Jedes Jahr über 400 Vermisste in der Region Trier

Jedes Jahr über 400 Vermisste in der Region Trier

Seit mehr als sieben Wochen gilt die Trierer Studentin Tanja Gräff als vermisst. Ein Fall von jährlich mehr als 400 gemeldeten Vermissten allein in der Region Trier. Der Unterschied: Die meisten Vermissten tauchen innerhalb kurzer Zeit wieder auf.

Trier. (sey/us) Sie haben Stress in der Schule, Krach mit den Eltern oder Streit mit dem Freund oder der Freundin – Jugendliche, die von einem Tag auf den anderen verschwinden, in der Regel aber bald darauf wieder aufgegriffen werden oder sich freiwillig zurückmelden. 98 Prozent aller Vermisstenfälle in Rheinland-Pfalz seien innerhalb weniger Stunden oder Tage geklärt, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA) in Mainz. Laut LKA sind drei Viertel der jedes Jahr im Land als vermisst gemeldeten 2400 Personen Kinder und Jugendliche. Mitte Juni galten 16 Kinder und 51 Jugendliche als vermisst, darunter elf Kinder und zwölf Jugendliche länger als zwei Monate. Über deren Schicksale gibt es nur Vermutungen. Von zwei kleinen Jungen, die schon seit Mitte der 70er-Jahre vermisst werden, nimmt die Polizei etwa an, dass sie in Rhein und Sieg ertrunken sind. Bei sieben anderen Kindern gehen die Behörden davon aus, dass sie bei einem Elternteil im Ausland leben.

Zu den zwölf jugendlichen Langzeit-Vermissten in Rheinland-Pfalz gehören zwei Fußballer aus Ruanda, die sich in Koblenz von der U-18-Nationalmannschaft abgesetzt haben, sowie drei ausländische Asylsuchende, die aus einem Heim verschwunden sind.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier wurden im vergangenen Jahr 439 Personen als vermisst gemeldet, 164 im Bereich der Kriminalinspektion Trier, 104 im Bereich Wittlich und 171 in der Region Idar-Oberstein. Keine außergewöhnlich hohe Zahl, meint Polizeisprecherin Monika Peters. „Wir haben jedes Jahr zwischen 400 und 500 Vermisstenfälle.“ Die meisten Fälle seien aber rasch erledigt, weil die Gesuchten schon nach kurzer Zeit wieder unbeschadet auftauchten. Fälle wie der der vor fast zwei Monaten unter mysteriösen Umständen verschwundenen 21-jährigen Trierer Studentin Tanja Gräff sind somit die Ausnahme.
„Vor allem für die Angehörigen ist die quälende Ungewissheit das Schlimmste“, sagt der Idar-Obersteiner Kommissariatsleiter Ulrich Dröscher. Man dürfe die Hoffnung allerdings nie aufgeben, sagt Veit Schiemann von der Opferschutz-Organisation Weißer Ring in Mainz. „Es gibt Leute, die tauchen nach 20 Jahren wieder auf – relativ unbeschadet“, weiß Schiemann.