Friedrich-Spee-Gymnasium lehrt den Umgang mit Computern in neuem Fach.

Bildung : Damit der Rechner mehr ist als ein Spielzeug

Das Trierer Friedrich-Spee-Gymnasium hat ein neues Unterrichtsfach eingerichtet. Schüler und Eltern nehmen es gut an.

Das Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier-Ehrang richtet seit der langen Schulschließung ab Mitte März ein besonderes Augenmerk auf den Umgang mit Computern und digitalen Arbeitsplattformen wie zum Beispiel Moodle. „Teilweise bereitet das Führen einer Maus bei den Kindern schon Probleme“, lautet die überraschende Erkenntnis von Tina Laux, Orientierungsstufen-Leiterin des Friedrich-Spee-Gymnasiums. „Deshalb ist es wichtig, ihnen alle Grundlagen zu vermitteln“, fügt Ronny Döring, Digitalkoordinator der Schule, an.

Die Schule führt nach acht Jahren zum Abitur (G8-Form), weshalb Schüler auch in den unteren Klassenstufen Nachmittagsunterricht haben. Dies führt zu Spielräumen, in denen zum Beispiel neue Fächer eingeführt werden können. So auch das Fach „Digitales Lernen“ in den fünften und sechsten Klassen, das den Schülern den Umgang mit Computern näherbringen soll und das spätere Schulleben durch Entfernen der „Hürde Computer“, wie Döring sie nennt, erleichtern soll.

Das Fach wird in der Unterstufe alle zwei Wochen zweistündig unterrichtet und daher sehr regelmäßig. Dies hilft, im Gegensatz zu anderen EDV-Kurs-Arten, das Gelernte zu behalten und immer wieder anwenden zu können.

Ein Anwendungsbeispiel ist die Plattform Moodle. Bei Moodle können Lehrer und Schüler in Klassengruppen miteinander chatten und Fragen stellen. Vor allem können Lehrer den Schülern Aufgaben stellen und von Schülern eingereichte Aufgaben einsehen. Diese können mit Kommentaren und Korrekturen versehen werden, die die Schüler dann wiederum einsehen können.

Eine besondere Technik, die im Unterricht verwendet wird: Bevor der Lehrer etwas sagt, müssen alle Schüler ihre Hände in die Luft strecken. „Die Schüler sind oft so vertieft in ihre Arbeit, dass sie nicht mitbekommen, dass etwas gesagt wird. Diese Technik soll dabei helfen“, berichtet Tina Laux.

Ben und Eemiele (10) sind Schüler am FSG. Sie finden das Fach gut: „Es macht Spaß und bereitet uns ja auch für später vor“, erklären sie. Auch die zehnjährigen Isabella und Lilli sind begeistert: „Wir kennen uns nicht so gut mit Computern aus. Aber für manche Berufe ist es ja wichtig, so etwas zu können. Und wenn es einen Corona-Fall gibt, ist das eine gute Alternative zum gewohnten Unterricht.“

Aber auch von den Eltern gibt es positive Rückmeldungen: „Sie sind erleichtert, dass die Kinder den Umgang mit Moodle lernen und so auch während Corona weiter mit Lehrern interagieren können“, berichtet Laux.

Döring erläutert die Strategie, an die sich in dem Fach gelehnt wird: „Wichtig ist zum Beispiel die Anmeldung. Die Schüler lernen dabei vor allem Strategien für Passwörter. Aber auch auf die Sicherheit im Netz wird großes Augenmerk gelegt, nachdem die Grundkenntnisse vorhanden sind.“

Für das Fach brauchen die Lehrer keine besonderen Fortbildungen, da wirklich nur Grundkenntnisse nötig sind: „Die Lehrer wurden einfach gefragt, wer sich imstande fühle, das Fach zu unterrichten“, erklärt Schulleiter Andreas Gehendges.

Nach der sechsten Klasse sind die Lehrer angehalten, immer wieder digitale Unterrichtsformen wie Powerpoint-Präsentationen in den Unterricht einfließen zu lassen.

Wichtige Voraussetzungen für das Fach sind Computer, ein Schulnetzwerk sowie Lehrer, die das Fach unterrichten können und wollen. Vor allem ist aber die Zeit ein wichtiger Faktor. Denn nicht jede Schule kann es sich leisten, alle zwei Wochen zwei Stunden für das Fach neben den normalen Schulfächern zu unterrichten.

(v.l.) Elisa und Mia bei der Arbeit an ihren Steckbriefen im Fach Digitales Lernen. Foto: TV/Florian Jüngling
(v.l.)Eemiele und Ben bei der Arbeit an ihren Steckbriefen im Fach Digitales Lernen. Foto: TV/Florian Jüngling

Das Friedrich-Spee-Gymnasium gilt als Vorreiter in diesem Gebiet, der Schulleitung selbst ist nur ein weiteres ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen bekannt. Das bedeutet aber, dass Lehrpläne und Unterrichtsinhalte selbst geschrieben werden müssen. Dabei lernt man aus der Erfahrung, sagt Tina Laux: „Wir hatten zu Beginn für die Einführungsstunden vier Wochen angesetzt, mussten aber schnell feststellen, dass die Schüler teilweise keinerlei Erfahrung in dem Gebiet hatten. Mittlerweile wurde der Einführungsteil auf sechs Wochen erweitert.“