage: Was merkt man als Fahrer an dieser technischen Neuentwicklung, was bringt der Yaris der vierten Generation mit dem neuen Dreizylinder? Okay, konzeptionsbedingt kann der Hybrid in der Stadt seine Vorteile ausspielen. Das Anfahren ist wie immer eine Freude: Wie Sie hören, hören Sie nichts – und dank des sofort zur Verfügung stehenden gesamten Drehmoment-Volumens geht es wie aus dem Lauf geschossen auf den Asphalt. Ein zivilisierter rechter Fuß sollte zur Ausstattung des Fahrers oder der Fahrerin gehören. Bis zu drei Kilometern Länge sind rein elektrisch zu packen.

Das Wechselspiel von Verbrenner und E-Motor geht über die Bühne, ohne dass der Fahrer oder die Fahrerin davon etwas merkt. Wobei der Benziner im normalen Fahrbetrieb oft abschaltet und der E-Motor den Staffelstab übernimmt. Was sich sehr zu unserer Freude geändert hat: Der neue Dreizylinder jault beim Beschleunigen nicht mehr so gequält wie ein alter Lloyd. Das übliche leise Dreizylinder-Knurren hat man dem Yaris abgewöhnt. Der fehlende Brennraum und der dadurch etwas rauer wirkende Arbeitstakt sorgen auch nicht für unangenehme zusätzliche Vibrationen.

Zu den verwendeten Materialien und deren Verarbeitung: Wir haben es mit einem Kompaktfahrzeug zu tun, deshalb dominieren große Kunststoffflächen. Diese sind solide verarbeitet, da scheppert nix und der unten geteilte Lenkradkranz bringt einen Schuss Sportlichkeit ins Spiel. Je nach Ausstattungslinie ist das Angebot von Assistenzsystemen nach dem „Toyota Safety Sense“-Prinzip hoch: Abstandsradar, Spurhalte- und ein Notbremsassistent bis Tempo 180 sind serienmäßig. Unser Testfahrzeug warnte zudem beim Rückwärtsausparken vor querendem Verkehr und im Head-Up-Display werden die wichtigsten Infos dargestellt. Was wir auch noch nicht bei einem Testfahrzeug vorfanden: Seitenairbags zwischen den Vordersitzen, damit Fahrer und Beifahrer beim Crash nicht mit den Köpfen zusammenrasseln.

Den frontgetriebenen Yaris mit der Kombination Verbrenner und E-Motor bietet Toyota seit 2012 an. Mit der vierten Generation und dem neuen Dreizylinder-Benziner hat der Autobauer seine Kompetenz im Bereich kleiner kompakter Hybrid-Fahrzeuge noch einmal optimiert, wenn nicht sogar die Pole-Position gegen die aufholende Konkurrenz verteidigt.