| 19:03 Uhr

Karneval
Von Hard-Rockern, Wiesen-Hüpfern und Sternen-Kriegern

Den (interstellaren) Vogel des Abends schoss das Kordeler Männerballett mit seiner tänzerischen Umsetzung der Star-Wars-Saga ab und bekam so den Hölzernen Tanzschuh mit nach Hause.
Den (interstellaren) Vogel des Abends schoss das Kordeler Männerballett mit seiner tänzerischen Umsetzung der Star-Wars-Saga ab und bekam so den Hölzernen Tanzschuh mit nach Hause. FOTO: Dorothee Quaré
Trier-Zewen. Auf dem Zewener Festival wurde nicht mit männlichen Reizen gegeizt. Der Hölzerne Tanzschuh  geht ans Kordeler Männerballett. Von Dorothee Quaré

Wer auf schwingende Männerhüften, ausgefallene Kostüme mit schnellen Wechseln und einen guten Schuss Chippendales steht, der ist beim alljährlichen Festival der Männerballette in Zewen genau richtig. Zum 14. Mal wird dort der Hölzerne Tanzschuh verliehen; die beteiligten Herrschaften unterschiedlicher Altersgruppen und Konstitutionen sind mehr mit Spaß als mit Ehrgeiz bei der Sache, und das weibliche Johlen im Saal des Carnevalsvereins Zewener Baknaufen erreicht öfters die gefühlten Dezibel einer startenden Boeing.

Man kann nur erahnen, wie viel Training hinter einem solchen Männerballett-Auftritt steckt, der gut und gerne um die zehn Minuten dauern kann. Sieben Teams wetteifern um die begehrte Trophäe, zwei (Igel und Langsur) mussten krankheitsbedingt absagen. Doch auch so steht erst gegen Mitternacht der Sieger fest. Viel einfallen lassen haben sich alle beteiligten Männerballette. Nach der Eröffnung des Abends durch Partyalarm – drei Mitglieder bilden die Jury – beginnen die Eurener die Show mit „Hangover in Vegas“, vibrierende Körpermitten inklusive. Moderatorin MeMe Olive (wieder herrlich schräg und in bester Laune: „Drag Queen“ Oliver Michel) stürzt so auch den ganzen Abend von einer Verzückung in die nächste, und ihre Selfies mit den Balletten werden immer gewagter.

Außer Konkurrenz tritt traditionsgemäß das hauseigene Männerballett auf; die Zewener bieten wie immer eine hervorragende Show, diesmal als lila Haremsdamen (und Eunuchen?). Das vorwiegend weibliche Publikum, etwa so an die 800 Besucher, ist hingerissen. Auch der Ausmarsch des Balletts gerät zu einer Extrashow. Reichlich gruselig kommen die Zerfer dahergetappst – als blutüberströmte Zombies. Auch hier hat die Jury viel Lob für Synchronisation, Schrittwechsel und Hebungen. Aus Konz-Könen gibt es ein peppiges Queen-Medley; Kell entführt einfallsreich in die Welt der Musicals.

Eine der Überraschungen des Abends bieten die Ehranger Herrschaften – als Biene Maja, Flip und Co., nach und nach verstärkt durch diverse harte Kerle bis hin zu Glamour-Rockern. Hart und rockig geht es auch bei den amtierenden Tanzschuhinhabern aus Welschbillig zu, denn sie entführen ins Hard-ock-Café.

„Ein bisschen viel Gewalt“, meint die Jury, bestehend aus Markus Deutsch-Karb, Markus Deutsch und Elisa Konder (alle Mitglieder der Showtanzgruppe Partyalarm) zu den rivalisierenden Rockerbanden, was der Begeisterung des Publikums allerdings kaum einen Abbruch tut.Dieses Mal werden die Welschbilliger allerdings auf den dritten Platz verwiesen: Der zweite geht an Eh­rang und der erste – höchst verdient – an die sensationelle Star-Wars-Show des Kordeler Männerballetts. Mit großem Aufwand, tollen Kostümen und vielen herrlichen Ideen – bis hin zum Auftritt der Rot-, Gelb- und Blauhemden von Star Trek am Ende – haben diese die kultige SF-Saga als getanztes Sternenkriegermärchen umgesetzt.