Er war von Anfang an dabei

Im Jahr 1999 organisierte er mit seinem Team das erste Rocco del Schlacko. Seitdem ist Thilo Ziegler aus dem Festivalgeschäft nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile stellt er auch das Electro Magnetic und das Urban Art auf die Beine.

Du bist Veranstalter von drei Festivals - Worin unterscheiden sich die drei Konzepte?
Thilo Ziegler: Das Rocco-del-Schlacko-Festival ist ein Rock- und Pop-Festival, das Electro-Magnetic ist ein reines Electro-Festival, das Urban-Art-Festival ist ein reines Hip-Hop-Festival - also musikalisch unterscheiden die sich. Wobei der wesentliche Unterschied darin besteht, dass das Rocco del Schlacko mehrtägig ist, mit Camping, die anderen beiden dauern jeweils einen Tag bzw. eine Nacht.

Was hat sich im Festivalgeschäft in den letzten Jahren verändert?
Thilo Ziegler: Die Eintrittspreise, Booking- und Gema-Kosten sowie die Infrastrukturkosten haben sich gewandelt, weil sich die Branche vom Tonträger-Markt hin zum Live-Geschäft entwickelt hat, d.h. die Künstler finanzieren sich fast ausschließlich über das Live-Geschäft. Somit haben sich natürlich auch die Eintrittspreise verdoppelt. Ansonsten geht es aber nach wie vor darum, eine gute Zeit zu haben, was schon 1960 so war.

Warum ist das ehemalige Eisenwerk in Völklingen der perfekte Ort für das Urban-Art- bzw. das Electro-Magnetic-Festival?
Thilo Ziegler: Der Austragungsort ist das Unesco Weltkulturerbe "Völklinger Hütte", eine alte Eisenschmelze, welche vollständig erhalten ist - dabei genießen wir die Besonderheit, mit unseren Festivals in Bereichen zu sein, die sonst für Besucher über das Jahr nicht zugänglich sind. Somit haben wir eine einzigartige Veranstaltungslocation, mit wirklich imposanter Kulisse. Es ist die Urbanität, die ein Electro-Festival und gerade auch ein Urban-Art-Hip-Hop-Festival ausmacht. Weiterhin haben wir Lichtkünstler, Lasertechniken und verschiedene Kunstinstallationen, beim Urban-Art-Hip-Hop-Festival auch die Biennale mit der im Moment europaweit bedeutendsten Ausstellung für Street Art, sodass am Ende nicht nur der Künstler auf der Bühne, sondern auch der Ort selbst zum Star des Festivals wird.

Welche Vorteile hat es, drei Festivals mit jeweils anderem Musikstil zu veranstalten und nicht verschiedene Musikrichtungen auf einem Festival zusammenzuführen?
Thilo Ziegler: Die Festivals haben miteinander einfach nicht zu tun. Es war uns ein Bedürfnis zeitgemäßer zu sein und wir wollten neusten Trends hinterher springen - aber wir wollten keine Electro Stage auf das Rocco del Schlacko bauen, weil wir der Meinung sind, dass es da einfach nicht hingehört und deshalb haben wir die anderen Festivals losgelöst davon ins Leben gerufen.

Das "Rocco del Schlacko" ist deine sogenannte Festivalmutter - dieses Jahr geht es in die 17. Runde. Hat es seine finale Größe erreicht oder wächst es noch?
Thilo Ziegler: Wir formulieren die Größe eines Festivals nicht nur anhand der Besucherzahlen, wir sind an dem Austragungsort an der Kapazitätsgrenze angekommen und das ist auch ok, denn wir finden es ganz nett, dass man vielleicht noch einen Platz an der Bühne bekommt oder das Ende vom Campingplatz sieht oder vielleicht jemanden an dem Wochenende dreimal trifft. Aus dem Grund sehen wir uns als mittelgroßes Festival in der Waldlichtung und eben nicht als anonymes großes Major-Festival an einer Autobahn-Raststätte oder einem Flughafen. Das wir so sind, wie wir sind macht uns authentisch.

