Endless Legend

Monsterjäger gesucht: "Endless Legend" tritt in riesige Fußstapfen. Um diese auch gebührend auszufüllen, braucht es wahre Größe. Ob sich die Zähmung dieses Biestes am Ende lohnt, erfahrt ihr im Test.

Vor meinem Besuch auf der Gamescom im August hatte ich "Endless Legend" ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm. Iceberg Interactive war mir zwar ein Begriff, aber von ihrem Projekt hatte ich bis kurz vor der Spielmesse nichts gehört. Doch das Interesse wuchs schlagartig als mir meine Ansprechpartnerin bei Koch Media mitteilte, dass es sich dabei um einen Rundenstrategie-Titel im Stile eines "Civilization" handle. Die Krönung: Es war sogar noch ein Vorstellungstermin bei den Entwicklern höchstpersönlich frei - da konnte ich nicht nein sagen.

Beeindruckend.

Der Termin auf der Gamescom in Köln verlief wie erwartet: "Endless Legend" sieht verdammt schick aus und bietet jede Menge tiefgreifende Taktikmöglichkeiten im feinen Fantasy-Gewandt - das versprechen die Entwickler und führen es auch eindrucksvoll vor. Leider ist die Zeit wieder viel zu schnell vorbei… Wie es sich letztlich spielte, durfte ich dann erst Anfang Oktober feststellen.

Kaum starte ich das Spiel, sehe ich mich auch schon einem Monstrum gegenüber: Dem Hauptmenü. Dass noch weitere solcher Schikanen folgen werden, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Aber das Menü strotzt nur so vor Optionen und lässt mich erst einmal ratlos zurück. Also starte ich gemütlich ein Spiel, von dem ich hoffe, dass es ein einführendes Tutorial enthält. Das nächste Monstrum erwartet mich bereits… aber nicht falsch verstehen: Das Spiel ist gigantisch und ein echter Juwel - bloß muss man den richtigen Einstieg finden, bis man ihn schätzen kann.

Schöne, bunte Welt.

Optisch zaubern die Jungs von Iceberg Interactive Augenzucker auf den Monitor: Denn egal wie nah oder weit ich mir das Geschehen auf der Karte anschaue - es ist einfach herrlich dem bunten Treiben zuzuschauen. Jede Fraktion bringt eigene Einheiten mit in die Schlacht, die allesamt detailverliebt animiert sind. Außerdem spielt sich jede Rasse völlig anders - was mir erst nach ein paar Runden aufgefallen ist. Von diplomatischen Händlern bis hin zu aggressiven Gesellen dürfte allerdings für jeden Hobby-Strategen das passende Völkchen dabei sein.

Eine echte Kampagne gibt es leider nicht. Zwar erzählt jedes der acht Völker in netten Standbildern seine eigene Geschichte, aber als Story würde ich das nicht durchgehen lassen. Dafür machen die einzelnen Runden immer wieder mächtig Spaß: Standort aussuchen, Stadt langsam ausbauen, auf Entdeckungstour gehen, weitere Städte erobern - entweder durch diplomatische Quests oder durch pure Aggression - und am Ende der gegnerischen KI den Hintern versohlen.

Abwarten und kommen lassen.

Die Gegner verhalten sich übrigens im Gegensatz zum großen "Civilization"-Vorbild deutlich passiver. Selten kommt ihr in die Lage, dass euer Gegner plötzlich vor den Stadttoren steht und euch plündern möchte. Vielmehr brodelt er still und heimlich vor sich hin und wartet, dass ihr euch auf den Weg macht. Kommt es dann letztlich aber zu einem Kampf, solltet ihr nicht denken, dass das einfach zu bewältigen ist. Die rundenbasierten Scharmützel fordern und unterhalten gleichermaßen: Wer zudem geschickt das Terrain zu seinem Vorteil nutzt, kann seine Verluste deutlich in Grenzen halten - vorbildlich gelöst und äußerst motivierend.

Bei der Diplomatie hat allerdings Civilization die Nase vorne: Denn bei "Endless Legend" fehlen mir ehrlich gesagt die Überraschungsmomente, wenn ich mich für eine Option mit meinem Gegenüber entscheide. Kennt ihr euer Volk und auch die andere Rasse, dann lassen sich schnell die Konsequenzen eurer Entscheidung ausrechnen. Schlecht ist das zwar nicht, aber es geht auch anders, wie Civ-Kenner wissen.

Fazit.

Auch wenn sich der Einstieg schwieriger gestaltet hat als anfangs gedacht, hat sich mein erster Eindruck vom Besuch bei den Entwicklern auf der Gamescom bestätigt: "Endless Legend" ist eine Perle der Rundenstrategie-Spiele und braucht sich nicht vor "Civilization" oder anderen Titeln zu verstecken. Wenn es die Entwickler vielleicht noch etwas auf Bedienungsfreundlichkeit trimmen könnten, sehe ich eine rosige Zukunft: Sicherlich werden dann bald noch weitere Hobby-Strategen in dieses bezückende Fantasy-Reich ziehen - verdient hätte es das Spiel allemal. Für mich kann der Winter also ruhig kommen. Und Dank des netten Hinweises von Frau Stepper (Koch Media), habe ich "Endless Legend" in mein Herz schließen können.

Georg Bernardy / Matthias Probst

Genre: Rundenstrategie, Taktik

Für: PC // Entwickler: Amplitude / Iceberg Interactive // Publisher: Koch Media // Spieler: 1 // Online: ja // USK: Ab 12 Jahren // Internet: g2g.amplitude-studios.com