Im Dialog mit der Moderne

Im Dialog mit der Moderne

TRIER. (mew) Universität und Europäische Kunstakademie stellen gemeinsam aus: alte Kupferstiche mit zeitgenössischen Adaptionen.

Als "gutes Amalgam" bezeichnet der Kunsthistoriker Stephan Brakensiek die Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Europäischen Kunstakademie. Erste bot die graphische Sammlung sowie die studentische Organisation der gesamten Ausstellung von der Katalogkonzeption bis zur Hängung. Zweite verfügt über interessierte Künstler, die zeitgenössische Adaptionen der alten Kupferstiche anfertigten, sowie den angemessenen Raum für eine solche Ausstellung. "Wenn Rembrandt wissen wollte, was Raffael in Italien so macht, dann begab er sich keinesfalls auf große Reise, sondern griff zu einer graphischen Sammlung", plaudert Stephan Brakensiek aus dem künstlerischen Nähkästchen des 17. Jahrhunderts. Seit dem 15. Jahrhundert dienten Grafiken als Informationsmedium. Auch heute sei diese Technik der Rückschau auf Kunst aus der Vergangenheit noch aktuell, so der seit 2004 in Trier lehrende Dozent der Kunstgeschichte. Brandaktuell kommen die Bilder und Skulpturen dieser Ausstellung daher, die elf Studierende der Kunstgeschichte während des Wintersemesters angefertigt haben. Nach der Sondierung der 4000 Blatt starken Sammlung blieben 37 Grafiken, denen die Kunststudenten sowie Dozenten und Künstler mit viel Kreativität begegneten. Die Besonderheit liegt in dem direkten Dialog mit dem Vergangenen und macht diese Ausstellung laut Gabriele Lohberg zu einem "in Deutschland singulären Projekt". Der Besucher trifft auf interessante, kontrastreiche Kombinationen, die sich nicht nur in der geschickten Hängung widerspiegeln: Während die modernen Werke die Wände zieren, stehen, schräg versetzt, im Vordergrund die dazugehörigen Grafiken auf Staffeleien. Ein vielfach variiertes Motiv ist Louis-Joseph Masqueliers Kupferstich (nach dem Bild von Paulus Potter) "L'amant de la belle Europe". Aus der 300 Jahre alten Studie der Physiognomie eines Rindes mitten in Mutter Natur entspringen auf den Leinwänden der Moderne Kühe mit Europaflagge, eine gesamte Herde in Knallfarben sowie eine Collage aus Stierkopf-Holzschnitten, kombiniert mit Frauen-Fotografien in Schwarzweiß. Dass jedoch nicht nur die bildhaften Ergebnisse des Seminars zählen, machen die Erzählungen der Studenten deutlich. "Wir haben völlig neue Aufgabenfelder kennen lernen dürfen: Interviews mit Künstlern führen, Fotografen bestellen, Passepartouts schneiden, Katalogtexte verfassen" - die Liste an lehrreichen Erfahrungen ist lang und endet mit dem augenzwinkernden Verweis auf die selbst geschmierten Vernissage-Häppchen. Noch bis zum 10. Februar dauert die Ausstellung in der Europäischen Kunstakademie, Aachener Straße 63. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.