Hintergrund: Meningokokken/Meningitis

Hintergrund: Meningokokken/Meningitis

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen auslösen können. Meningokokken der Gruppe C sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Zwölf Prozent der Erkrankten sterben, bei 20 Prozent kommt es zu Folgeschäden wie Taubheit. Gegen Infektionen mit Meningokokken der Gruppe C gibt es einen wirksamen und gut verträglichen Schutz - die Impfung.

Wer ist gefährdet?

Babys, Kinder und Jugendliche sind besonders von diesen Infektionen betroffen. Die Erkrankungen können jedoch jeden, jederzeit und überall aus plötzlicher Gesundheit heraus treffen. Etliche Menschen tragen diese Bakterien im Nasen-Rachen-Raum und können andere Menschen unbemerkt anstecken, ohne selbst daran zu erkranken.

Impfung

Einen Langzeitschutz vor Meningokokken der Gruppe C bietet der moderne Konjugat-Impfstoff. Auch Kleinkinder (Kinder ab zwei Monaten bis zu zwölf Monaten) können durch zwei Impfungen im Abstand von zwei Monaten bereits geschützt werden. Eine Auffrischung wird empfohlen.

Ursachen

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Meningitis führen können. Die häufigste Ursache ist eine Infektion durch Viren oder Bakterien. Daneben gibt es noch andere, seltenere Ursachen wie Krebs- und Autoimmunerkrankungen. Bei der infektiösen Meningitis kommt es - in den meisten Fällen ausgehend von einem Herd im Nasen-Rachen-Raum - zu einer Aussaat der Erreger über das Blut. Im Rahmen dieser Erregeraussaat kann die Infektion an verschiedenen Organen Entzündungen hervorrufen, so auch an den Hirnhäuten.

Virale Menigitis

Die virusbedingte Meningitis ist verhältnismäßig häufig und kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden. Die wichtigsten Vertreter sind dabei verschiedene Flaviviren, die vor allem für die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verantwortlich sind, sowie die Erreger von Virusgrippe oder Pfeifferschem Drüsenfieber. Die virale Meningitis nimmt in der Regel keinen schweren Verlauf; Todesfälle sind seltener als bei der bakteriellen Meningitis. Dennoch sollte besonders die FSME ernst genommen werden. Gegen die FSME gibt es heutzutage jedoch eine wirksame und gut verträgliche Schutzimpfung.

Bakterielle Meningitis

Die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis sind Neisseria meningitides (Meningokokken), Streptokokkus pneumoniae (Pneumokokken) und Haemophilus influenzae. Sie verursachen in der Mehrzahl der Fälle eine unkomplizierte, harmlose Entzündung der oberen Luftwege. Vor allem bei anfälligen Personen, bei Immunschwäche, bei alten Menschen oder bei Säuglingen und Kindern besteht jedoch die Gefahr einer Ausbreitung im Körper mit teilweise lebensgefährlichen Folgen.

Verlauf der Krankheit

Die bakterielle Meningitis weist einen Ablauf mit drei Stadien auf:

Inkubationsstadium: Anfangsstadium in dem sich der Erreger im Bereich seiner Eintrittspforte in den regionalen Lymphknoten vermehrt. Dieses Stadium ist in der Regel symptomfrei. Stadium der Generalisation: Dieses zweite Stadium wird auch Prodromalstadium - Vorläuferstadium - genannt. Während der Erreger den Organismus überschwemmt, kommt es zu ersten unspezifischen Symptomen wie Leistungsabfall, Müdigkeit, Fieber. Stadium des Organbefalls: Im dritten Stadium befällt der Erreger die Organe und verursacht dort die typischen Leitsymptome. Im Rahmen der Erkrankung kommt es bei intaktem Immunsystem zur Bildung von Antikörpern. Diese können sowohl die ausgebrochene Erkrankung überwinden als auch die Ausbildung einer Meningitis verhindern.

Meningokokken-Erkrankungen, ein ungelöstes Problem!

Während die meisten anderen Erreger durch Impfempfehlungen und -programme in weiten Teilen Europas erfolgreich zurückgedrängt wurden, sind die Meningokokken vielerorts noch immer ein Problem. Bestimmte Gruppen der Meningokokken sind anteilsmäßig sogar auf dem Vormarsch, obwohl eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung steht. Die Einführung spezifischer Programme zur Bekämpfung dieser Erkrankung könnte vielen der vorwiegend jungen Patienten ihr Leid ersparen.

Diese Informationsseite konzentriert sich aus diesem Grund in erster Linie auf Meningokokken-Erkrankungen, um möglichst viele Menschen auf die Gefahr aufmerksam zu machen und auf die Möglichkeit einer effektiven Vorsorge durch eine gut verträgliche Schutzimpfung hinzuweisen.

Gerade bei Notfällen wie die Meningokokken-Sepsis (Blutvergiftung durch Meningokokken) ist eine schnelle Diagnose lebensrettend. Vorbeugen können Sie durch eine einmalige, gut verträgliche Impfung! Sogar die Kleinsten (Kinder ab 2 Monaten bis zu 12 Monaten) können durch 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten bereits geschützt werden (Auffrischung empfohlen).

