Interview: Donots

Die Donots feierten ihr 20-jähriges Bandjubiläum mit einem Open-Air-Festival am 13.06. im Trierer Exhaus. Wir sprachen im Vorfeld mit Bandmitglied Ingo.

20 Jahre Donots - und seit 1996 in unveränderter Besetzung: Hatte noch nie niemand von euch den Wunsch, die Band zu verlassen?
Ingo Donot: Den Gedanken gab es in der Tat noch niemals, an keiner Position. Ich bin mir schon sehr bewusst darüber, dass Bandkonstellationen selten so gut und dauerhaft funktionieren, und um so dankbarer bin ich für den Zusammenhalt der Donots. Bei einigen Bands dreht sich das Besetzungskarussell so dermaßen oft und schnell, dass mir schon beim Zuschauen schwindelig wird. Ich glaube, ein großer Faktor für das Funktionieren unserer Band ist es, dass wir uns auch nach 20 Jahren immer noch über jeden kleinen Erfolg, über jeden nächsten Schritt, über jeden neuen Song und auf die anstehenden Shows freuen können wie kleine Kinder an Weihnachten, und dass wir in jeder Chance eine Herausforderung sehen, der wir uns gerne stellen. Da passiert bei aller Routine immer noch so viel neues, dass es sich eigentlich so anfühlt, als gäbe es die Band erst seit letzter Woche. Und diese Frische färbt dann natürlich schönerweise auf die Shows und das Publikum ab, was wiederum uns noch mehr zusammenschweißt, wenn wir tolles Feedback bekommen.

Ist das auch den Nebenprojekten zu verdanken, die allen genug Spielraum bieten?
Ingo Donot: Klar, auch Nebenprojekte wie das Produzieren anderer Bands oder Spaß-Projekte der Marke Schrappmesser leisten ihren Beitrag dazu, dass es nie langweilig oder alt wird. Ich glaube, man tut sich einen großen Gefallen damit, zwischendurch mal ein wenig Abstand vom Tagesgeschäft zu haben, durchzuatmen und sich die Synapsen mal jenseits vom Tellerrand durchkneten zu lassen. Man geht danach mit umso mehr Elan und neuen Eindrücken wieder an die "eigentliche" Arbeit und hat bestenfalls komplett neue Ideen und Herangehensweisen für sich gefunden. Das merken wir jetzt gerade im Studio, wo wir am neuen Album arbeiten: Auch nach 20 Jahren überrascht es einen immer wieder, dass man sich noch überraschen kann und frische Ansätze findet. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Wochen gedacht habe "Wow, das dürfte der beste Song sein, den wir jemals aufgenommen haben!" Und dann gehen wir an das nächste Stück ran und ich denke schon wieder "Wow, was besseres haben wir noch nie gemacht!" Wir brennen so dermaßen für die neuen Songs, dass wir es kaum erwarten können, das Album zu veröffentlichen. Zum 20. Bandgeburtstag haben wir übrigends gerade eine neue 7" veröffentlicht mit den ersten beiden deutschen Donots Songs ever, inklusive toller Gastvocals von Tim McIlrath von Rise Against, ebenfalls auf Deutsch. Auch solche Geschichten halten die Donots frisch - für die Menschen draußen und natürlich auch für uns!

Was ist, wenn ihr euch mal auf den Sack geht: Wie sorgt ihr für Harmonie?
Ingo Donot: Wir gehen seit jeher sehr offen und respektvoll miteinander um. Jeder weiß, wie weit er beim anderen gehen kann und wann er mal eine Auszeit braucht. Und da wir eine gute Gesprächskultur innerhalb der Band haben, brauchen wir eine gute Streitkultur eigentlich gar nicht, weil wir alles schon längst ausdiskutiert haben, bevor es knallen könnte. Und sollte es doch mal knallen, haben wir eine unglaublich gute Kalauerkultur, die ebenfalls wieder für Harmonie sorgt. Und wenn auch die schlechten Witze nicht mehr helfen, dann haben wir immer noch eine gute Getränke-aus-dem-Kühlschrank-holen-Kultur und trinken uns den letzten Kalauer schön. Oder uns selbst. Und zack:
Harmonie galore!

2012 habt ihr es mit "Wake The Dogs" erstmals in die Top 10 der Albumcharts geschafft. War das ein besonderes Gefühl?
Ingo Donot: Selbst wenn Platz 6 am Ende auch "nur" eine Zahl ist, mit der man besonders Mama und Papa daheim beeindrucken und stolz machen kann, ist das schon ein schönes Gefühl. Das zeigt uns, dass sich die Mühen im Studio gelohnt haben, das Album aufzunehmen, und dass wir mit unseren Songs wohl nicht so ganz falsch liegen, wenn sich auch Leute außerhalb des Proberaums darüber freuen. Das Tollste daran ist aber wohl, dass wir eben eine Band sind, bei der alles immer noch Treppchen für Treppchen wächst und größer wird, und das eben auch gerne nach so vielen Jahren noch. Viele Bands werden über die Zeit zum Abklatsch oder Schatten ihrer selbst. Ich glaube, wir werden mit jedem Jahr und jedem Album besser und noch mehr Donots!

