Hommage an die Geschichte

TRIER. Der Frankenturm hält nach Jahrhunderten der Nicht-Beachtung Einzug in die bildende Kunst. Neben den Malern der Künstlergruppe p.arte hat auch die junge Künstlerin Anja Streese aus Kenn den Mittelalter-Turm als Motiv entdeckt. Als Siebdruck in limitierter Auflage zeigt sie einen fotografisch festgehaltenen Blick in die Dietrichstraße von 1940, grafisch aufbereitet in Kombination mit Textpassagen.

 Persönliche Hommage an den Frankenturm: Die historische Fotografie von 1940 hat Anja Streese in ihren Siebdruck adaptiert und mit Textauszügen kombiniert. Foto: Cordula Fischer

Persönliche Hommage an den Frankenturm: Die historische Fotografie von 1940 hat Anja Streese in ihren Siebdruck adaptiert und mit Textauszügen kombiniert. Foto: Cordula Fischer

Die einzigartige Form im Straßenbild, die Geradlinigkeit des Baus, die Wirkung des mittelalterlichen Kolosses in der Dietrichstraße haben Anja Streese fasziniert. Doch zunächst "ist mir der Frankenturm nie so ins Auge gefallen und hat mich als Motiv nicht interessiert". Wie der 36-Jährigen ging es vielen Künstlern und Kupferstechern, die sich eher den römischen Prachtbauten widmeten, als das vernachlässigte Relikt aus dem Mittelalter zu beachten. Doch einmal entdeckt, bietet die gemauerte Trutzburg viel die Kreativität Anregendes.So auch bei Anja Streese. Über die Aktion Frankenturm hatte sie im Trierischen Volksfreund gelesen, der Kontakt zu den Initiatoren und den p.arte-Künstlern wurde über die Galerie Kaschenbach (Fleischstraße) vermittelt, in der alle Frankenturmbilder noch einige Monate ausgestellt und käuflich zu erwerben sein werden.

Streese ist auf Spurensuche gegangen, hat sich mit dem Gebäude beschäftigt, stöberte in der Stadtbibliothek in alten Büchern. So habe sie die "Inspiration gefunden, etwas daraus zu machen".

Entstanden ist eine Siebdruck-Edition in den vier Farben grau und sandbraun - eher konservativ - sowie weinrot und blau-violett, für die, die es poppig-bunt lieben. Als eine moderne und ganz persönliche Hommage an das Gebäude und an die Stadt begreift Streese ihre Frankenturm-Drucke in auf 250 Exemplare limitierter Auflage. Ein Teil des Verkaufspreises von 75 Euro je Druck fließt auf das Spendkonto der Aktion Frankenturm.

Diese Liebeserklärung an "Trier aus meiner Sicht" plant die Künstlerin in einer Serie von Trier-Motiven im nächsten Jahr noch deutlicher zu formulieren. Die Baudenkmäler und Geschichte der Stadt anders, mit ihren Augen zu zeigen, und junge Leute auf neue Weise durch künstlerische Mittel für die Historie und die Heimat zu begeistern, spielen für Streese dabei eine ebensolche Rolle wie die Gestaltung des Motivs, das Experimentieren mit Farben und das Hervorheben wesentlicher Merkmale eines Gebäudes.

Den Siebdruck hat Streese als ihre favorisierte Disziplin entdeckt. Die Möglichkeit, sprachliche Versatzstücke in die Darstellung zu integrieren, empfindet sie als "die optimale Ergänzung für meine Bilder". Dabei geht es ihr nicht nur um begleitende oder erläuternde Information.

Die Texte, gleich ob Auszüge aus Wörterbüchern, Lexika, wissenschaftlichen oder literarischen Werken sind zugleich gestaltende und kompositorische Elemente, werden Teil des Bildgegenstandes.

Außerdem bearbeitet die Bürokauffrau und Außendienst-Mitarbeiterin eines großen, amerikanischen Getränke-Konzerns in immer neuen Variationen das Thema Liebe. Ohne in verklärte Kitsch-Kultur abzudriften, auch wenn sie sich Symbolen wie Herz und Froschkönig bedient. "Liebe, das kann vieles sein, ein gutes Buch lesen, in der Badewanne liegen oder ein gutes Glas Rotwein trinken." Viel Herzblut liegt deshalb auch in ihrer künstlerischen Arbeit, für die sie sich in Kursen an der Europäischen Kunstakademie regelmäßig weiterbildet. In einigen Ausstellungen hat Streese ihre Werke bereits zeigen können und will sich für neue Projekte ein eigenes Atelier einrichten.

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