Konzer Muslime wollen ein eigenes Gräberfeld: Stadtrat tagt am 27. März darüber

Konzer Muslime wollen ein eigenes Gräberfeld: Stadtrat tagt am 27. März darüber

Ein muslimisches Gräberfeld auf einem Konzer Friedhof? Warum nicht, sagen alle Stadtratsfraktionen. Auch die Verwaltung sichert den Muslimen ihre Unterstützung zu. Allerdings schreibt ein Landesgesetz die Sargpflicht vor. Um eine muslimische Bestattung ohne Sarg zu ermöglichen, muss die Stadt etliche Auflagen erfüllen.

Adulvahab Güntepe, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Konz, und Tevhit Yilmaz, Sekretär der Ditib, setzen sich für ein eigenes muslimisches Grabfeld ein. Yilmaz spricht von einem "Friedhof für alle Konzer Muslime" - nicht nur für diejenigen türkischer Herkunft.

Ihre Verstorbenen können die Muslime bisher nicht in Konz bestatten. Das nächstgelegene muslimische Gräberfeld ist auf dem Trierer Südfriedhof. Ein weiteres gibt es im etwa 40 Kilometer entfernten Wittlich-Neuerburg.

Die Stadt und alle Fraktionen des Stadtrats unterstützen das Vorhaben. "Wir haben einen sehr guten Kontakt zu den Parteien und Behörden", sagt Güntepe. Die bisherigen Besprechungen haben ergeben, dass es auf dem Waldfriedhof in Konz-Roscheid einen passenden Bereich gibt. Auch ein Raum für die rituelle Waschung der Toten wäre vorhanden. Die Details sind noch nicht geklärt. Der Stadtrat bespricht sie bei seiner Sitzung am Dienstag, 27. März, 18 Uhr, im Kloster Karthaus.
Passender Bereich auf Waldfriedhof

Das muslimische Beerdigungsritual läuft anders ab als eine christliche Erdbestattung. Die Verstorbenen werden in einem offenen Sarg an das in Richtung Mekka ausgerichtete Grab getragen. Der Leichnam wird eingewickelt in einem Leichentuch begraben - ohne Sarg.

Das ist in Rheinland-Pfalz ein Problem. Denn das Landesbestattungsgesetz schreibt die Sargpflicht vor. Damit sind die Vorschriften strenger als in anderen Ländern.

Tuchbestattungen sind - anders als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen und im Saarland - nicht grundsätzlich erlaubt. Laut dem zuständigen Gesundheitsministerium ist die Sargpflicht eine Vorsorgemaßnahme, um Infektionen vorzubeugen und das Grundwasser vor Körperflüssigkeiten zu schützen.

Leiche nur in Tuch gewickelt

Eine Einschränkung der Religionsfreiheit sieht das zuständige Landesgesundheitsministerium darin nicht. Ministeriumssprecherin Beate Fasbender-Döring verweist auf eine Hintertür. Grundsätzlich halte das Land an der Sargpflicht bei der Erdbestattung fest. Eine Befreiung von der Sargpflicht könne ausnahmsweise unter strengen Auflagen ermöglicht werden. Voraussetzung ist, dass religiöse Gründe zwingend dafür sprechen. Die Kommunen müssen dann ihre Friedhofssatzung ändern und mehrere Gutachten einholen (siehe Extra).

Extra

Die Stadt Worms bietet seit einigen Jahren die sarglose Bestattung für Muslime an. Das Landesgesundheitsministerium empfiehlt der Stadt Konz, sich dort Tipps geben zu lassen. Gefordert werden Gutachten vom Gesundheitsamt, vom Landesamt für Geologie und Bergbau sowie vom Umweltamt. Das Leichentuch muss aus einem Stoff sein, der keine Flüssigkeit nach außen durchsickern lässt und so den hygienischen Zweck eines Sargs erfüllt.