Grid Autosport

Aus Fehlern lernt man: Codemasters schickt euch erneut auf die Strecke – dieses Mal geben die Entwickler jedoch Vollgas. Ob sich der Titel für Hobbyrennfahrer lohnt, erfahrt ihr im Test.

Denken wir kurz zurück: Ein Jahr ist es etwa her, dass Codemasters "Grid 2" auf den Markt brachte - und das, nachdem der erste Teil 2008 erschien. Nun folgt schon gleich der nächste Teil? Nicht ganz. Denn "Grid Autosport" ist keine Fortsetzung, sondern - sagen wir - ein Spin-Off der Reihe. Im Großen und Ganzen kommt es mir wie eine sehr umfangreich aufgetunte Version von "Grid 2" vor - frei nach dem Motto: "Raus mit dem Schrott! Her mit den neuen Versatzstücken."

Ein Blick zurück

Bitte hier nicht falsch verstehen: "Grid 2" war und ist ein klasse Rennspiel. Allerdings wagten sich die Macher auf ungewöhnliches Terrain, setzten Straßenrennen in den Mittelpunkt und bezogen die sozialen Medien mit in den Kampagnen-Modus - ja, ihr musstet Fans sammeln, um in der Karriere weiterzukommen. Das passte anscheinend vielen Fans nicht so recht und hob das Spiel nicht deutlich genug von der Konkurrenz ab. Einen weiteren Kritikpunkt sahen viele Rennsportler darin, dass die Entwickler doch tatsächlich darauf verzichteten, eine Cockpitansicht zu integrieren. Was sich auf den ersten Blick lächerlich anhört - für mich zumindest - schlug dennoch große Wellen in einigen Foren. Nun hat Codemasters sich alle Beschwerden angeschaut und liefert dieses Spiel ab - seht es einfach als gewaltigen Fanservice an.

Die neue Generation

Denn "Grid Autosport" hat genau an den erwähnten Stellen nachgebessert beziehungsweise komplett umgebaut: Die Straßenrennen sind zwar immer noch Bestandteil der Kampagne, treten aber deutlich in den Hintergrund, weil sie nur eine von fünf Disziplinen sind. Die anderen vier Kategorien lauten Touring, Endurance (Ausdauerrennen), Open Wheel und Tuning. Für Abwechslung ist also gesorgt. Während der Karriere könnt ihr später munter zwischen den verschiedenen Kategorien wechseln - was zwar die lose vorhandene Story hinfällig macht, dafür aber das Geschehen auf der Strecke hervorhebt. Und das ist es doch, was bei einem Rennspiel zählt. Wer braucht dabei schon eine Geschichte?

Wer "Grid 2" kennt, wird sich direkt im virtuellen Wagen wohl fühlen - und dennoch leichte Unterschiede merken. Denn das Fahrverhalten wurde leicht verbessert und wirkt eher eine Ecke realistischer als noch im "Vorgänger". Aber keine Sorge: Ihr könnt die Fahrhilfen jederzeit ein- und ausschalten, was Experten und Neulingen gleichermaßen in die Karten spielt. Trotzdem bekommt ihr auf den Rennstrecken nichts geschenkt: Die computergesteuerten Mitstreiter sind nämlich alles andere als schmuckloses Beiwerk. Dadurch wird jedes Überholmanöver zum kleinen Erfolg - das macht Laune.

Um euch weiter in der Karriere nach vorne zu arbeiten, müsst ihr eben verschiedene Rennen gewinnen und auf die Suche nach neuen Sponsoren gehen - wie gesagt: Auf eine Story und auf die Einbindung der sozialen Medien hat Codemasters dieses Mal verzichtet. Hier kann jeder selbst entscheiden, was ihm lieber ist. Puristen wird diese Kürzung sicherlich freuen. Dafür wurde in Punkto Streckenauswahl deutlich nachgebessert: Insgesamt werdet ihr 22 Pisten finden, die es in dutzenden Ausführungen gibt. Bis ihr hier alles gesehen habt, kann schon ein Weilchen vergehen …

Voller Durchblick

Und dann gibt es da noch was - Trommelwirbel: Ja, die Macher haben doch tatsächlich eine Cockpitsicht integriert. Mir persönlich wäre das zwar kaum aufgefallen, weil ich eh immer aus einer anderen Ansicht spiele, aber etliche Fans können nun getrost aufatmen. Wirklich schön ist die Ansicht vielleicht nicht, weil sie nicht das authentische Innenleben des Wagens wiedergibt, aber dafür ist sie mehr als funktionell und richtet den Blick auf das Treiben auf der Strecke. Vielen Dank an Codemasters, dass sie das möglich gemacht haben.

Online ist derweil alles beim Alten geblieben: Codemasters' RaceNet bietet etliche Möglichkeiten, um euch mit Freunden auf den Strecken dieser Welt zu messen. Natürlich ist auch wieder der Destruction Derby Modus mit an Bord - es geht doch nichts über eine entspannte Runde Autos zu Klumpen zu fahren.

Fazit

Kurz gesagt: "Grid Autosport" ist wirklich kein richtig neuer Teil der Serie - dafür aber ein sehr sehr sehr umfangreiches Update in Form eines eigenständigen Spiels. Codemasters packt hier all seine Erfahrung im Genre rein und verbessert das Spiel an allen Ecken und Enden. Ja, es ist das deutlich bessere "Grid 2". Ob es nun wirklich nötig war, dieses Spiel auf den Markt zu bringen, ist eine ganz andere Frage. Rennsportfans sollten dies jedoch dankend annehmen: Mehr könnt ihr für euer Geld echt nicht erwarten. Wer bereits "Grid 2" besitzt, darf vielleicht noch ein oder zwei Mal überlegen, bevor er hier zuschlägt. Viel falsch machen könnt ihr allerdings nicht. Dennoch freue ich mich schon auf den nächsten Ableger der Serie, der hoffentlich eine echte Fortsetzung ist.

Genre: Motorsport, Simulation
Für: PS3, Xbox 360, PC // Entwickler/Publisher: Codemasters
Spieler: 1-2 // Online: ja // USK: ohne Altersbeschränkung
Internet: http://www.codemasters.com/uk/gridautosport/360/