Kameras made in Trier

Kameras made in Trier

Lange Zeit, bevor Kameramarken wie Nikon, Canon oder Minolta aus Japan den deutschen Markt eroberten, gab es in Deutschland einen vielfältige Szene von Kamera-Manufakturen. Bekannte Marken aus dieser Zeit, die teilweise heute noch weiterleben, sind Voigtländer, Rollei oder Zeiss.

Allen voran natürlich auch Leica, die Ur-Mutter der Kleinbildfotografie aus Wetzlar/Solms in Hessen. Besonders in der Wirtschaftswunderzeit der 50er Jahre entwickelten sich auch viele kleinere Kamera-Hersteller, die längst in der Foto-Geschichte vergessen wurden. So zum Beispiel die Objektiv-Manufaktur von Heinz Kilfitt in München, der Objektive und Kameras wie die „Robot“ entwickelt hat. Ein weiteres Beispiel ist die Adox, eine Kleinbild-Sucherkamera aus Wiesbaden, gebaut von 1959 bis 1964. Sogar in Trier wurden in dieser Zeit Foto-Apparate gebaut, die derzeit in der Sparkasse in Trier ausgestellt werden.

Karl Foitzik war der Gründer der Foitzik-Kamerawerke, die zwischen 1951 und 1958 eine handliche und kostengünstige Familienkamera gebaut haben. Das Kamerawerk beschäftigte zuletzt im Trierer Stadtteil Heiligkreuz 170 Mitarbeiter und exportierte in 60 Länder. 1909 wird Karl Foitzik als fünfter Sohn des Bergbauangestellten Joseph Foitzik in Schomberg bei Beuthen/Oberschlesien geboren. Nach einem selbst finanzierten Studium ergreift er den Beruf des Maschinenbauingenieurs. In den Kriegsjahren praktiziert er sechs Monate bei Carl Zeiss in Jena. In dieser Zeit beschließt er, sich in der optisch-mechanischen Industrie selbständig zu machen.

In der Aufbruchstimmung nach Ende des Krieges entstehen in Westdeutschland rund 70 neue Kamerafabriken. Karl Foitzik ist dabei. Seine erste Kamera ist bereits ein großer Wurf. Bis April 1949 werden von der „Foica“ und den Nachfolgern „Foizica“ und „Unca“ zirka 600 Stück produziert. Dann zwingen Patentrechtsklagen der Firma Leitz und Streitigkeiten mit der Firma Steinheil wegen schlechter Qualität der Objektive zur Einstellung der Produktion. Karl Foitzik fühlt sich in Lübeck bei schlechten wirtschaftlichen Randbedingungen nicht mehr wohl und hält Ausschau nach Alternativen. Nach gescheiterten Versuchen in anderen Städten findet er in Trier 1949 mit dem Oberbürgermeister Heinrich Raskin, Syndikus König und Bankdirektor Remaklus aufgeschlossene Gesprächspartner.

Er baut auf einem Ruinengrundstück in der Grabenstraße 15 ein vierstöckiges Geschäftshaus – der erste Neubau in dem Ruinengebiet der Brot- und Grabenstraße, denn nach den Bombenangriffen um Weihnachten 1944 waren 41 Prozent der Häuser im Stadtbereich von Trier zerstört. Nach dem Umzug nach Trier hat die Firma „Feinmechanische Werkstätten Ing. Karl Foitzik“ im August 1951 bereits 20 Beschäftigte. Auf der dritten Photokina 1952 in Köln wird die neu entwickelte 6x6-Balgenkamera „Unca“ vorgestellt, mit Ennagon-Objektiv. Später werden Objektive der Firma Steiner, Bayreuth, verwendet. 1953 übernimmt Foitzik die Optische Werkstätte Janetzki, Paulinstraße, und fertigt von da an eigene Objektive („Foicar“, später „Foinar“).

Die Kameras heißen nun „Foinix“. Auf der Photokina im April 1954 stellt Foitzik die neue Mess-„Foinix“ sowie die preiswerte Kamera „Foinix OS“ vor. Nachdem es in der Grabenstraße zu eng geworden war, zieht die Firma im Juli 1954 in den Neubau in der Bernardstraße in Heiligkreuz. Umsätze und Gewinne entwickeln sich prächtig. Deutschland wird in fünf Vertretergebiete aufgeteilt. Es werden Auslieferungslager in Hannover, Frankfurt und München eröffnet. Sehr gut verkaufen sich: „Foinix OS“, „Rex Selbstauslöser“, Entfernungsmesser „Pollux“ und „Cip“ sowie die neuen Universalsucher, die mehrere Brennweiten einspiegeln konnten. Diese stellten eine preisgünstige Alternative zu den Leica-Universalsuchern dar. Foitzik exportiert fast 80 Prozent seiner Produktion in über 60 Länder. Das Unternehmen beschäftigt über 150 Leute.

Schwerer Schicksalsschlag für Familie und Firma

Die von Karl Foitzik selbst entwickelte Kleinbildkamera „Foinix I“ wird ab April 1955 verkauft. Kameras von Foitzik bietet auch der Kaufhof Köln als „Reporter“ an. Mit dem Unternehmer Schickedantz verbindet ihn eine enge Freundschaft und so vertreibt auch das Warenhaus Quelle erfolgreich die Foitzik-Produkte. Karl Foitzik plant eine „Foinix II“ mit Wechselobjektiven M 39 und die Aufnahme einer Fernglasproduktion. Am 21. Dezember 1955 ist Karl Foitzik geschäftlich nach Frankfurt unterwegs und verunglückt tödlich auf schneeglatter Fahrbahn bei Simmern im Hunsrück. Die Firma kann sich von dem Schock des plötzlichen Ablebens ihres genialen Kopfes nicht erholen. Im April 1956 wird die bisherige Einzelfirma Karl Foitzik in die „Karl Foitzik KG, Kommanditgesellschaft“ umgewandelt. Vollhafterin und Geschäftsführerin ist die Witwe Margarethe Foitzik, Kommanditisten sind die drei noch minderjährigen Kinder Marian, Ulrich und Ute.

Der Ingenieur W. Baumgärtner, früher bei Rollei und Voigtländer, wird neuer technischer Leiter. Die japanische Konkurrenz macht sich jedoch mit preiswerteren Modellen auf dem Weltmarkt breit. Im April 1958 wird die Produktion eingestellt. Der Warenbestand und die Maschinen werden veräußert. Das Gebäude Bernardstraße wird an die Berliner Firma Kieback & Peter verkauft, die bis heute dort tätig ist. Die Geschichte der Trierer Kameraindustrie geht nach nur neun Jahren zu Ende.

Manfred Helbach /Hans-Peter Linz

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