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Goodbye Deponia

FOTO: Daedalic Entertainment
Alles hat ein Ende – schade nur, dass das auch bei der "Deponia"-Reihe der Fall ist. Denn das fantastische Adventure ist Spielspaß auf hohem Niveau. Warum auch der Abschluss vollends überzeugt, erfahrt ihr im Test. KiF, Matthias Probst

Mit "Goodbye Deponia" vollendet das Team der Hamburger Spiele-Schmiede Daedalic die Trilogie um den chaotischen (Un)Sympathen Rufus und dessen abenteuerlichen Plan, zusammen mit Freundin Goal dem Müllplaneten zu entfliehen und nach Elysium - der verheißungsvollen Wolkenstadt - überzusiedeln. Wie nicht anders zu erwarten, zieht Rufus auch im dritten und letzten Teil in gewohnt egozentrischer Manier alle Register bei der Erreichung seiner Ziele, wobei natürlich kein Auge trocken bleibt. Und um so viel vorweg zu nehmen: Mit der Vollendung der Deponia-Reihe gelingt Daedalic Entertainment nichts Geringeres als die Kreation einer weiteren kultverdächtigen Trilogie, die sich neben Klassikern wie "Monkey Island" und "Simon the Sorcerer" ihren Platz im Kopfnuss-Olymp wahrlich verdient hat.


Weitläufige Story und komplexe Handlungsstränge


Inhaltlich knüpft der nunmehr letzte Teil direkt an die Vorgänger an und steht diesen hinsichtlich verrückter sowie anspruchsvoller Rätsel, skurriler Protagonisten, verworrenen Handlungsstränge und einem derbem Humor in nichts nach. Um die Gesamtheit der Geschichte um den Müllplaneten, dessen viele absonderlichen Bewohner und die finstere Bedrohung durch den Organon auch nur annähernd zu verstehen, sei jedem interessierten Adventure-Fan an dieser Stelle dringend angeraten, zuerst die beiden vorangegangenen Titel zu spielen. Denn in "Goodbye Deponia" werden die zuvor entwickelten Handlungsstränge in konsequent absurder Weise weitergesponnen und zu einem Paradestück brillanter Unterhaltung verwoben.

Und so befindet sich der tollpatschige Antiheld mit seinen Freunden Doc und Bozo zu Beginn des Abenteuers nach wie vor auf dem Müllplaneten Deponia, von dem er so dringend zu entkommen versucht. Als äußerst hinderlich entpuppen sich bei diesem Vorhaben jedoch die Ambitionen seines Widersachers Cletus und die finsteren Pläne des Organon, welcher Deponia mitsamt seiner illustren Bewohner sprengen will. Um dies zu vereiteln und endlich an die lang ersehnten Aufstiegscodes nach Elysium zu gelangen, schreckt Rufus einmal mehr vor keiner "Heldentat" zurück. Mehr kann an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden, ohne zu viele der spannenden und verrückten Wendungen und Entwicklungen vorweg zu nehmen.

Klassischer Point-and-Click-Spaß mit deftigen Rätseln

Wie bereits in den vorangegangenen Teilen präsentiert sich auch "Goodbye Deponia" als klassisches Point-and-Click-Adventure, welches - ganz im Zeichen der alten Schule - komplett mit der Maus spielbar ist. Die Settings, Figuren und Zwischensequenzen sind mit der gewohnten Liebe zum Detail gestaltet und werden durch jeweils passende Hintergrundmusik auch akustisch ansprechend untermalt. Selbstverständlich kommen auch die obligatorischen und im Singer-Songwriter-Stil vorgetragenen Erzähleinlagen nicht zu kurz, die zwischen den einzelnen Kapiteln vermitteln und zur typischen Deponia-Atmosphäre beitragen. Auch grafisch hat sich das Team von Daedalic noch einmal richtig ins Zeug gelegt und überzeugt mit einer wunderschönen, im Comic-Look illustrierten Spielwelt und detailreichen Szenerien. Und so erkundet der Spieler im Verlauf der Geschichte bekannte Schauplätze und vollkommen neue, oftmals weitläufige Gebiete und trifft dabei auf viele neue und alte Bekannte. Dabei strotzt "Goodbye Deponia" geradezu vor innovativen und verrückten Rätselelementen, die Fans der Reihe bereits bei den Vorgängern schätzen lernten. Neben Inventar- und Interaktionsrätseln bekannter Machart müssen regelmäßig Minispiele gemeistert werden (die sich bei zu großem Frust jedoch auch stets überspringen lassen). Das Niveau der zu lösenden Aufgaben bleibt dabei auf einem angenehmen, jedoch anspruchsvollen und herausfordernden Niveau, was nicht zuletzt auch dem logischen Aufbau der Lösungswege und der praktischen Hotspot-Anzeige geschuldet ist. Dennoch müssen die Spieler an vielen Stellen um die Ecke denken, um die Rätsel zu knacken, denn eine zentrale Herausforderung besteht mitunter darin, die insgesamt drei (!) Handlungsstränge entsprechend zu berücksichtigen und logisch zusammenzuführen.

Chaos³

Denn als ob ein unberechenbarer Querulant nicht genug Chaos anrichten würde, schlüpft der Spieler in die Rolle von gleich drei "Rufussen", die als Ergebnis eines Klonexperiments für mächtig Wirbel sorgen. Die verschiedenen Ausgaben von Rufus können beziehungsweise müssen - obwohl räumlich voneinander getrennt - zusammenarbeiten, indem sie beispielsweise Gegenstände untereinander tauschen. Die parallel laufenden Handlungsstränge erhöhen einerseits nochmal das Niveau der Rätsel auf eine angenehme Weise, andererseits sorgen sie für ein gehöriges Maß Chaos in der Gesamthandlung, was dem per se verrückten Adventure natürlich bestens zu Gesicht steht. Aber nicht nur der innovative Handlungsverlauf sorgt für eine Menge Spielspaß, auch die vielen amüsanten Szenen und Ideen, die entlang des Hauptplots eingebaut wurden, legen Zeugnis über die großartige Kreativität und das viele Herzblut ab, welches in diesem Titel steckt. Und so findet sich der Spieler plötzlich in einer Sitcom-Szene wieder, genießt amüsante Seitenhiebe auf die Adventure-Konkurrenz von "Geheimakte Tunguska" oder trifft in der verrückten Spielwelt auf musikalische Prominenz: So stellt der Auftritt von Smudo von den Fantastischen Vier, der in "Goodbye Deponia" den rappenden Superstar Cowboy Dodo mimt, zweifelsfrei ein ganz besonderes Highlight dar.

Fazit

Mit "Goodbye Deponia" ist Daedalic eine mehr als würdige Vollendung ihrer Müllplaneten-Saga gelungen, welche einerseits auf die konsequente Weiterführung des Handlungsstrangs und vertraute Gameplay-Elemente setzt, andererseits jedoch auch mit vielen amüsanten und innovativen Ideen aufwartet. Was für Genreanhänger und Fans der Reihe ohnehin zum Pflichtprogramm gehören sollte, bietet auch genügend Potenzial, um auch Adventure-Neulinge zu begeistern. Aufgrund des relativ komplexen Handlungsverlaufes sollten jedoch in jedem Fall auch die anderen Teile gespielt werden.

Genre: Point-and-Click-Adventure
Für: PC // Entwickler/Publisher: Daedalic Entertainment
Spieler: 1 // Online: nein // USK: ab 6 Jahren
Internet: http://deponia.de/