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Erst Tante Emma, dann Chinesen

Präzision zählt: Christoph Zock, Geschäftsführer des Unternehmens Brand Ladenbau (Longuich), vor dem computergestützten Bearbeitungszentrum, an dem bei jedem Bauteil alle Arbeitsschritte hintereinander ausgeführt werden.Foto: Uwe Hentschel
Präzision zählt: Christoph Zock, Geschäftsführer des Unternehmens Brand Ladenbau (Longuich), vor dem computergestützten Bearbeitungszentrum, an dem bei jedem Bauteil alle Arbeitsschritte hintereinander ausgeführt werden.Foto: Uwe Hentschel
LONGUICH. Ein nobles Umfeld für Schuhe und Brillen: Die Firma Brand Ladenbau wurde vor 100 Jahren gegründet. Lange war ihr Sitz in Trier, seit zehn Jahren ist das Unternehmen jetzt in Longuich und blickt von dort unter anderem auch nach China. ARRAY(0xcb085560)

Er erinnert sich noch gut daran, wie er mit dem riesigen Heizkessel Ungeheuer spielen durfte, an das verschachtelte alte Geschäftsgebäude in Triers Güterstraße und an die Betriebsführungen, die er dort gemacht hat, als er schon etwas älter war. "Wenn ich die Besucher mittendrin allein gelassen hätte, ich weiß nicht, ob sie dann noch von alleine raus gefunden hätten", sagt Christoph Zock, Geschäftsführer der Brand Ladenbau GmbH. Allein zwischen 1938 und 1965 habe es dort zwölf verschiedene Bauabschnitte gegeben.Mehr Platz und näher zur Autobahn

Angefangen hat alles gut ein halbes Jahrhundert vorher, 1904, als Schreinermeister Mathias Brand die Schreinerei Brand in der Weberbach gründete. Sechs Jahre später folgte der Umzug nach Trier-Ost, in die Bergstraße. Schon damals seien die modernsten Maschinen gekauft worden, sagt Zock, Maschinen, "die nicht über Transmissionsriemen, sondern mit eingebauten Elektromotoren angetrieben wurden". 1936 kauften die beiden Söhne des Firmengründers, Hans und Felix Brand, das Gelände in der Güterstraße, wo das Unternehmen bis Mitte der Neunziger ansässig war. Irgendwann sei jedoch auch dort der letzte Quadratmeter verbaut gewesen, sagt Zock. "Wir standen dann vor der Entscheidung: Bleiben wir hier, bis nichts mehr geht oder ziehen wir um?" Christoph Zock, der seit 1987 gemeinsam mit Stefan und Ulrich Zock und Andreas Brand Inhaber des Ladenbau-Unternehmens ist, hat sich dann mit seinen Partnern für einen Umzug nach Longuich entschlossen. Nicht zuletzt wegen der Nähe zur Autobahn, auf der für das Unternehmen vor allem der Abschnitt in Richtung Luxemburg interessant ist. Denn als Kunde ist das kleine Großherzogtum schon seit Ende des Zweiten Weltkrieges für Brand bedeutend. Die Luxemburger hätten sich damals köstlich amüsiert, als seine Vorfahren 1948 mit dem dreirädrigen Firmenwagen zu den Kunden gekommen seien, sagt Zock über die anfänglichen Geschäftsbeziehungen zum Nachbarland. Mittlerweile ist das Unternehmen auch dort mit einer kleiner Niederlassung vertreten, von wo aus luxemburgische Geschäftskunden Ladeneinrichtungen bestellen, die dann in Longuich angefertigt werden. In Longuich arbeiten heute Schreiner, Monteure, Techniker, Innenarchitekten und Gestalter, die computergesteuert jede Art von Einrichtung herstellen - vom Schuhgeschäft über die noble Parfümerie bis hin zum Empfangsbereich der Zahnarztpraxis oder dem Geschäftsbüro des Sparkassen-Chefs. Unter den rund 40 Mitarbeitern der Firma sind seit kurzem auch zwei chinesische Kollegen, mit denen das Unternehmen in China Fuß fassen möchte - ein Schritt, zu dem Brand Ladenbau vom Europäischen Tourismusinstitut ermuntert worden sei. In China gebe es eine große Affinität zu europäischem Design und zu deutscher Qualität, sagt der Geschäftsführer. Die zwei chinesischen Mitarbeiter sollen erst in Longuich mit dem Betrieb und dessen Ablauf vertraut gemacht werden und dann später in China - gemeinsam mit einem dort ansässigen Partner - mögliche Kunden beraten. Idee und Planung sollen dann aus Deutschland kommen, entstehen sollen die Laden- oder Büroeinrichtungen vor Ort in Fernost.Ideen aus Deutschland, Fertigung in China

"Man kann das auch hochtrabend als Know-how-Transfer bezeichnen", sagt Christoph Zock. Das klänge vielleicht professioneller. Und es hat sich ja auch einiges geändert im Vergleich zu damals, vor 40 Jahren, als es nicht unüblich gewesen sei, dass "bis zu drei Tante-Emma-Läden pro Tag rausgedonnert wurden".