Wie lange dauert so ein Wachstum eines Festivals? Woran merkt man, dass der Zenit erreicht ist?
Thilo Ziegler: Auf das Rocco del Schlacko bezogen, dauert es so lange wie wir das ordentlich realisieren können, sodass es jedem Spaß macht und es nicht bis bis oben hin mit Menschen zugeballert ist. Ja ein Festival ist dann nicht zu groß, wenn die Infrastruktur noch funktioniert und man sich in Ruhe sein Bier holen kann und man die Ausgänge findet und es auch für die Künstler ein angenehmes Treiben ist und kein Chaos.

Gibt es Unterschiede in den Verhaltensweisen der verschiedenen Zielgruppen? Auf was muss man beispielsweise bei einem Hip-Hop-Festival vorbereitet sein, auf das man bei einem elektronischen Festival nicht vorbereitet sein muss?
Thilo Ziegler: Ja, total! Die Bedürfnisse eines Rocco-Besuchers sind ja total andere, hinsichtlich des Zeitraums vor allem. Beim Rocco del Schlacko sind es vier Tage inklusive Camping - da haben die Besucher natürlich andere Ansprüche als bei einem eintägigen Event. Außerdem geht es beim Rocco del Schlacko um die Bands, um die Live-Musik, beim Electro-Magnetic geht es hingegen auch um die Party, um die Lichtperformance und die Show im Gesamten, das Electro-Magnetic findet auf fünf Bühnen gleichzeitig statt und beim Rocco liegt der Fokus auf der Band, die gerade spielt.

Das Hip-Hop-Festival "UrbanArt" findet dieses Jahr zum ersten Mal statt - Welche Faktoren bewegen namhafte Künstler wie Haftbefehl, Kollegah oder Genetikk dazu, auf diesem Festival zu spielen?
Thilo Ziegler: Unser Konzept war überzeugend und schien für die Künstler schlüssig zu sein. Ich glaube, in einem Unesco-Weltkulturerbe zu spielen, vor solch einer atemberaubenden Kulisse und in Verbindung mit der Urban-Art-Biennale spricht für sich. Die Künstler finden es glaube im ersten Moment sogar noch cooler, als wir selbst. Wir hatten natürlich aber auch den Vorteil, dass wir schon Bildmaterial vom Electro-Magnetic, was ja am gleichen Ort ausgetragen wird, zeigen konnten.

In der letzten Lifestyle-Ausgabe haben wir die Festivals der Region vorgestellt - unter anderem gibt es dieses Jahr Zuwachs bei den elektronischen Veranstaltungen. Wie hart stufst du die Konkurrenz ein?
Thilo Ziegler: Ich würde nicht das Wort Konkurrenz benutzen, es geht darum, dass in der Region viel stattfindet und das unterm Strich auch die Community stärker wird und das ist gut so.

Was hast du in der diesjährigen Vorbereitungsphase, als erfahrener Veranstalter, neu dazugelernt?
Thilo Ziegler: Man lernt jeden Tag dazu. Die Bühnenproduktion entwickelt sich weiter, Herangehensweisen von Behörden werden anders. Wir versuchen die Festivals auch inhaltlich und geografisch immer wieder zu verbessern, man macht sich Gedanken über Spielzeiten, An- und Abfahrtswege, VIp-Bühnen - da gibt es tausend Dinge, die wir weiter entwickeln.

Welche Neuerungen erwarten uns auf den Festivals dieses Jahr?
Thilo Ziegler: Wir werden die Bühne am Ponyhof auf dem Rocco del Schlacko dieses Jahr vergrößern, dort auch Live-Musik anbieten, sodass beispielsweise Annenmaykantereit und Heisskalt als Live Bands auf dem Ponyhof spielen bevor wir dann nachts aufs Partyprogramm umsteigen. Auf dem Electro Magnetic wird es einen neuen Floor geben, den Katermukke-Floor aus Berlin. Das Musiklabel bringt auch seine eigene Deko mit, sodass wir da sogar noch hübscher werden.

Wie viele Tickets wurden bisher verkauft?
Thilo Ziegler: Beim Urban-Art-Festival haben wir etwa die Hälfte, also so 2.500 bis 3.000 von 6.000 möglichen Tickets verkauft, beim Electro-Magnetic 80 Prozent der Tickets - und das ist auf 11.000 Besucher angelegt.