Eiskunstlaufen: Olympiasieger in Trier als Stargäste bei Holiday on Ice

Eiskunstlauf : Eiskunstlauf-Olympiasieger Massot/Savchenko zu Gast in Trier: „Es gibt zu wenig Unterstützung für unseren Sport“

Ein knappes Jahr, das sich gerade mal wie ein Monat anfühlt: Die Eiskunstlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot sagen im Gespräch mit dem TV, was sich seit den Spielen in Pyeongchang in ihren Leben verändert hat.

Die Unruhe kann das Eislauf-Talent nicht verbergen. Wie auch? Sie hat sich seit dem 22. Oktober 2018 aufgebaut, 86 Tage lang. Seitdem weiß die 14-jährige Sarina Thiex, dass sie in Trier bei Holiday on Ice ihre Kür präsentieren darf – als Gewinnerin der „Academy“, eines Talente-Castings der Show. Und dass sie in der Arena bei der Generalprobe einige Tipps von den amtierenden Olympiasiegern Aljona Savchenko und Bruno Massot bekommen wird. Jeder Schritt zeigt es, jedes Wort. Herzklopfen.

„Ich habe schon als Kind davon geträumt, bei Holiday on Ice dabei zu sein“, sagt Sarina. „Ich habe die Show in Trier gesehen, als ich gerade mit dem Eislaufen angefangen habe – mit sechs oder sieben Jahren.“ Schüchtern geht sie auf Massot und Savchenko zu, den schwarzen Edding in der Hand – und lässt sich auf den Schlittschuh unterschreiben. Bei der Show läuft dann für die junge Läuferin aus Minden an der Sauer alles glatt: „Da war ich nicht mehr so aufgeregt wie bei der Probe.“

Aljona Savchenko und Bruno Massot macht das Training mit den Talenten viel Spaß. Seit November sind sie bei vielen Premieren der Holiday-on-Ice-Show als Stargäste dabei. „Ich finde die Academy-Aktion toll – die unterstützen wir gerne“, sagt Savchenko im TV-Gespräch nach dem Training. Schließlich gehe es auch darum, Eiskunstlauf weiter nach vorne zu bringen. Mehr Nachwuchs gewinnen, mehr Begeisterung entfachen. Das Paarlauf-Gold war da ein großer Sprung in die richtige Richtung. Seit dem 15. Februar 2018 ist im Leben des gebürtigen Franzosen Massot und der in der Ukraine aufgewachsenen Savchenko nichts mehr, wie es war. „Es ist kaum zu glauben, dass das schon fast ein Jahr her ist – das ist so schnell vorbeigegangen. Es fühlt sich eher an wie ein Monat“, sagt die 34-Jährige, die im März 2018 auch noch den WM-Titel an der Seite von Massot feierte: „Ich hatte seitdem noch keine Zeit, einfach mal zu Hause zu sitzen.“ Olympia-Gold zieht. Jede Menge Anfragen, nicht nur von Holiday on Ice – die einst auch schon Kati Witt für ihre Shows gewonnen hatte. Der Nach-Olympia-Modus hält an. Da blieb noch keine Zeit, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Ist für Savchenko in ein, zwei Jahren Schluss? Oder erst nach Olympia 2022, als 38-Jährige? „Wir hatten noch keine Chance darüber nachzudenken, was kommen wird“, sagt Savchenko. Massot ergänzt auf Englisch: „We’ll see.“ Wird sich noch zeigen. Keine Zeit für die Zukunft, wenn das Jetzt so hektisch ist.

Für das Gold-Paar ist Holiday on Ice auch eine Werbeshow für ihren Sport – auch wenn Show und knallharter Wettbewerb etwas ganz anderes seien. Einer ihrer Auftritte ist an die sensationelle Olympia-Kür von Pyeongchang angelehnt. „Die Kür ist immer magisch. Egal, ob im Wettkampf oder in der Show“, sagt Aljona Savchenko. „In der Show können wir zwar wegen der Größe der Eisfläche nicht exakt das Gleiche machen wie im Wettkampf. Aber wir haben unsere Markenzeichen behalten und die interessanten Sachen integriert.“ Für Massot geht’s vor allem um die Unterhaltung: „In der Show haben wir keine festen Regeln, es gibt keine Jury Es ist stressfrei und macht einfach Spaß.“

Die Olympia-Kür sei immer eine schöne Erinnerung. Denn dass danach die Goldmedaille herausspringen würde, das ist für Massot heute noch ein kleines Wunder. Nach dem Kurzprogramm lag das deutsche Paar nur auf Platz vier, auch wegen eines Patzers von Massot. „Nein“, sagt er. „Ich hätte nie daran gedacht, dass wir noch Gold holen könnten. Das war unvorstellbar. Eine Stunde vor der Kür habe ich gesagt: Okay, ich fühle mich besser, mal schauen, was geht.“ Aljona Savchenko, die 2010 und 2014 schon Olympia-Bronze gewonnen hatte, sah es anders. „Ich habe an uns geglaubt – von Anfang an und auch noch nach dem Kurzprogramm. Es konnte nicht wieder Platz drei werden.“

Ob ihr Coup dem Eiskunstlauf in Deutschland einen Schub verpasst hat? Da ist Savchenko eher skeptisch. „Ich hoffe, dass Eiskunstlaufen populärer geworden ist, es ist aber einfach zu selten im Fernsehen zu sehen. Es gibt zu wenig Unterstützung, auch vom Land – das ist sehr schade für so eine schöne Sportart.“ Das demonstrierten in der Arena auch die 40 anderen Eisläuferinnen und Eisläufer neben Massot, Savchenko – oder eben Sarina Thiex. Bei allen guten Tipps, die die 14-Jährige vom ESV Bitburg von den Profis bekommen hat – eins blieb ihr unklar. „Aljona sagte, ich soll für mich laufen“, berichtet sie. „Dann sagte mir Bruno, ich sollte fürs Publikum laufen.“

In diesem Punkt waren sich die beiden also nicht einig. Was nun richtig ist? Beides, sagt Massot. „Wir laufen einerseits für das Publikum, weil sie kommen, um uns zu sehen. Aber wir müssen immer auch auf uns selbst fokussiert sein,  um unseren Job gut zu machen. Sonst kann es auf dem Eis auch gefährlich sein.“