Im letzten Jahr seid ihr mit einigen Bands durch die USA getourt. Was ist da anders als bei uns … was besser und was schlechter?
Ingo Donot: Wir waren einen ganzen Monat drüben und das dürfte meine Lieblingstour von allen fast 1.000 Konzerten gewesen sein, die wir in den vergangenen 20 Jahren so gespielt haben. Das liegt daran, dass die Tour eigentlich all das nochmal zusammengefasst hat, was die letzten zwei Dekaden so spannend gemacht hat: Man musste sich jeden Abend ein komplett neues Publikum erspielen, dass einen zum größten Teil noch nie gesehen hatte, man hat viele neue Orte besucht, tolle Eindrücke mitgenommen und musste sich jeden Tag auf ganz neue Situationen einstellen. Wir haben zusammen mit Flogging Molly die schönsten und größten Clubs der USA bespielen dürfen (House Of Blues in San Diego, Paramount in Seattle, etc.), sind aber nebenher auch u.a. mit Anti-Flag oder CJ Ramone in ganz kleinen, ranzigen Punkrock-Bars und altehrwürdigen kleinen Clubs auftreten (vom Whisky A Go Go in Hollywood bis St. Vitus in Brooklyn). Mal waren wir Indoor, während es draußen geschneit hat, mal waren wir bei sonnigen 30 Grad auf einem großen Open-Air zum St. Patrick's Day unterwegs. Mal sind wir mit dem Nightliner gefahren, mal mit einem klapprigen Van, mal sind wir geflogen, mal haben wir im Hotel geschlafen, mal auf dem Fußboden in einem Appartment. 20 Jahre Donots auf 30 Tage verteilt, wenn man so möchte.

In eurem Jubiläumsjahr geht's nun auf Festivaltour. In Trier gibt's sogar ein Festival zu euren Ehren. Warum gerade hier?
Ingo Donot: Wir erinnern uns immer gerne an all die Shows, die wir so in Trier und Umland gespielt haben. Seit unserer gemeinsamen Tour mit den Beatsteaks Ende der 90er waren wir immer mal wieder im schönen Exhaus oder auf Festivals im Raum Trier unterwegs und die Stimmung war jedesmal super. Wir freuen uns sehr darauf, mit unseren alten Freunden von der Terrorgruppe mal wieder zusammenzuspielen nach all der Zeit, und auch das Rahmenprogramm mit Scheisse Minelli und Meg'n Jez kann sich sehen lassen! Da machen wir also Trier zu unserem 20. Geburtstag ein Geschenk und spielen eine der ganz wenigen, absolut exklusiven Donots-Shows auf der Sommerbühne vor dem Exhaus. Im Ernst: Das sollte niemand verpassen, denn das ist eine der wenigen Gelegenheiten, uns dieses Jahr überhaupt zu sehen, weil wir eben ansonsten mit den Arbeiten zum neuen Album beschäftigt sind.

Was sollten die Trierer Fans auf jeden Fall mitbringen, wenn es im Juni ins Exhaus geht?
Ingo Donot: Bock und viele Freunde, die auch Bock haben auf einen super Abend mit Sportgitarren! Ich wiederhole: BOCK UND VIELE FREUNDE, DIE AUCH BOCK HABEN! Wir sehen uns!

Die ersten 20 Jahre sind geschafft. Was kommt jetzt? Ein Imagewechsel? Eine Welttournee? Ein Best-of?
Ingo Donot: Hoffentlich mindestens noch 20 weitere Jahre und mindestens 1.000 weitere Konzerte, wegen mir auch auf dem Mond! Die neuen Songs entwickeln sich gerade schon wieder in eine sehr interessante, neue Donots-Richtung. Von daher bleibt alles wie immer anders und spannend! Nur soviel sei an dieser Stelle verraten und versprochen: Wir werden auch weiterhin Blut auf der Bühne schwitzen. Choreographien sollen andere Bands auswendig lernen. Bei uns regiert der Moment und jeder Abend sollte der beste Abend ever sein. Da kann auch weiterhin alles passieren - gebrochene Instrumente oder Knochen inklusive! Und die Best-of wird dann einfach das neue Album. Denn ich hab so das Gefühl, dass das unsere besten Songs ever werden! (lacht)