Übertragungswege

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Übliche Übertragungswege sind Husten und Niesen, das gemeinsame Benutzen von Gläsern oder aber auch Küsse. Eine Übertragung passiert bevorzugt dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen: In öffentlichen Verkehrsmitteln, am Arbeitsplatz oder in Geschäften, aber auch bei Diskotheken-, Party- oder Kinobesuchen.Besonders tückisch ist dabei die Tatsache, dass manche Menschen die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum tragen, ohne selbst zu erkranken. Trotzdem sind sie eine Infektionsquelle für andere, bei denen die Keime möglicherweise durch die Schleimhäute in den Körper eindringen und die gefährlichen Meningokokken-Erkrankungen auslösen können. Besonders leicht passiert diese so genannte "Invasion" der Keime bei vorgeschädigten Schleimhäuten, wie sie z.B. bei Rauchern, Passivrauchern, Allergikern oder bei Menschen mit Erkältungskrankheiten anzutreffen sind.

Die Impfung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Meningokokken: Sie schützt den Geimpften nicht nur vor Meningokokken-Erkrankungen, sondern verhindert auch, dass er als unbemerkter Träger den Erreger an andere Menschen weitergibt.

Symptome

Den Meningokokken-Erkrankungen können unspezifische, grippeähnliche Symptome vorangehen. Der eigentliche Beginn der Meningokokken-Meningitis ist meist durch hohes Fieber und zunehmende, fast unerträgliche Kopfschmerzen gekennzeichnet. Eine ausgeprägte Nackensteifigkeit tritt im späteren Stadium auf, auch zahlreiche kleinere blaue Flecken durch Einblutungen aus den Kapillargefäßen als Ausdruck einer Meningokokken-Blutvergiftung (Sepsis) sind häufig zu beobachten. Insgesamt zeigen etwa 75 Prozent aller Patienten mit Meningokokken-Infektionen verschiedene Hautveränderungen wie dunkle Knötchen, Exantheme oder Einblutungen. Es kommt weiterhin zu einer ausgeprägten Unruhe bis hin zur Bettflucht. Häufig wird die Umgebung nicht erkannt. Die Patienten sind benommen, erbrechen und werden bewusstlos. Außerdem können Krampfanfälle auftreten.(dj)

Typischer Ausschlag bei einer Meningokokken-Sepsis

Sobald die rasche Vermehrung der infektionsaus-lösenden Bakterien im Blut begonnen hat, besteht bei den Betroffenen das Risiko einer Blutvergiftung, medizinisch Sepsis genannt. Dabei kommt es, wie der Name schon sagt, zu einer Vergiftung des Blutes durch die Toxine und Abfallstoffe der sich rapide vermehrenden Bakterien. Die Sepsis ist in der Regel lebensbedrohlicher als die Meningitis selbst, da die Bakterientoxine in der Blutbahn Gewebe und Organe im Körper schädigen und schlimmstenfalls in den septischen Schock führen können. Beim Schock kommt es zu einem akut einsetzenden generalisierten Kreislaufversagen, welches zu einer zunehmenden Schädigung von Geweben und Organen durch die Minderdurchblutung und -versorgung führt. Bei Fortbestehen der peripheren Minderdurchblutung kann es zum Versiegen des Blutflusses und zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) kommen. Im späten Stadium des Schocks kommt es zur Schädigung der Organe und schlimmstenfalls zum Organversagen. Der septische Schock ist auch bei sofortiger intensivmedizinischer Behandlung mit einer hohen Letalität behaftet.

Davon abweichend sind die Symptome bei Säuglingen und bei älteren Menschen. Säuglinge und Kleinkinder sind meist "trinkfaul", schläfrig und apathisch. Sie erscheinen "schlecht gelaunt". Dabei sind die Symptome meist wenig ausgeprägt. Bei älteren Menschen besteht die Gefahr, eine Meningitis als Schlaganfall oder einen fieberhaften Verwirrtheitszustand zu missdeuten. Aufgrund der verschiedenen Symptome der einzelnen Patientengruppen werden diese hier einzeln behandelt.

Die Meningokokken-Infektion verläuft meist asymptomatisch. Schwere Verläufe wie Meningitis und Sepsis sind jedoch immer Notfälle, die eine sofortige Behandlung erfordern. Wenige Stunden können über das Schicksal des Kranken entscheiden. Informieren Sie sich über die wirksame Schutzimpfung!

Aufgrund z.T. steigender Erkrankungszahlen und teils dramatischer Verläufe haben die Regierungen in einigen Ländern für Massenimpfprogramme gesorgt. Trotzdem sie im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten relativ selten ist, stellt die Meningokokken-Meningitis in einigen Ländern immer noch die Hauptursache für die infektionsbedingte Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren dar.

Prophylaxe

Als Prophylaxe bezeichnet man im Zusammenhang mit Meningokokken-Infektionen die Behandlung von engen Kontaktpersonen eines Patienten mit bestätigter Erkrankung, wobei hier Antibiotika eingesetzt werden. Diese prophylaktische Antibiotikabehandlung soll eine mögliche weitere Ausbreitung der Infektion verhindern.