Kein Ersatz fürs Genie

TRIER. (mö) Musikalische Erfindungskraft können sie nicht ersetzen. Aber für die Kleinarbeit des Arrangierens, Notenschreibens und Kopierens sind Computer wertvolle Hilfen. Jetzt wurden drei brandneue Programme vorgestellt.

Am 29. Oktober 1787 stand Wolfgang Amadeus Mozart in aller Frühe auf und gab sich an die Komposition der Ouvertüre zu "Don Giovanni". Vormittags klopften die Kopisten und am Abend konnte die Oper in Prag komplett über die Bühne gehen. Heute hätte sich Mozart an den Computer gesetzt und eine Musik-Software angeklickt. Die erleichtert das Notenschreiben und das Arrangieren beträchtlich. Drei dieser Programme wurden jetzt im Trierer Musikhaus Kröger einem kleinen, aber interessierten Publikum vorgeführt. Mozart also hätte Papier, Federkiel und Tinte beiseite gelegt und die Töne via Tastatur oder Keyboard direkt in den Computer eingegeben. Der erspart auch das mühselige Anlegen der Partitur und stellt alle Noten dahin, wo sie hingehören. Ganze fünf Arbeitsschritte benötigt der Vorgang, und schon liegt das Stück auf der Festplatte. Auch die Kopisten wären überflüssig gewesen. Das moderne Programm schreibt nämlich auf Anweisung alle Stimmen direkt aus, achtet auch auf die notwendigen Transpositionen, scheint allerdings mit Verzierungen und ähnlichen Kleinigkeiten noch Schwierigkeiten zu haben. Ganz ohne Kontrolle geht es eben doch nicht. Die ausgeschriebenen Stimmen könnten via e-Mail zum Orchester wandern. Da wären sie sicherlich schon mittags gelandet und nicht erst kurz vor der Uraufführung des "Don Giovanni".Notensetzer in den Ruhestand verabschiedet

Die Zitate in der Schlusszene der Oper hätte Mozart nicht mehr eigens abschreiben, sondern gleich einscannen und dann entsprechend arrangieren können. Und einen Bearbeiter für die Bläsermusik nach "Don Giovanni" - damals nannte man das die "Harmoniemusik" - hätte er sich auch gespart. Das erledigt der Computer mit entsprechender Software per Mausklick ebenfalls. Die akustischen Ergebnisse könnte sich der Komponist mit einem anderen Programm gleich anhören. Wer weiß, vielleicht hätte Mozart eine Stelle, die der Wissenschaft heute Rätsel aufgibt, noch korrigiert. Allerdings erzeugt das vorgestellte System nur den Klang sinfonischer Blasmusik. Daran hätten Mozart und seine Zeitgenossen weniger Vergnügen gefunden - die Musik des Salzburger Genies galt ohnehin als zu laut und zu bläserlastig. In der Verlagsbranche hat der Computer eine kleine Revolution ausgelöst. Mittlerweile wurden bei allen großen Musikverlagen die Notensetzer in den Ruhestand verabschiedet. Der Computer besorgt's besser und sicherlich auch billiger. Leider haben alle Erfindungen auch ihre Grenzen. Handschriftliche Noten, zum Beispiel die hoch interessanten Musikbestände der Trierer Bibliotheken, kann kein System der Welt einscannen und in eine Druckfassung umsetzen. Da ist weiter die Handarbeit gefragt. Und trotz aller Erleichterungen komponiert wahrscheinlich heute niemand mehr so rasch und so gut wie Mozart. Genies sind eben durch nichts zu ersetzen. Für alle anderen ist Notensoftware eine wertvolle Unterstützung.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort