Erbe der Kelten und Römer

Erbe der Kelten und Römer

Hominem mortuum in urbe ne sepelito neve urito" – einen Toten darf man innerhalb der Stadt weder begraben noch in ein Brandgrab bringen, heißt es lapidar im römischen Zwölftafelgesetz. Diese Bestimmung hat auch in den Provinzen ihre Gültigkeit nicht verloren.

Hominem mortuum in urbe ne sepelito neve urito" - einen Toten darf man innerhalb der Stadt weder begraben noch in ein Brandgrab bringen, heißt es lapidar im römischen Zwölftafelgesetz. Diese Bestimmung hat auch in den Provinzen ihre Gültigkeit nicht verloren. Daher befinden sich die Grabstätten immer außerhalb der Siedlungen beziehungsweise im Grenzbereich außerhalb der Militärlager. Alles, was mit Grablegung und Grab zu tun hatte, war im juristischen Sinn "res privata", unterlag also keiner weiteren staatlichen Kontrolle.Demonstration von Macht und Reichtum

Das Grab bot jedem, der über genügend Kapital verfügte, zum letzten Mal Gelegenheit, seinen Reichtum, seine Macht und seine persönliche Wertstellung demonstrativ zur Geltung zu bringen. Normalerweise wird Hetzerath (Kreis Bernkastel-Wittlich) mit Kelten, Römern oder römischen Funden nur wenig in Verbindung gebracht. Dass der mittelgroße Ort schon immer Durchgangsstraße für den Fern- und Nahverkehr war, ist den wenigsten bewusst. Zu oft stand der heutige Durchgangsverkehr im Kreuzfeuer der Kritik, vor allem wegen der Belastung der direkten Anlieger.

Aber schon vor 2000 Jahren wurde der verkehrstechnisch günstig gelegene Ort zum Durchfahren- oder -wandern benutzt.

Die alten Römerstraßen, die teilweise heute noch in ihrer ursprünglichen Trassenführung existieren, sind nur ein Beweis dafür. Dass aber die Römer auch hier siedelten, ist bis dato nur den wenigsten bewusst. So existieren etliche alte Siedlungsstellen, an denen einst prächtige Villen standen.

Einige im vergangenen Sommer entdeckte, ungewöhnliche Neufunde runden dieses Bild ab.

Bei Hetzerath wurde zunächst die Steinkiste für ein Brandgrab aufgefunden. Hierbei handelt es sich offensichtlich um ein frührömisches Brandgrab. Unmittelbar neben der Steinkiste befanden sich die Reste einer älteren Bestattung mit einem ungewöhnlichen Bronzekessel samt Beigaben. Handelt es sich hier um die Reste einer reich ausgestatteten Familiengrabanlage?

Es wurde eine Anzahl Opfergruben festgestellt. Römische Münzen, Keramikbruchstücke und ein Glasgefäß konnten aufgelesen werden. Die Fundgegenstände verweisen die Anlage offensichtlich in die frührömische Zeit.

Die am Fundort in Hetzerath entdeckten ältesten Gräber gehören in die frührömische Zeit, das heißt in das 1. Jahrhundert nach Christus bis etwa zum Jahre 50. Die Belegung der Grabstätte dauerte allerdings mindestens bis ins späte 1. Jahrhundert. So lagen in der Steinkiste Münzen des Kaisers Domitian (um 80 nach Christus).

Kessel-Reste aus spätrömischer Zeit

Was zunächst als reiner Routinefall für die Trierer Archäologen erschien, nämlich die Einordnung des Fundes als halb zerstörtes römisches Gräberfeld, das in Beziehung zu einer ländlichen Villa, also einem Gutshof stand, entpuppte sich dann doch als archäologischer Glücksfall.

Die Blechreste eines Kessels aus spätkeltischer Zeit, die in diesem Gräberfeld gefunden wurden, deuteten auf ein prominentes Grab hin.

Hierzu Dr. Hans Nortmann, Archäologe am Landesmuseum Trier und zuständig für das Trierer Land, der die Ausgrabungen in Hetzerath leitete: "Was sich jetzt herausgestellt hat, ist schon etwas Besonderes. Wir haben hier eine Grabanlage vorgefunden, wo zunächst einmal eine Bestattung mit diesem Kessel stattfand - spät keltisch oder frühest römisch, das heißt etwa um Christi Geburt. Genau an der Stelle, an der sich diese frühe Grabstätte befand, ist in späterer Zeit zweimal hintereinander nochmals eine Bestattung vorgenommen worden. Die aufgefundene Steinkiste ist in die dritte Phase einzuordnen." Aus der zweiten Phase der Generationenfolge wurde ein gut erhaltenes Glasgefäß aufgefunden, das zu dieser Zeit eher etwas besonderes darstellte.

Diese sei etliche Generationen jünger als die erste Bestattung. Die drei Bestattungen, die an ein und derselben Stelle immer wieder im Generationenabstand vorgenommen wurden, sind Mittelpunkt einer größeren Grabanlage, eines so genannten Grabgartens, das heißt eines Bezirks, der mit einer Mauer abgegrenzt ist.

Römischer Gutshof in der Niederung

"Es sieht sehr danach aus, als wenn hier Tote ruhen, auf die als prominente Ahnen immer wieder Bezug genommen wurde", erläutert Archäologe Hans Nortmann. "Wenn man jetzt versucht, das Ganze in einen Zusammenhang zu bringen, so gehörte die jüngste Bestattung möglicherweise zu dem römischen Gutshof in der Niederung, möglicherweise ja der Gutsbesitzer oder eine sonstige besser gestellte Person seiner Familie. Und wenn dieser zurückgreift bis in die Gründungszeit der römischen Besiedlung oder die spätest keltische Zeit und Bezug nimmt auf einen Ahnen aus der Zeit von Kaiser Augustus, dann fassen wir hier möglicherweise eine lokale Familientradition. Die ist für uns enorm wichtig, da die allermeisten in Stein erbauten Gutshöfe erst 80 bis 100 Jahre nach Augustus entstanden sind, das heißt, die bekannten römischen Villen hatten an ihrem Standort in der Zeit des Kaisers Augustus keine Vorgänger. In dieser früh römischen Zeit muss es noch Holzfachbauten gegeben haben, allerdings an anderer Stelle: Jetzt hätten wir einen Platz, wo am Friedhof durchgängig aus keltischer Zeit Wurzeln an Ort und Stelle nachvollziehbar sind bis in die entwickelte römische Epoche." Nur selten sind die ersten Jahrzehnte der römischen Zeit belegt. "Das Erbe der keltischen Gutshöfe kennen wir fast nicht oder ganz selten", so Hans Nortmann. Möglicherweise ist so ein Fall am Friedhofsstandort in der Hetzerather Flur aufgetreten.

In der Nähe der Steinkiste wurden gut erhaltene Urnen gefunden. Von der Datierung her sind sie wohl etwas jünger einzuordnen als die Hauptbestattung. Am Rande prominenter Grabstätten setzten oft auch Personen geringeren Ranges ihre Toten bei, was auch hier der Fall gewesen sein dürfte.

Vom etwa 70 Meter großen römischen Friedhof in Hetzerath wurde nur ein etwa zehn Meter langer Ausschnitt komplett untersucht. Weitere Folgeuntersuchungen wird es aller Voraussicht nach nicht geben, es sei denn, es ergeben sich neue Fakten aus der noch nicht ganz abgeschlossenen Bearbeitung.

Hetzerath gewinnt mit diesen archäologischen Funden an historischer Bedeutung.

Monika Traut-Bonato