Grimm'sche Wortgewitter: Herz

Jeder kennt sie, die Brüder Grimm - Jacob und Wilhelm, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene Märchensammlung zusammentrugen, die Rotkäppchen, Aschenputtel und den gestiefelten Kater zu Superstars machte.

Doch die Brüder sammelten nicht nur Märchen. Die Leidenschaft dieser großen Gelehrten, die zu den Gründervätern der wissenschaftlichen Disziplin ,Germanistik' zählen, war die deutsche Sprache. Sie umfassend zu dokumentieren, zu beschreiben und zu analysieren, war ihr anspruchvolles Ziel. Neben Jacob Grimms Standardwerk der ,Deutschen Grammatik' begannen sie auch damit, ein umfassendes Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen. Es sollte das Deutsche Wörterbuch werden, der Grimm. Wilhelm allerdings blieb es nur mehr vergönnt, den Buchstaben D abzuhandeln, während Jacob immerhin A, B, C und Teile des F bearbeitet hatte, als er 1863 über dem Artikel "Frucht" im vierten Band verstarb. Erst hundert Jahre später, 1960, waren schließlich die 16 Bände fertig gestellt, die mehr als 320 000 Wörter und Wortbedeutungen anhand von Belegzitaten aus hunderten literarischer und alltagssprachlicher Quellen erläutern. Seitdem gehört das Grimm'sche Wörterbuch zu den Standardwerken der deutschen Sprache. An der Universität Trier wurde zu Beginn des digitalen Zeitalters ein neues Kapitel der Erfolgsgeschichte dieses Wörterbuchs aufgeschlagen. Im Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften bereiteten EDV-Philologen das Deutsche Wörterbuch elektronisch auf. Seit 2004 steht der "Digitale Grimm" als CD-ROM und sogar kostenfrei für jedermann im Internet zur Verfügung ( www.dwb.uni-trier.de). Die elektronische Version des Wörterbuchs lädt mit zahlreichen Suchmöglichkeiten Wissenschaftler wie interessierte Laien zum Informieren, Stöbern und Schmökern ein. Denn, wie Professorin Claudine Moulin, Leiterin des Kompetenzzentrums, erklärt, richtet sich die elektronische Erschließung zentraler Güter der Sprach- und Kulturgeschichte gleichermaßen an Wissenschaft und Öffentlichkeit. In dem neuen Kapitel der Reihe TV-geistesblitze geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kompetenzzentrums daher mit den "Grimm'schen Wortgewittern" anhand ausgewählter Beispiele einen inspirierenden Einblick in die Fülle und Vielfalt der deutschen Sprache, in die Kreativität und Möglichkeiten nicht nur der Dichter, sondern aller Sprecher.

Mit den Grimm'schen Wortgewittern wird die Reihe "TV-geistesblitze" fortgesetzt, in der seit Jahresbeginn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Trier Besonderheiten der deutschen Sprache erklären. Den Wortgewittern gingen Beiträge zu Sprichwörtern und Redewendungen sowie zu dialektalen Schimpfwörtern voraus. Alle Beiträge sind online verfügbar unter: www.geistesblitze.uni-trier.de TV-Leser können die "Grimm'schen Wortgewitter" erneut mit gestalten.

Interessiert Sie das Wortfeld eines bestimmten Stichworts besonders? Möchten Sie wissen, welch vielfältige Verwendungen etwa zum Begriff "Buch" oder "Kirche" belegt sind?

Dann senden Sie Ihren Vorschlag per E-Mail an geistesblitze@volksfreund.de oder per Postkarte an Trierischer Volksfreund, "Geistesblitze", Hanns-Martin-Schleyer-Str. 8, 54294 Trier

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