Im Slum überleben

Im Slum überleben

TRIER/NAIROBI. (glo) Seit 2004 hat der Fachbereich Geographie der Universität Trier drei Projektstudien in den Slums von Nairobi organisiert. Für jeweils 14 Tage bekommen Trierer Studenten somit die Möglichkeit, durch intensive Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen, Erfahrungen zu Themen der Entwicklungszusammenarbeit und den Herausforderungen von Stadtentwicklungspro-zessen in Entwicklungsländern zu sammeln.

Kontinuität in den Studien stärkt dabei die Intensität der Feldarbeit und die Lernerfahrungen der Studierenden. Die erste Studie kam 2004 durch Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Weltbevölkerung zustande. Das Regionalbüro dieser deutschen NGO (Non-Gouvernmental Organization - Organisation ohne Regierungsbeteiligung) betreut Jugendgruppen und unterstützt deren Aufbau sowie die Einbindung in größere Netzwerke. Jugendgruppen aus vier verschiedenen Slumgebieten in Nairobi wurden ausgewählt, um den Studierenden während ihrer zweiwöchigen Studie als Guide und Ankerpunkt zur Seite zu stehen. Ohne detailliertes Vorwissen wurden in der ersten Studie die Organisa-tionsformen der Jugendlichen in den informellen Siedlungen untersucht. Unter dem Thema "Slum Improvement for the Youth" konnten die Studierenden einen ersten Einblick in die Vielfalt der Aktivitäten vor Ort und die Kreativität der Jugendlichen erfahren. 2005 wurden die Erfahrungen durch eine weitere Studie vertieft. Viele Kontakte zu Kenianern

"Income Generating Activities - Needs, Prospects, Experiences" war der Titel der zweiten Studie, die sich gezielt mit der Untersu-chung von Überlebensstrategien und der wirtschaftlichen Entwicklung des informellen Sektors in den Slums von Nairobi beschäftigt hat. Die Kontakte, die zu vielen kenianischen Jugendlichen und Jugendgruppen geschlossen wurden, verstärken die Zusammenarbeit zwischen der Universität Trier und vielen kenianischen Institutionen. Zusätzlich wächst das Verständnis für die Situation in Nairobis Slums mit jeder Studie und ermöglicht es der Universität Trier durch analytische Arbeit substantive Beiträge zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bewohner zu leisten. Die diesjährige Projektstudie vertiefte wiederum Erfahrungen, die 2005 gesammelt werden konnten. Die Erkenntnis, dass die informelle Müllentsorgung eine der Haupteinnahmequellen für viele Jugendgruppen darstellt, motivierte die Studierenden zu einer tiefer greifenden Analyse des Müllentsorgungssystems. Mit dieser aktuellen Studie wurde eines der brennendsten und aktuellsten Themen Nairobis untersucht. Denn dass diese Studie genau zum richtigen Zeitpunkt vollzogen wurde, zeigt das Interesse des United Nations Environment Programme (Unep), sowie großer kenianischer Institutionen wie der "National Environment Management Authority" (Nema) oder des "Kenyan Institute for Public Policy Research and Analysis" (Kippra). Drei Hauptakteure eines gerade gestarteten Pilotprojektes sind an einer Einbindung der Studienergebnisse in eine landesweite Strategie zur Reformierung des Müllwirtschaftssektors interessiert.

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