"Er hat halt das Problem mit den Feuerchen"

"Er hat halt das Problem mit den Feuerchen"

Vor dem Landgericht Trier ist der Prozess gegen einen 75-Jährigen aus Waxweiler fortgesetzt worden, der serienweise Kleinbrände gelegt haben soll. Der Mann ist möglicherweise schuldunfähig - eine dauerhafte psychiatrische Unterbringung könnte die Folge sein.

Trier/Waxweiler. "Gewalttätig war er noch nie. Aber er hat halt seit einiger Zeit das Problem mit den Feuerchen", werden mehrere Zeugen aus Waxweiler am zweiten Verhandlungstag über den Beschuldigten sagen. Dieses "Problem" ist auch in der Anklageschrift von Staatsanwältin Daniela Gregarek dokumentiert. Sie wirft dem Beschuldigten vor, zwischen 2012 und 2014 mit Papier und Reisig neun Brände in der Nähe von Gebäuden gelegt zu haben, in denen sich zumindest zeitweise Menschen aufhielten. Damit wäre der erschwerende Tatbestand der gefährlichen Brandstiftung erfüllt.75-Jähriger in Psychiatrie


Alle Feuer konnten rechtzeitig gelöscht werden - Schäden entstanden nicht. Auch geht die Anklägerin davon aus, dass der Mann wegen einer schweren seelischen Störung im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Er befindet sich daher auf Anordnung des Untersuchungsrichters seit Anfang dieses Jahres in psychiatrischer Unterbringung.
Schon am ersten Verhandlungstag hatte der Beschuldigte durch sein auffälliges Verhalten vor Gericht die Vermutung untermauert, er sei seelisch gestört. Regelmäßige Wortschwalle, schnell wechselnde Stimmungslagen, "Frisch auf!"-Rufe und der obligatorische Wanderhut mit Fasanenfedern prägen den Eindruck auch am zweiten Verhandlungstag. Erstmals anwesend sind die Brandsachverständige Dr. Silke Cox und die Psychiatrische Sachverständige Dr. Sylvia Leupold. Sie hat den 75-Jährigen untersucht und wird im späteren Verlauf des Verfahrens ein psychiatrisches Gutachten erstellen.
Der Beschuldigte selbst will sich auch am zweiten Sitzungstag der Dritten Großen Strafkammer nicht zu den Vorwürfen äußern. Stattdessen steigt der Vorsitzende Richter Armin Hardt in die Vernehmung von insgesamt neun Zeugen ein.
Den Anfang machen die beiden Gemeindearbeiter, die den Beschuldigten mehrfach beim Zündeln in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses erwischt hatten. Auf ihre energische Anordnung habe der Mann die Feuer wieder gelöscht. In einem Fall war einer der Zeugen gerade mit Arbeiten im Inneren des Gemeindehauses beschäftigt, als plötzlich Flammen außen vor dem Fenster hochflackerten. Der Zeuge: "Ich bin raus, habe ihn angebrüllt und mit der Polizei gedroht." Die Antwort sei gewesen: "Ich mach\' das für den Umweltschutz. Die Polizei wird mich loben." Ein anderer Zeuge hatte den Mann zweimal beim Zündeln an der Friedhofshalle ertappt. Wie die meisten berichtet er von den anderen Marotten des Dorfbewohners, den sie alle schon von Kindheit an kennen. Oft werde er auf der Straße lästig, wolle jedem ein Gespräch aufzwingen. Touristen habe er belästigt, habe sich ihnen als "Wanderführer Klaus" aufdrängen wollen.
"Der Mann ist meiner Ansicht nach einsam", meint die Betreiberin einer Tankstelle, die nicht will, dass er nun "kriminalisiert" werde. Die Verhandlung wird am 19. November fortgesetzt. f.k.