Dungeons 3

Dungeons 3

Höllischer Spaß trifft auf höllische Nervensägen: Mit „Dungeons 3“ gehen die Realmforge Studios und Kalypso in die richtige Richtung, haben aber noch ein paar Baustellen zu beseitigen.

Da dieser Name früher oder später sowieso fallen wird, bringe ich es schnell hinter mich: "Dungeon Keeper". So, ich habe es gesagt. Denn "Dungeons 3" teilt sich nicht nur ein Stück von dem Namen des altehrwürdigen Monster-Aufbau-Simulations-Klassikers, sondern auch etliche Spielmechaniken. Daher wird ein Vergleich so oder so gezogen. Und der kann sich sehen lassen.

Ein Neuling auf Schnupperkurs

Ich muss zugeben, dass ich die ersten beiden Teile des "Dungeons"-Reihe mit regem Interesse verfolgt habe, aber nie selbst zum Spielen gekommen bin. Bei "Dungeons 3" schnuppere ich also zum ersten Mal frische Kerkerluft, was mich ungewollt in eine kleine Zeitreise bugsiert: Denn Ende der 1990er-Jahre habe ich dutzende Stunden damit verbracht, Tunnel für Monster zu graben, strahlende Helden anzulocken und Chaos und Verderben zu verbreiten. Natürlich spreche ich hier von "Dungeon Keeper 1 + 2". Es war einfach zu verführerisch, sich in die Rolle des Bösen zu begeben. Dieses Prinzip funktioniert auch heutzutage noch erstaunlich gut.

Bei "Dungeons 3" übernehme ich nämlich auch die Rolle eines finsteren Kerkermeisters, der seine Imps… Verzeihung: Schnodderlinge auf Trab hält. Diese kleinen Kerlchen buddeln auf Befehl Gänge in die unterirdischen Gefilde, damit sich dort unterschiedliche Arten von Monstern niederlassen können. Mit diesen mürrischen Gesellen darf ich dann an der Oberfläche in die Schlacht ziehen und bunte Fantasy-Wesen verdreschen. Also vom Spaßfaktor her stimmt die Sache. Es ist fast wie eine Mischung aus "Dungeon Keeper" und "Warcraft 3" - wenn das mal kein Kompliment ist?!

Reden ist Silber, Schweigen … ihr wisst schon.

In fünf kurzweiligen Tutorials bekomme ich schnell die wichtigsten Tricks und Kniffe beigebracht, die es braucht, um richtig böse zu sein. Vom Ausheben der verschiedenen Räume über das Ansiedeln von Monstern bis hin zum Verteilen der Fähigkeitspunkte im Forschungsbaum und dem Angriff an der Oberfläche. Nach ein paar Übungsrunden sitzt die Steuerung per Controller perfekt und geht locker von der Hand. Daran kann ich mich gewöhnen. An was ich mich auch nach mehreren Kampagnen-Missionen nicht gewöhnen kann, ist die Stimme des Sprechers. Vielmehr sind es die dummen Witze und die nervige Weise, wie er redet. Hätte das bei der Qualitätskontrolle nicht auffallen müssen? Auf mich wirkt er wie eine Art Tinitus, die mir bei all dem Spielspaß unangenehm im Hinterkopf piepst.

Die eigentliche Story um die Verbreitung des Bösen mag jetzt keine Preise gewinnen, ist aber ganz unterhaltsam gestaltet. Nur im letzten Drittel der Kampagne stellt sich so etwas wie Routine ein, da es an neuen Elementen mangelt. Die insgesamt 20 Missionen geben sich dabei allerdings redlich Mühe, um für Abwechslung zu sorgen: Mal muss ich Brunnen vergiften, mal eine Prinzessin retten oder ein anderes Mal bestimmte Handelswege abknipsen. All das spielt sich auf der Oberfläche ab. Im Kerker selbst passiert von Mission zu Mission nicht sonderlich viel - da läuft es fast immer gleich ab. Nur in einigen Missionen habt ihr keinen Kerker und müsst euch mit dem zufriedengeben, was ihr an Monstern vorgesetzt bekommt. Auch eine nette Idee.

Hauen und Forschen

Die Schlachten an der Oberfläche sind zwar teilweise sehr wuselig, brauchen aber auch nicht sonderlich viel Taktik, da eure Viecher bestens selbst zurechtkommen. Dennoch könnt ihr immer mal wieder eingreifen und die Positionen bestimmen, an die ein Untertan rücken soll oder wen er zu attackieren hat.

Das Herzstück ist und bleibt der Forschungsbaum, mit dem ihr eine Menge Zeit verbringen werdet. Dafür ist Boshaftigkeit notwendig, die ihr an der Oberfläche durch das Zerstören von Statuen oder Feenteichen erhaltet. Mit dieser Ressource könnt ihr neue Räume, Zaubersprüche oder Einheiten freischalten. Das mag anfangs etwas komplex wirken, wird aber schnell zu einer routinierten und spaßigen Nebenbeschäftigung.

Die Vielfalt der Monster hätte etwas nach oben geschraubt werden können. So gibt es grundsätzlich die Unterteilung in "Horde", "Dämonen" und "Untote" mit insgesamt neun Basiseinheiten - nicht sonderlich viel. Zusätzlich warten noch starke Titaneneinheiten, von denen ihr allerdings nur jeweils eine befehligen dürft. Das Problem daran: Bis ihr einen Titanen freigeschaltet habt, ist eure Armee sowieso schon mächtig genug, um den Gegner auch ohne Titan platt zu machen.

Wer nach der Kampagne noch Lust auf den Kerkerbau hat, der stürzt sich in den Skirmish oder Online-Modus: Darin dürft ihr dann auch andere Dungeon-Besitzer angreifen - nette Sache. Ich für meinen Teil versuche jedoch lieber die zusätzlichen Missionsziele zu erfüllen, die ich während der Kampagne verpasst habe.

Fazit

Insgesamt liefern die Realforge Studios und Publisher Kalypso hier ein unterhaltsames Werk ab. Nur bei der Vertonung haben sie es etwas übertrieben - mich persönlich hat das ganz schön genervt, kann aber auch Geschmackssache sein. Das Management im Kerker hingegen ist ihnen super gelungen: Räume ausheben, einrichten und Monster ansiedeln macht Laune. Auch der Forschungsbaum lässt sich sehen und wurde benutzerfreundlich gestaltet. Bei der Vielfalt der Monster könnte der kommende Teil noch eine Schippe drauflegen. Außerdem sind die Gefechte an der Oberfläche doch etwas zu simpel gehalten, was aber nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Mich jedenfalls hat "Dungeons 3" als Neueinsteiger toll unterhalten und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Jedem Spieler, der sich nach einem neuen "Dungeon Keeper" sehnt, kann ich "Dungeons 3" nur wärmstens empfehlen. Klasse!

Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: dungeons-game.com