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Interview: Aloe Blacc

Interview: Aloe Blacc

Beim diesjährigen "Terres Rouges"-Festival am 07.09. in Esch/Alzette ist er einer der Headliner: Aloe Blacc. Marc Mühlenbrock sprach mit dem ehemaligen Rapper über seine aktuelle Platte, Housemusic im Allgemeinen und seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Avicii.

Dein aktuelles Album trägt den Titel "Lift Your Spirit". Ist es dazu gemacht, die Stimmung des Zuhörers anzuheben?
Aloe Blacc: Ich mag es, meine Alben mit positiven Worten zu betiteln. So hieß mein erstes Album "Shine Through", mein zweites "Good Things" und dieses "Lift Your Spirit", was für mich das allgemeine Gefühl des Albums ist. Ich denke, man sollte sich fühlen, als hebe der Geist ab. Man soll sich nach dem Hören des Albums einfach glücklicher fühlen. Mein musikalisches Ziel ist es, einen positiven sozialen Wandel zu erreichen und wenn ich auch nur einmal jemanden mit meinem Album zum Lächeln bringen kann, dann habe ich meinen Job definitiv gut gemacht.

Gibt es auf "Lift Your Spirit" ein grundlegendes Thema?
Aloe Blacc: Nun, ich weiß nicht, ob es ein Grundthema gibt. Generell mag ich es, vielfältige Themen auf meinem Album anzusprechen. Der rote Faden ist wahrscheinlich mein Gesangsstil, den ich entwickelt habe, um ein Gespür dafür zu bekommen, was ich wirklich machen will. Das hört man hauptsächlich in Songs wie "Here Today" und "Ticking Bomb", aber auch bei "Lift Your Spirit" und "Wake Me Up".

Wovon handelt "Wake Me Up", der Song, der weltweit die Charts stürmte?
Aloe Blacc: Für mich geht der Song definitiv darum, letztendlich das zu finden, was einen im Leben glücklich macht, und sich die Zeit dafür zu nehmen. Es gibt kein Rennen vor der Ziellinie. Wenn du große Träume hast, erlaube dir selbst, es zu tun, bis du bereit bist, rauszugehen und erfolgreich zu sein - solange du es willst.

Bist du selbst ein geduldiger Mensch?
Aloe Blacc: Ich habe auf jeden Fall, naja, eine geduldige Seite. Aber andererseits bin ich auch ein Mensch, der unbedingt will, dass sich Dinge schnell ändern. So habe ich zum Beispiel die Immigrationsthematik in den USA mit "Wake Me Up" aufgegriffen. Ich denke, das ist ein Thema, bei dem die Geduld ein Ende gefunden hat. Wir müssen eine Lösung finden, um mit unseren Nachbarn in einer Art und Weise leben zu könnnen, die jedem erlaubt, ein erfolgreiches und erfülltes Leben mit all den Möglichkeiten zu führen, die die Erde bietet. Mit der Erkenntnis, dass ein Land für alle da ist, ganz egal, wo wir eine Grenze ziehen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Avicii und eurer gemeinsamen Version von "Wake Me Up"?
Aloe Blacc: Avicii suchte nach einem Soulsänger für sein Album. Also hörte er sich um und schließlich war es Mike Shinoda von Linkin Park, der vorschlug, mit mir zu arbeiten. Also ging ich mit Avicii ins Studio und wir nahmen ein paar Songs auf. Ein paar Wochen später war er im Studio mit Mike Einziger von Incubus und rief mich an, ob ich kommen und die Texte zu der Musik schreiben könne, an der sie arbeiten. Also saß ich mit Mike und ihm an der Gitarre zusammen und sang meine Texte, die ich bereits für "Wake Me Up" geschrieben hatte. Es funktionierte so perfekt, dass wir eine Akustik-Version im Studio aufnahmen, die Avicii in einen fantastischen Dance-Hit verwandelt hat.

War es Avicii, der dir die Housemusic näherbrachte?
Aloe Blacc: Nein, ich habe schon vorher House gehört. In meinem ersten Soloalbum "Shine Through" habe ich House- und Broken-Beat-Elemente verarbeitet. Auch bei manchen Kollaborationen mit anderen Künstlern kann man das feststellen. Ich habe beispielsweise schon einmal mit dem Musiker Manu aus Australien einen Broken-Beat-Track namens "This Is My Home" aufgenommen.

Würdest du sagen, dass House in den USA - so wie in Europa schon seit Jahren - gerade besonders angesagt ist?
Aloe Blacc: Wenn man es sich genauer betrachtet, fing das mit der Housemusic ja in den USA an. Dort hatte und hat sie eine große Fangemeinde, nur nicht eine Popmusik-Fangemeinde. Zum heutigen Zeitpunkt ist House zur Popmusik geworden, aber es gibt immer noch dieses Underground-Element, das sich vielleicht über die populäre Seite der Housemusic ärgert. Der Untergrund hat immer etwas dagegen, wenn seine Musik genommen und von der Musikindustrie adaptiert wird. Ich würde sagen, dass House gleichermaßen "in" ist, mit dem Unterschied, dass man nicht wirklich viel darüber gehört hat. Ich kannte schon einige House-DJs, lange bevor die große "House-Explosion" einsetzte.

Wie unterscheiden sich die Songs in deinen Konzerten von den Albumversionen?
Aloe Blacc: Sie sind total unterschiedlich. Ich mag es, meine Songs ein bisschen anders als auf dem Album zu performen. Ich möchte sichergehen, dass das Konzert gute Laune verbreitet, daher schaffen es manche leisen Songs nicht in die Show. Und das, obwohl es einen bestimmten Weg gibt, die Energie hochzuhalten, weil ich eine High-Energy-Show wie James Brown abliefere. Ich bin ein Hip-Hop-Künstler aus der Vergangenheit und meine Hip-Hop-Seite muss erstmal damit klarkommen, dass ich als Sänger auf der Bühne stehe.

Hast du auch schon mit deiner Frau, der mexikanisch-australischen Rapperin Maya Jupiter, zusammengearbeitet?
Aloe Blacc: Ja, ich habe bei einigen Tracks auf ihrem letzten Album mitgewirkt. Wir werden in Zukunft definitiv häufiger Songs zusammen schreiben.

Welche Rolle spielt Musik in eurer Beziehung?
Aloe Blacc: Ich weiß es nicht. Wir reden viel über Musik, die unser beider Exis-tenzen seit vielen Jahren sichert. Aber wir sprechen auch über Fernsehserien und Filme - und aktuelles Zeug.