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Früchte frisch vom Feld

Stammkunde im Feld: Ali Baltes weiß Gutsbesitzer Schmidts Angebot zu schätzen.Foto: Marcus Stölb
Stammkunde im Feld: Ali Baltes weiß Gutsbesitzer Schmidts Angebot zu schätzen.Foto: Marcus Stölb
TRIER. Sie werben mit der "Frische vom Feld" und bauen auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden: Gutsbesitzer Nikolaus Schmidt vom Mariahof und Landwirt Hans-Josef Greif aus Zewen-Oberkirch. Während der eine Blumen zum Selbstschneiden anbietet, lockt der andere mit Erdbeeren zum Selberpflücken. ARRAY(0x17cfd8de0)

Die Mischung macht's: Narzissen im März, im April dann Tulpen und Iris, gefolgt von Lilien und im Spätsommer Sonnenblumen, die neben Tausenden Gladiolen blühen. Nikolaus Schmidts Blumenmeer hat es in sich. So verlockend ist die Farbenpracht, dass sie Menschen aus allen Teilen der Stadt auf den Mariahof lockt. Doch es sind nicht allein die blühenden Landschaften, die so anziehend wirken, sondern auch Gutsbesitzer Schmidts besonderes Angebot: Blumen "frisch vom Feld" wirbt der für seine Flora zum Selbstschneid-Preis; zu erwerben rund um die Uhr, denn das Feld kennt keine Ladenöffnungszeiten.Kindergärten dürfen gratis ernten

Seit zwei Jahren praktiziert Schmidt eine Geschäftsidee, die ihren Ursprung in der Schweiz hat. Auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern wachsen Blumen unterschiedlichster Sorten. Wer will, kann sich selbst bedienen. Doch geschenkt wird nichts, wie Preisschilder am Feldrand verkünden: so liegt der Kaufpreis für eine Gladiole aktuell bei 60 Cent, Sonnenblumen gibt es für 80 Cent das Stück. Bezahlt wird an einer einbruchsicheren Kasse, die an einem kleinen Häuschen befestigt ist. Eine Kassenkraft wird man dort jedoch vergebens suchen, denn Schmidt vertraut darauf, dass seine oft anonymen Kunden die frischen Schnittblumen auch wirklich bezahlen. Ansonsten würde sich das Ganze auch kaum rechnen, begründet er. "Die große Mehrzahl der Leute ist ehrlich", berichtet er, und dass "vor allem die Endverbraucher" anstandslos zahlten. Problematischer seien hingegen einige Wiederverkäufer, die sich auf dem Feld massenhaft mit Blumen eindeckten, um dann nur einen Teil davon zu bezahlen, sagt Schmidt. Auf der anderen Moselseite, im Zewener Ortsteil Oberkirch, bietet Bauer Hans-Josef Greif seit rund zehn Jahren Erdbeeren zum Selberpflücken an. Zwar müssen die roten Früchtchen nach der Ernte abgewogen und bezahlt werden, doch einige Zeitgenossen machen sich auch schon mal früher vom Acker. "Das sind dann meistens die Leute, die es am wenigsten nötig haben", ärgert sich Greif über skrupellose Kundschaft um dann hinzuzufügen: "99 Prozent meiner Kunden sind aber ehrlich."Bücken und Pflücken machen sich bezahlt

Während der rund vierwöchigen Ernte im Juni/Juli darf täglich zwischen 8 und 19 Uhr auf dem rund drei Hektar großen Feld gepflückt werden. Während dieser Zeit hat Greif einen Mitarbeiter abgestellt, der abwiegt und kassiert. "Meistens liegen die Preise etwa bei der Hälfte dessen, was ich an meinem Stand an der Straße verlange", so Greif. Will heißen: Das Bücken und Pflücken macht sich bezahlt. Der Bauer wirbt mit einer Qualität und Sorten, "die es so im Handel gar nicht gibt". In diesem Jahr habe er Korona-Erdbeeren angeboten, aber "ich teste immer wieder neue Sorten". Der Landwirt will an seinem Angebot festhalten, wenn er sich auch des öfteren über Diebstahl aufregt. "Ich krieg' die", sagt Greif dann und berichtet von Verfolgungsjagden durch halb Zewen. Dabei kann man dem Landwirt aus Oberkirch nun wirklich nicht unterstellen, ein Cent-Fuchser zu sein. Im Gegenteil: Kindergartenkinder pflücken bei ihm gratis so viel sie wollen. Einzige Voraussetzung: Sie kommen in Gruppen und sind angemeldet. Für lau pflücken - Greif hat keine Probleme damit: "Mir sind die Kinder auf jeden Fall lieber als irgendwelche alten Rentner, die viel Geld haben und dann mit einem Eimer voll unbezahlter Erdbeeren abhauen."