Interview: Adel Tawil

Interview: Adel Tawil

Konzerthighlight in historischer Kulisse: Adel Tawil wird am 02.08. im Amphitheater mit den Songs seines Soloalbums „Lieder“ begeistern. Zuvor nahm sich der Sänger Zeit, um der Redaktion telefonisch einige Fragen zu beantworten. Ein Interview mit tierischer Begleitung.

Herzlichen Glückwunsch! Derzeit läuft bei dir alles rund. Fühlst du dich glücklich und zufrieden?
Adel Tawil: Ja, ich sitze gerade auf einer Parkbank. Das Wetter hier in Berlin ist toll. Das sind die ruhigen Momente, in denen ich denke: Ja, alles geil!

Jetzt zu den ungemütlichen Themen. Du warst in den Neunzigern Teil der Band The Boyz. Denkst du gerne an diese Zeit zurück?
Adel Tawil: Kommt drauf an. (lacht) Ich habe natürlich in dieser Zeit wahnsinnig viel gelernt. Es war auch alles sehr intensiv, weil ich alles zum ersten Mal erlebt habe, den ersten Videodreh, das erste Fotoshooting. Meine Kumpanen habe ich auch sehr gemocht, wir waren echt ein gutes Team. Aber natürlich haben wir auch die dunkle Seite der Musikindustrie zu spüren bekommen.

Was zum Beispiel?
Adel Tawil: Alles, was klischeemäßig für Boybands steht. Wir durften offiziell keine Freundin haben und die Verträge waren komplett sittenwidrig. Alles, was ich vorher nur vom Hörensagen her kannte, ist mir selbst passiert. Später habe ich das irgendwann unter "Lehrjahre" verbucht.

Blondierte Haare, weiße Anzüge - Was denkst du, wenn du die Fotos von damals siehst?
Adel Tawil: Die Anzüge waren super, ne? (lacht) Gegen die haben wir uns mit Händen und Füßen gewehrt. Unsere
damaligen Produzenten haben uns in einen Laden in Beverly Hills gebracht, in dem es ganz weite Hosen gab, so MC-Hammer-mäßig. Die fanden das ganz schick, das sollten wir anziehen. Wir sind dann schließlich eingeknickt. Wenn ich die Fotos sehe, ist es schon grausam. Bei anderen denke ich dagegen: Ach, wir waren eigentlich ganz cool, zum
Beispiel mit den dicken Jacken.

Wie konntest du dem folgenden Karrieretief entgehen?
Adel Tawil: Danach bin ich zunächst ein wenig abgerutscht, wusste aber, dass ich unbedingt Musik machen will. Zunächst habe ich mit Produzieren angefangen und dann habe ich Songs für andere geschrieben. Ich wäre aber nie mehr auf die Bühne gegangen. Mir war bewusst, dass meine Credibility dahin ist. Bei einigen Jungs, die aus Boybands kamen, hat es ja gut funktioniert, beispielsweise bei Robbie Williams und Justin Timberlake. Justin hat es ähnlich wie ich gemacht, er hat sich durch die Zusammenarbeit mit Pharell Williams und Timberland einen Namen gemacht. Bei mir war es Annette (Annette Humpe, die Produzentin von Ich & Ich, Anm. der Redaktion). Deswegen hat mich niemand in Frage gestellt.

Nach Ich & Ich bist du jetzt solo unterwegs, derzeit auf Open-Air-Tour. Freust du dich?
Adel Tawil: Open-Air-Konzerte sind immer anders. Ich will nicht sagen angenehmer, aber auf jeden Fall weniger stressig. Im Sommer ist das Wetter auch meist gut, die Locations oftmals besonders. Und wenn dann während der Dämmerung die Leute langsam aufs Gelände kommen und man anfängt zu spielen … (ruft) Jacky, komm her!

War das dein Hund?
Adel Tawil: Ja, der rennt hier die ganze Zeit rum. Also bei den Open-Air-Events ist auch der Hund immer dabei und wir haben einfach eine gute Zeit. Abends können wir in der Stadt meist noch in eine Kneipe gehen, da am nächsten Tag nicht gleich der nächste Termin ansteht.

Am 15.08. wirst du garantiert besonders viel trinken, denn dann ist dein Geburtstag …
Adel Tawil: … und wir haben ein Konzert auf Norderney.

Hast du Pläne für diesen Tag?
Adel Tawil: Nein, alles läuft ganz normal ab. Meistens lassen sich die Jungs aber etwas einfallen. Und das, obwohl ich Überraschungen hasse.

Anfang August geht's aber zunächst ins Amphitheater. Was fällt dir spontan zu Trier ein?
Adel Tawil: Trier ist … hm … irgendwas war da mit Unesco-Kulturdenkmälern. Porta Nigra, Dom …

Warst du schon mal hier?
Adel Tawil: Ja, mit Ich & Ich schon zwei Mal. Und natürlich mit The Boyz. Mit denen war ich in jedem Fleck in Deutschland. Wir haben überall Autogrammstunden gegeben. In jedem Elektronikmarkt …

Interview: Michael Juchmes