Fischsterben an der Sauer: Das Nachspiel hat begonnen

Fischsterben an der Sauer: Das Nachspiel hat begonnen

Die politische Aufarbeitung des Fischsterbens an der Sauer hat begonnen. Vertreter deutscher und luxemburgischer Behörden und Ministerien haben sich darauf geeinigt, in Sachen Sauer künftig enger zusammenzuarbeiten und die Kommunikationswege zu verbessern. Zudem soll ermittelt werden, wie groß der entstandene Schaden genau ist.

Das Bild vor Ort hat sich in den vergangenen Tagen nicht mehr wesentlich verändert. Wo vor kurzem noch Angler und luxemburgische Beamte durch den Schlamm wateten, um Fische zu retten, weht nun ein rot-weißes Absperrband.

Dahinter schwimmen unweit des luxemburgischen Ortes Steinheim in flachen Tümpeln nach wie vor Tausende Jungfische - die "Überlebenden" einer lokalen Ökokatastrophe an der Sauer: Nachdem die Luxemburger wegen Bauarbeiten am Rosporter Stauwehr am Montag vergangener Woche den Wasserstand des Grenzflusses um zwei Meter abgesenkt hatten, waren in zwei leerlaufenden Seitenarmen Schätzungen zufolge Zigtausende Jungfische und andere Flusslebewesen verendet.

Auf deutscher Seite kam jede Hilfe zu spät. Wie die luxemburgische Straßenbauverwaltung inzwischen eingeräumt hat, ist die zuständige Trierer Wasserbehörde gar nicht erst über die anstehende Pegelabsenkung informiert worden.

Das mehrere Hundert Meter lange renaturierte Hochwasserbecken lief komplett leer. Zahllose Fische verendeten. Auf luxemburgischer Seite hingegen hatten empörte Angler eine Hilfsaktion gestartet. Nach vielen Rückschlägen - ein Bagger versank im Matsch, Beamte stellten die Wasserpumpen ab, als sie Feierabend machten und ein provisorische Damm brach - gelang es den Helfern schließlich einen Teil der Fische in die Sauer schwimmen zu lassen.

Die restlichen werden - anders als vom luxemburgischen Wasserwirtschaftsamt ursprünglich geplant - nun mit Hilfe von Pumpen, die frisches Wasser zuführen, in dem verbliebenen Tümpel am Leben gehalten.

Unterdessen hat die politische Aufarbeitung des Fischsterbens begonnen. Am Mittwoch haben Vertreter des rheinland-pfälzischen Umweltinisteriums mit den zuständigen Luxemburger Ministerien und Behörden über die Ursachen und Konsequenzen gesprochen.

Das Umweltministerium fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: Nach ersten Erkenntnissen der Luxemburger sind in den beiden erst vor gut einem Jahr angelegten Seitenarmen keine besonders geschützten Arten verendet. Beide Seiten seien sich jedoch einig, dass eine "umfassende und objektive Schadensermittlung" erfolgen muss. "Es ist wichtig, dass das Ausmaß der Schäden zunächst einmal festgestellt wird, damit wir auf dieser Grundlage über nötige Maßnahmen entscheiden können", sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken.

Eine Maßnahme ist bereits beschlossene Sache: Um die Kommunikation zwischen den Luxemburger und den rheinland-pfälzischen Behörden zu verbessern, soll ein internationaler "Begleitausschuss" eingerichtet werden, in dem alle vorgesehenen Bauarbeiten am Wehr Rosport vorab besprochen und abgestimmt werden. Bauarbeiten, die ironischerweise vor allem den Sauerfischen dienen: Die Staustufe soll so verändert werden, dass sie für die Tiere künftig kein unüberwindbares Hindernis mehr ist.

Außerdem ist laut Höfken vorgesehen, die Kommunikationswege zu überprüfen und für die Zukunft verbindlich festzuschreiben. Sie begrüßte das Ergebnis des Gesprächs. Es sei Grundlage dafür, dass Ähnliches künftig verhindert werde.

Die Mitteilung der aus der Südeifel stammende Umweltministerin endet mit einem Dank an die ehrenamtlichen Helfer der Umwelt- und Anglerverbände. Denn ohne sie wären wohl auch auf luxemburgischer Seite zigtausende Fische verendet.

Die Aufarbeitung geht weiter: Das Luxemburger Innenministerium hat zu einem Gespräch mit deutschen und luxemburgischen Naturschutz- und Fischereiverbänden eingeladen, zu dem auch ein Vertreter von Höfkens Ministerium kommen wird.